Spanien Ein Höllenengel auf Mallorca

„Operation Casablanca“: Frank Hanebuth Foto:  
„Operation Casablanca“: Frank Hanebuth Foto:  

Seit fast sechs Jahren ermittelt die spanische Justiz gegen den einstigen Chef der Hannoveraner Hells Angels. Jetzt fordert der Staatsanwalt 13 Jahre Haft für Frank Hanebuth.

Korrespondenten: Martin Dahms (mda)
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Madrid - Gesetze seien „selbstverständlich zu achten“, sagte Frank Hanebuth im vergangenen August anlässlich einer Vorführung von Dennis Hoppers Motorradfilm „Easy Rider“ in Hannover, zu der er als Ehrengast geladen war. Der ehemalige Hells-Angels-Boss ist davon überzeugt, selbst alle Gesetze geachtet zu haben. Mag die spanische Staatsanwaltschaft das auch anders sehen. Hanebuth ist sich sicher, „dass wir die Vorwürfe entkräften können“, wie er er am Mittwoch der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ erklärte. Bis er dazu Gelegenheit haben wird, dürfte allerdings noch viel Zeit vergehen.

Gegen den heute 54-Jährigen wird in Spanien seit Jahren ermittelt. Die Akte Hanebuth ist viele Zehntausend Seiten dick. Nun hat die Staatsanwaltschaft am Nationalen Gerichtshof in Madrid ihre Strafforderungen für den Hannoveraner und 45 mutmaßliche Komplizen bekannt gegeben: Hanebuth soll 13 Jahre in Haft, für zwei mutmaßliche Führungsmitglieder der Bande, zwei Brüder, forderte die Staatsanwaltschaft 38 Jahre und sechs Monate beziehungsweise 33 Jahre und sechs Monate Haft. Die Summe der geforderten Gefängnisstrafen für die 46 Angeklagten beläuft sich auf insgesamt 298 Jahre und sechs Monate.

Unter den Angeklagten sind auch zwei mallorquinische Polizisten und ein Angehöriger der Nationalpolizei Guardia Civil, denen Haftstrafen zwischen fünfeinhalb und siebeneinhalb Jahren drohen. Sie sollen dem Rockerclub Informationen geliefert haben.

Die Liste der Straftaten ist lang

Den anderen Angeklagten wird unter anderem Drogenhandel, Zuhälterei, Gründung einer kriminellen Vereinigung, Entführung, Erpressung, Menschenhandel, Geldwäsche und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Für diese lange Liste von Straftaten sollen die Mallorquiner Hells Angels verantwortlich gewesen sein, die sich nach Erkenntnissen des Ermittlungsrichters 2009 unter türkischer Leitung auf der Mittelmeerinsel etablierten. Nach einer Massenschlägerei mit einem konkurrierenden Motorradclub lösten sie sich 2011 wieder auf, doch gut ein Jahr später machten sich Leute aus Deutschland an den Wiederaufbau – mutmaßlich unter der Leitung Hanebuths. Im Juli 2013 wurden er und Dutzende Komplizen in der „Operation Casablanca“ auf Mallorca festgenommen. Erst zwei Jahre später kam Hanebuth unter Auflagen auf freien Fuß. Inzwischen lebt er wieder in Hannover, wo er eine Kneipe betreibt – und eine Berühmtheit ist, die auch zu Filmvorführungen eingeladen wird.

Bis zur Eröffnung des Hauptverfahrens werden noch viele Monate vergehen, möglicherweise mehr als ein Jahr, sagte ein Sprecher des Nationalen Gerichtshofes am Mittwoch. Zunächst werden die Verteidiger Gelegenheit haben, sich die Vorwürfe gegen ihre Mandanten näher anzuschauen.

Was die Hells Angels auszeichne, sei ihre „Ehrlichkeit“, sagte Hanebuth im vergangenen Jahr bei der „Easy Rider“-Vorführung in Hannover. Denn solch „starke Charaktere“ müssten sich aufeinander verlassen können, „sonst gäbe es Mord und Totschlag“. Das sind zwei der wenigen Straftaten, die nicht auf der lange Liste der Staatsanwaltschaft stehen.




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