Stadtkind Stuttgart

Soundcheck mit Los Santos Eine spacig nette Familie

Von Björn Springorum 

Familienunternehmen haben im Ländle eine lange Tradition. Auf der Bühne findet man sie allerdings deutlich seltener. Und im wilden Rock‘n‘Roll-Teich so gut wie gar nicht. Los Santos sind allein deswegen ein Kuriosum.

Los Santos: Space Rangers bei der Arbeit. Foto: Nina Rustenbach 3 Bilder
Los Santos: Space Rangers bei der Arbeit. Foto: Nina Rustenbach

Stuttgart - Familienunternehmen haben im Ländle eine lange Tradition. Auf der Bühne findet man sie allerdings deutlich seltener. Und im wilden Rock‘n‘Roll-Teich so gut wie gar nicht. Los Santos sind allein deswegen ein Kuriosum: Eine Band, mehr Familie als Kollegium, eine verschworene Bande aus Sohn, Vater, dessen Lebensgefährtin und einem langjährigen Freund, der längst zum Inventar zählt. Ihre Homebase: Stuttgart-West. Ihr Sound: Stuttgart-Weltraum. Surf Rock vom Saturn, Vibes von der Venus, eine Rockabilly-Odyssee im Weltraum, verfeinert mit Country, Tex-Mex und nur echt mit der Weltraum-Orgel, die jedem Trekkie Freudentränen in die Augen steigen lässt.

Urheber dieser irrwitzigen Mischung sind Stefan Hiss, Joscha Brettschneider, Lucia Schlör und Bernd Öhlenschläger, die man alle auch aus anderen Ecken, Bands, Weltraumkneipen oder Bühnen der Stadt kennt und nur in dieser unvergleichlichen Viererform als Los Santos serviert bekommt. Fast wie die Kelly Family, nur ohne Hausboot. Dafür mit Raumschiff, richtig feinen Songs, jeder Menge Unterhaltungsfaktor und den derbsten Bühnenoutfits seit „Starlight Express“.

Hier wird beim Frühstücksei nicht über die Nachrichten, sondern über neue Songs philosophiert, hier wird auch recht familienuntypisch nicht gestritten. „Wir surfen auf einer Welle und bleiben gelassen, wenn es stürmisch wird“, umschreibt Lucia Schlör die Stimmung in der Familienbande. Vor ihrem Konzert im Goldmark‘s am 26. Mai haben wir uns mit der Sängerin, Schauspielerin und Sprecherin über die wirklich wichtigen Dinge zwischen Weltraum und Erde unterhalten.

Drei in drei Sekunden:

Lieblingsort zum Musik machen? Das Ryman Auditorium. Ist allerdings in Nashville, nicht in Stuttgart.

Größtes Vorbild aus der Stuttgarter Musikszene? Hiss

Persönliche Lieblingsplatte? Nikki Lane Highway Queen

Wie habt ihr euch gefunden?

Stefan und ich sind ein Ehepaar, und Joscha ist Stefans großer Sohn. Adoptiert haben wir den Bernd – und fertig war die Band. Wir haben uns quasi morgens beim Zähneputzen dazu entschlossen.

Was ist die skurrilste Anekdote aus eurer Bandgeschichte?

Bei einem Gig auf einer Seebühne am Bodensee schwirrten bei Sonnenuntergang plötzlich Milliarden von Mücken um die Scheinwerfer und uns. Viele von ihnen mussten sterben, als wir sie beim Singen einatmeten und schluckten, als sie sich auf dem Schlagzeug niederließen und in den Falten des Akkordeonbalgs zerquetscht wurden. Wir versuchten der Lage Herr zu werden, indem wir uns alle (auch die Nichtraucher) Zigaretten ansteckten und bis zur Ende der Show durchquarzten.

Wie würdet ihr euren Stil in drei Worten beschreiben?

Space Country Sci-Fi-Tex-Mex.

Wo steht euer Proberaum?

In Heslach.

Wovon handelt euer Song „Interstellar Love“?

Von Romeo und Julia im All.

Welcher Song einer Stuttgarter Band hat dich zuletzt beeindruckt?

The Tremolettes - Black Heart

Wo fand euer erstes Konzert in Stuttgart statt?

In der Rosenau, Stuttgart-West, 23. April 2009.

Wenn Stuttgart ein Song wäre…

...dann würde ich nicht nur in ihr, sondern auch auf sie tanzen.

Was passiert bei euch als nächstes?

26. Mai, Goldmark‘s, Einlass 20:30 Uhr.

Und so klingen Los Santos: