Jens Spahn zum Umgang mit Valsartan „Wir haben unverzüglich informiert“

Von Norbert Wallet 

Anfang Juli wurde bekannt, dass blutdrucksenkende Medikamente, die auf dem Wirkstoff Valsartan basieren, krebserregende Verunreinigungen enhalten können. Im Gespräch mit unserer Zeitung wehrt sich Gesundheitsminister Jens Spahn gegen den Vorwurf, zu spät reagiert zu haben.

Gesundheitsminister Jens Spahn (rechts) im Gespräch mit Redakteur Norbert Wallet. Foto: BMG/Schinkel
Gesundheitsminister Jens Spahn (rechts) im Gespräch mit Redakteur Norbert Wallet. Foto: BMG/Schinkel

Berlin - Anfang Juli wurde bekannt, dass blutdrucksenkende Medikamente, die auf dem Wirkstoff Valsartan basieren, krebserregende Verunreinigungen enhalten können. Im Gespräch mit unserer Zeitung wehrt sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gegen den Vorwurf, zu spät reagiert zu haben.

Herr Spahn, der Fall Valsartan zieht weitere Kreise. Bis zu 900 000 Patienten in Deutschland haben womöglich Blutdrucksenker genommen, die eine Verunreinigung enthielten, die als krebserregend gilt. Ihnen wurde vorgeworfen, zu spät reagiert zu haben.

Das Gegenteil ist der Fall. Unser Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), hat direkt reagiert, ist sogar noch vor den europäischen Institutionen mit Mitteilungen an die Presse gegangen. Und auch die Apotheker und die Ärzte informieren aktiv seit Anfang Juli auf allen Kanälen. Seit sechs Wochen laufen die Rückrufaktionen in den Apotheken. Wichtig war mir, den Patienten sehr früh zu vermitteln, dass es in ihrer konkreten Situation gefährlicher gewesen wäre, valsartanhaltige Medikamente von einem Tag zum anderen ersatzlos abzusetzen, als sie noch ein paar Tage länger zu nehmen, bis Ersatz da war.

Sie haben nicht zu spät reagiert?

Noch einmal: Wir haben zügig, unaufgeregt, aber zielorientiert reagiert. Wir haben die Patienten unverzüglich informiert. Und wir haben direkt angefangen, grundsätzlich zu analysieren, warum dieses Medikament so überhaupt auf den Markt kommen konnte. Das läuft auf europäischer, aber auch auf nationaler Ebene. Bereits Mitte Juli habe ich deswegen das BfArM und die Arzneimittelexperten meines Hauses beauftragt, Konsequenzen aus dem Valsartan-Fall zu erarbeiten. Kommende Woche werden wir dazu noch einmal alle Verantwortlichen an einen Tisch bringen. Dann sehen wir weiter.

Auf welchen Feldern erwarten Sie Veränderungsbedarf?

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte. Wir fragen uns, ob die Zuständigkeiten von Bund und Ländern in der Arzneimittel-Überwachung geändert werden müssen. Man muss sich klarmachen, dass das BfArM auf Bundesebene gar keinen Rückruf starten kann. Das ist Aufgabe der Landesaufsichtsbehörden, die für die Arzneimittelüberwachung in Deutschland zuständig sind. Wir müssen untersuchen, wie europäische, Bundes- und Landesbehörden besser zusammenarbeiten können. Wir müssen klären, wie die Kontrollen von Herstellern, die nicht in der EU produzieren, besser werden können.

Wie wollen Sie die Kontrollen verbessern?

Zunächst müssen die Ursachen genau geklärt werden, wie ein veränderter Produktionsablauf zu unbeabsichtigten Effekten geführt hat, und warum das keinem der Beteiligten aufgefallen ist. Dann müssen wir mit den europäischen und gegebenenfalls den amerikanischen Gesundheitsbehörden darüber reden, wer die Produktionsstätten in China und Asien kontrolliert, und wie engmaschig das geschieht. Dass nicht immer ständig alle Produktionsstandorte in China geprüft werden können, liegt auf der Hand. Aber auch die Arzneimittelhersteller müssen überlegen, wie sie – mehr als bislang – die Qualität der von ihnen eingesetzten Wirkstoffe, auch derjenigen, die sie von anderen beziehen, sicherstellen.




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