Stuttgart - Das Geschäft mit der Fracht ist am Flughafen Stuttgart ähnlich wie die Kreation eines Spitzenkochs auf dem Teller des Gastes: mengenmäßig überschaubar, qualitativ hochwertig. Das liegt einerseits daran, dass viele Güter nicht in Echterdingen verladen werden, sondern auf der Straße zum Flughafen Frankfurt gehen. Andererseits hat es die Luftfracht in Stuttgart in sich, denn oft handelt es sich um sehr wertige Produkte der Autohersteller und Maschinenbauer.
Bei der Luftfracht stellt sich die Lage mitten im Corona-bedingten Niedergang des Flugverkehrs nicht ganz so desaströs dar. Der Umschlag in Stuttgart sei im vergangenen Jahr nur um 25,5 Prozent zurückgegangen, nicht um 74,8 Prozent wie die Zahl der Passagiere, erklärt die Flughafen Stuttgart GmbH (FSG). Das bedeute: „Die Luftfracht am Landesflughafen hielt sich vergleichsweise robust.“
Im Januar sind 30 Frachtflüge dieser Art geplant
Auch diese Woche spiegelte sich diese Entwicklung auf dem Vorfeld wider: Da rollten und parkten Passagierflugzeuge, die nicht für den Transport von Reisenden gedacht waren, sondern für die Luftfracht. Meist sind es Maschinen wie die Antonov-Großtransporter oder die Boeing 787. Der Dreamliner ist ein Langstreckenjet, der sonst selten in Stuttgart Station macht. Er gilt als relativ emissionsarm und kostengünstig im Betrieb. Wegen der Abmessungen ist sein Laderaum gut geeignet für Frachttransport. Rund 40 Tonnen verkraftet er. Und weil keine Passagiere an Bord sind, muss kein Reisegepäck in den Laderaum.
Am Mittwoch machten in Stuttgart zwei Dreamliner Station, am Donnerstag vier und für diesen Freitag werden auch wieder zwei erwartet. Für den ganzen Januar sind rund 30 Frachtflüge im Plan – nachdem schon im November und Dezember etwa 30-mal Dreamliner eingeschwebt waren. Ziel der Frachtflüge waren und sind Detroit (USA) und Guadalajara (Mexiko) und Atlanta (USA) mit einem Großflughafen, der vor der Pandemie für USA-Reisende äußerst wichtig war und auch für Gütertransporte zu den Autoproduktionsstandorten in den US-Südstaaten bedeutsam ist. Vor Corona gab es seit vielen Jahren einen täglichen Passagierflug dorthin, der für Delta Airlines auch wegen der Beifracht wirtschaftlich interessant war. Die Pandemie hat ihn vorerst zur Strecke gebracht. Wann er wieder aufgenommen wird, hängt vom weiteren Pandemieverlauf und den Impfaktionen ab.
Das Hauptgeschäft am Flughafen ist steil abgestürzt
In Stuttgart operieren vor allem British Airways und der Touristikkonzern Tui. Aber auch andere Unternehmen setzen verstärkt auf Frachtflüge. Luftbrücken für Güter gab es im Dezember auch zwischen Deutschland und Großbritannien infolge der Corona-Krise, des Brexits und der Lkw-Staus an den Ufern des Ärmelkanals. Transportiert werden unter anderem Schutzausrüstungen und Lebensmittel.
Die Frachtflüge erfreuen auch die FSG, denn das Hauptgeschäft ist 2020 drastisch abgestürzt: die Passagierzahl von 12,73 Millionen auf 3,21 Millionen (–74,8 Prozent), die Zahl der Starts und Landungen um 58,7 Prozent auf 58 803. Für 2021 rechnen die Flughafenchefs immerhin wieder mit sechs Millionen Fluggästen.
Die Lage von Airlines und Airports sei aber weiterhin äußerst schwierig, sagt Walter Schoefer, der Sprecher der Geschäftsführung. Die Flughäfen bräuchten nicht rückzahlbare Zuschüsse von Bund und Land. Und Arina Freitag sagt: „Vor uns liegt noch eine lange Durststrecke.“ Sie hofft beim Flugbetrieb auf erste Anzeichen der Entspannung zur Jahresmitte.