Sonne und Kinderhaut Kleine Kinder richtig vor Hitze schützen

Kinder sollten nie ohne Sonnencreme in die Sonne gehen. Foto: Pexels/Kindel Media

Sonnenschutz ist wichtig, ganz besonders für Kinder. Doch ab wann vertragen Kinder Sonnencreme? Ist eine Sonnenbrille schon nötig? Und was tun bei einem Sonnenstich? Antworten auf Fragen, die sich Eltern stellen könnten.

Immer öfter klettern die Temperaturen im Sommer auf über 30 Grad. Und durch den Klimawandel rechnen Experten in Zukunft mit noch mehr Hitzetagen. Hohe Lufttemperaturen strengen den Körper an, besonders den von Kindern. Zwei Mediziner erklären, worauf Eltern an heißen Tagen achten sollten.

 

Warum reagieren kleine Kinder empfindlich auf Hitze?

„Je kleiner ein Körper ist, desto eher wird er von Wärme durchdrungen“, erklärt Till Reckert, Kinder- und Jugendarzt aus Reutlingen und Mitglied des Baden-Württembergischen Landesvorstands des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzte. Kleinen Kinder ist deshalb meist früher warm als Erwachsenen. Zudem habe sie einen höheren Stoffwechselumsatz – bei Bewegung produzieren ihre Körper also mehr Wärme.

Bis zur Pubertät haben Kinder zwar die gleiche Anzahl von Schweißdrüsen wie Erwachsene, aber eine wesentlich geringere Schweißproduktion und damit eine geringere Wärmeabgabe durch Verdunstung. In Verbindung mit Anstrengung, zum Beispiel beim Spielen oder beim Sport, können Kinder deshalb schnell ihre Hitzetoleranz überschreiten und unter Wasser- und Salzverlust leiden.

Auf sich selbst achtgeben können besonders sehr kleine Kinder nicht: „Eltern müssen für ihre Kinder mitdenken und dabei erahnen, wie sie sich gerade fühlen“, sagt Reckert. Fangen Kinder an zu schwitzen, haben einen roten Kopf oder haben verstärkten Durst, sollten Eltern für Abkühlung sorgen.

Welche Gefahren bestehen für Kleinkinder bei Hitze und Sonne?

Ist ein Kind zu lang ungeschützt der Sonne ausgesetzt, besteht die Gefahr eines Sonnenstichs. Die hohe Temperatur der Sonnenstrahlen auf dem Kopf und im Nackenbereich verursacht eine Irritation des Gehirns, reizt die Hirnhäute und löst Entzündungsreaktionen aus. „Kinder sind dann meist schlapp, müssen sich übergeben, haben pulsierende Kopfschmerzen oder auch Fieber“, sagt Reckert. Mit diesen Symptomen solle man dann so umgehen wie sonst auch: Ruhe, Temperaturregulierung durch feuchte Tücher oder eine kühle Dusche und viel trinken. „Eltern brauchen ein gutes Quäntchen Bauchgefühl, um zu entscheiden, ob das Kind auch zum Arzt muss.“ Wenn Nackensteifigkeit, Bewusstseinsprobleme oder gar Hauteinblutungen hinzukämen, müsse man eher an eine sehr selten vorkommende Meningitis denken und schnell handeln, warnt Reckert. Aber oft ließen die Symptome schon nach einem Tag wieder nach, was ein gutes Indiz sei, dass es sich einen Sonnenstich handele.

Vorbeugen können Eltern, indem Familien an heißen Tagen leben, wie es Menschen in südlichen Ländern machen. Das heißt: mittags eine Pause einlegen und Aktivitäten wenn möglich morgens und abends planen. Auch Sport sollte in der Hitze vermieden werden, denn an heißen Tagen ist das Herz-Kreislauf-System ohnehin schon ausreichend belastet. Wichtig ist, regelmäßig zu trinken. Manche Kinder trinken mehr, wenn Eltern verdünnte Säfte oder erkaltete, ungezuckerte Tees in die Trinkflasche füllen.

Welche Sonnencreme sollte man nutzen?

Die Eigenschutzmechanismen von Kinderhaut sind noch nicht vollständig ausgebildet. Jeder Sonnenschaden, der in der Kindheit entsteht, erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Hautkrebs zu erkranken. „Kleine Kinder sollten deshalb möglichst nicht der intensiven Sonne ausgesetzt werden“, sagt Reckert. Dies sei auch noch bis in das Vorschulalter zu empfehlen. Ist Verschattung und Kleidung nicht möglich, benötige Kinderhaut immer eine möglichst wasserfeste Creme mit hohem Sonnenschutzfaktor.

Kindern ab einem Jahr raten Experten zu einer Sonnencreme mit mineralischen UV-Filtern, die grundsätzlich gut vertragen werden. Partikel aus Zink oder Titandioxid reflektieren dabei das Sonnenlicht auf der Haut. Allerdings hinterlassen mineralische Cremes häufig einen weißen Schleier und lassen sich schwerer entfernen. Till Reckert rät, bei Kindern unter einem Jahr noch auf Sonnencremes zu verzichten und durchgehend für Verschattung zu sorgen. Denn bisher ist nicht hinreichend untersucht, wie die Filter auf Säuglingshaut wirken. Ältere Kinder dürften auch herkömmliche Cremes mit chemischen Filtern verwenden, die möglichst dermatologisch getestet sind und einen Lichtschutzfaktor von 50 oder höher aufweisen.

