Soldatenrevolte in Mali Präsident und Regierungschef festgenommen

In Mali ist es offenbar zu einem Militärputsch gekommen. Foto: AFP/MALIK KONATE
In Mali ist es offenbar zu einem Militärputsch gekommen. Foto: AFP/MALIK KONATE

Die Situation in Mali erinnert an den Putsch von 2012, als ein Hauptmann mit Unterstützung von Soldaten die Macht an sich riss. Nun nehmen Soldaten neben dem Präsidenten auch dessen Regierungschef und den Finanzminister in Gewahrsam.

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Bamako - Im westafrikanischen Mali ist es möglicherweise zu einem Putschversuch gekommen. Soldaten hätten nach einer Revolte in ihrer Kaserne Präsident Ibrahim Boubacar Keïta und Ministerpräsident Boubou Cissé in Gewahrsam genommen, erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Dienstag aus informierten Kreisen. Kurz zuvor hatten Augenzeugen berichtet, Soldaten hätten das private Anwesen von Keïta umstellt und Schüsse in die Luft gefeuert. Bereits im Tagesverlauf hatte sich die Lage zugespitzt: Die Soldaten nahmen auch den Finanzminister und hochrangige Offiziere fest. Regierungskritische Demonstranten bejubelten die Meuterer.

Cissé hatte vorher eine Mitteilung an die Soldaten herausgeben lassen. Sie sollten ihre Waffen niederlegen und die Interessen der Bevölkerung an erste Stelle setzen. „Es gibt kein Problem, bei dem die Lösung nicht über Dialog gefunden werden kann“, sagte er. Wer hinter der mutmaßlichen Meuterei steckte, blieb vorerst unklar. Indes steckten einige Demonstranten ein Gebäude in Brand, das Malis Justizminister gehört.

Zuletzt hatte es 2012 einen Putsch durch Hauptmann Amadou Haya Sanogo gegeben, danach versank Mali im Chaos. Keïta wurde 2013 demokratisch gewählt und genießt international Unterstützung. Innenpolitisch stieg zuletzt aber der Druck auf ihn, insbesondere wegen seines Umgangs mit islamistischen Extremisten.

Diese hatten durch das Machtvakuum nach dem Putsch 2012 an Einfluss gewonnen und die Kontrolle in mehreren Städten im Norden des Landes übernommen. Zwar konnten die Dschihadisten durch einen von Frankreich angeführten Militäreinsatz vertrieben werden, aber letztlich formierten sie sich neu und bauten ihren Einfluss in den vergangenen Jahren wieder aus.

Vor der Festnahme Keïtas erklärten die USA, die Situation sei besorgniserregend

Augenzeugen berichteten, dass Panzer und andere Militärfahrzeuge auf den Straßen der Stadt Kati bei Bamako zu sehen waren. Soldaten aus Kati hatten schon vor acht Jahren Putschführer Sanogo unterstützt. Später wurde Sanogo gezwungen, die Macht an einen zivilen Übergangsrat abzugeben, der denn jene Wahlen organisierte, bei denen Keïta 2013 gewann.

In der politischen Krise der vergangenen Wochen und Monate haben regionale Vermittler Keïta aufgefordert, die Macht über eine sogenannte Einheitsregierung zu teilen. Malis Opposition hat das aber abgelehnt; sie will seinen Rücktritt.

Vor der Festnahme Keïtas erklärten die USA, die Situation sei besorgniserregend. Die Vereinigten Staaten seien gegen alle verfassungswidrigen Änderungen an der Regierung, sei es auf den Straßen oder durch Sicherheitskräfte, twitterte der Sondergesandte des US-Außenministeriums für die Sahelzone, J. Peter Pham.




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