Als eine von vier Schulen in Europa bekommt das Gymnasium EU-Geld für die energetische Sanierung.

Nordrundschau: Leonie Hemminger (lem)

Weilimdorf - Was den Energieverbrauch betrifft, bekommt das Solitude-Gymnasium vom Amt für Umweltschutz derzeit noch schlechte Noten bescheinigt. Im Vergleich zu anderen pädagogischen Einrichtungen in Stuttgart liegen die Energiekosten, insbesondere die Heizkosten, deutlich über dem Durchschnitt. Das liegt zum Teil an einem überholten Heizsystem, zum Teil an undichten Fenstern und schlechter Dämmung. „Wir heizen quasi zum Fenster raus“, sagt der Rektor Bruno Stegmüller.

Doch die schlechten Werte haben in gewisser Weise auch einen Vorteil: Ihnen ist es zu verdanken, dass das Solitude-Gymnasium als eine von vier Schulen für das EU-Projekt „School of the Future“ (Schule der Zukunft) ausgewählt wurde. Jeweils eine Lehranstalt aus Italien, Dänemark, Norwegen und Deutschland wird anteilig dabei unterstützt, ihr Schulgebäude energieeffizient zu sanieren. Bis zu einem Betrag von 100 Euro pro Quadratmeter bezahlt die EU die Hälfte der Kosten. Für das Solitude-Gymnasium beträgt die europäische Fördersumme demnach rund 540 000 Euro. „Es geht auch darum, zu zeigen, dass man Energieeinsparungen durch Sanieren relativ kostengünstig erreichen kann“, erklärt Heike Erhorn-Kluttig vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik, die das Projekt leitet, die verhältnismäßig geringe Summe.

Weniger Heizkosten, bessere Luft

Drei Ziele sollen die vier Schulen der Zukunft bis Anfang 2016 erreichen: Zum einen soll der gesamte Energieverbrauch auf ein Drittel des heutigen Wertes gesenkt werden. Eine weitere Vorgabe ist, die Heizkosten um 75 Prozent zu reduzieren. Und schließlich muss die Innenraumqualität spürbar verbessert werden, so dass es in den Räumen künftig weder zu heiß noch zu kalt ist, niemand geblendet wird und auch die Luft gute Werte aufweist.

Um diese Vorgaben zu erreichen, werden am Solitude-Gymnasium unter anderem Wände, Dächer und Kellerdecken gedämmt, dreifach verglaste Fenster eingebaut, ein Sonnenschutz angebracht, ein automatisches Belüftungssystem mit Wärmerückgewinnung sowie ein Blockheizkraftwerk eingebaut. Auch über eine Fotovoltaikanlage wird nachgedacht. Ferner ist ein intelligentes Beleuchtungssystem geplant, das automatisch angeht, wenn jemand einen Flur betritt oder ein Raum zu dunkel wird.

Als gutes Beispiel vorangehen

Im Anschluss an die Bauarbeiten werden ein Jahr lang Daten erhoben, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse bei anderen Schulgebäuden in ganz Deutschland zu nutzen. „Wir möchten am Solitude-Gymnasium eine vorbildhafte energetische Sanierung durchführen. Den Zustand, den wir dort erreichen, stellen wir uns an allen Schulen in Stuttgart vor“, betont Jürgen Görres vom Amt für Umweltschutz.

Neben den energetischen Maßnahmen, die im Rahmen des EU-Programms durchgeführt werden, plant die Stadt darüber hinaus eine umfassende Generalsanierung der Weilimdorfer Schule. Im städtischen Schulsanierungsplan sei das Solitude-Gymnasium ohnehin vorgesehen gewesen, das EU-Projekt habe lediglich einige Maßnahmen beschleunigt, sagt Andrea Braß vom Schulverwaltungsamt. Insgesamt schätzt sie die städtische Investitionssumme für alle Gebäudeteile mitsamt der Sporthalle auf rund 10 Millionen Euro.

Der Zeitplan sieht vor, dass dieses Jahr in den Sommerferien der Fachklassenbau saniert wird. Der große Pavillon ist bereits 2011 renoviert worden. Etwas komplizierter wird die Sanierung des Hauptbaus, die für Februar bis September 2014 vorgesehen ist. Hierfür müssen einige Container auf dem Schulgelände aufgestellt werden. „Der Unterrichtsbetrieb wird dort aber ganz regulär laufen“, versichert Rektor Stegmüller. Er ist froh, dass das Solitude-Gymnasium nach mehr als 35 Jahren renoviert wird. „Das ist bitter nötig“, sagt der Schulleiter. Weißwand- statt Kreidetafeln und Internetanschlüsse in allen Klassenräumen würden zudem einen modernen, zeitgemäßen Unterricht ermöglichen. Dass das Gymnasium gleichzeitig als Modellprojekt für andere energetische Sanierungen voranschreitet, unterstützt Stegmüller: „Es steht einer Schule gut zu Gesicht, als gutes Vorbild voranzugehen.“