Beim Eincreme selbst gilt das Motto: Viel hilft viel. Um den ausgewiesenen Schutzfaktor tatsächlich zu erhalten, empfiehlt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit etwa drei Esslöffel Sonnenschutzmittel pro Anwendung. Alle paar Stunden und nach dem Baden sollte nachgecremt werden. Von einem bewölkten Himmel oder Wind dürfen sich Eltern nicht täuschen lassen. Entscheidend ist der tagesaktuelle UV-Index, der sich mit dem Sonnenstand, der Jahreszeit, dem Breitengrad und der Ozonsituation in der Atmosphäre ändert.

Ist UV-Kleidung wirklich nötig?

Generell schützt jede Kleidung vor Sonne. Je dichter gewebt und je farbiger sie ist, umso besser. Leichte, transparente Stoffe aus Baumwolle oder Viskose lassen mehr Strahlung durch als Bekleidung aus Polyester und Polyester-Mischstoffen. Spezielle UV-Bekleidung schützt noch besser vor Sonneneinstrahlung. Den härtesten Anforderungen müssen Textilien bei den Checks nach UV-Standard 801 genügen. Ein T-Shirt wird hierbei nass gemacht, gedehnt und mehrmals gewaschen – und muss dann immer noch richtig vor der Sonne schützen. Textilien nach dem australisch-neuseeländischem Standard (AS/NZW 4399), nach dem amerikanischen Standard (AATCC TM 183) und dem europäischen Standard (EN13758) durchlaufen den UV-Check nur fabrikneu. Auch Sonnenschirme, Strandmuscheln oder Sonnensegel werden mit diesen Standards ausgezeichnet.

Brauchen Kleinkinder eine Sonnenbrille?

„Zu viel Sonne ist nicht gut für die Augen“, sagt Sandra Krawczyk, Oberärztin der Augenklinik des Klinikums Stuttgart. Denn UV-Strahlung kann die Augen schädigen und im Alter zu Haut- und Bindehautschäden sowie zu vorzeitigen Linsenschäden führen. Das Auge besitze zwar einen natürlichen Schutz vor UV-Strahlung, dieser sei allerdings in jungen Jahren weniger gut ausgeprägt, erklärt Krawczyk.

Sobald Kinder sich fortbewegen können und nicht permanent im Schatten verweilen wollen, würde eine Sonnenbrille deshalb auch bei Kindern Sinn machen, insbesondere bei erhöhter UV-Belastung durch vermehrte Lichtreflexion am Wasser oder im Schnee. Wichtig sei aber, nicht irgendeine Brille zu kaufen. „Eine Tönung allein reicht nicht aus, um Augen vor UV-Strahlung zu schützen“, sagt Krawczyk. Brillen sollten neben einer CE-Zertifizierung eine UV-400 Kennzeichnung haben. Dann werden alle UV-Wellen, die kürzer als 400 Nanometer sind, zuverlässig gefiltert. Zudem sollte die Brille gut sitzen sowie kratzfest und bruchsicher sein. Möchten Kinder keine Sonnenbrille tragen, rät Krawczyk zu einem Hut mit breiter Krempe, der die Augen vor Sonneneinstrahlung schützt.

Sollten gestillte Babys zusätzlich Wasser trinken?

Gerade im Sommer, wenn es draußen sehr warm ist, fragen sich viele Eltern, ob der Flüssigkeitsbedarf ihres Babys höher ist als sonst und ob es zusätzlich noch Wasser trinken sollte. Werden Kinder noch voll gestillt und funktioniert das Stillen gut, ist die Flüssigkeitsmenge normalerweise auch an heißen Tagen ausreichend, sagt der Kinder- und Jugendarzt Till Reckert. Denn Muttermilch oder speziell angerührte Säuglingsnahrung besteht zu etwa 80 Prozent aus Wasser.

Ist der Durst an heißen Tagen sehr groß, können Mütter das Kind häufiger anlegen, vorausgesetzt, sie trinken selbst genug. Wollen Säuglinge mehr Milch als die Mutter anbieten kann, könne man etwas Wasser dazugeben, sagt Reckert. Im Hinterkopf behalten sollte man aber, dass jede zusätzliche Flüssigkeit neben der Muttermilch dazu führen könnte, dass das Kind längerfristig weniger Milch verlangt. „Und wird weniger Muttermilch getrunken, produziert die Brust auch weniger Milch“, sagt Reckert. Ist das Stillen problemlos etabliert, mache das aber keine langfristigen Probleme und regele sich wieder ein. Nehmen Babys neben der Brust schon feste Nahrung, also Beikost, zu sich, könnten Eltern ihnen kleine Mengen Wasser ohne Bedenken reichen. Er selbst empfiehlt kühl abgelaufenes, frisches Leitungswasser. „Das ist am kostengünstigsten und klimafreundlichsten.“

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