Besonders Immobiliendarlehen waren 2021 sehr gefragt. Landessparkassenpräsident Peter Schneider erwartet eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)

Frankfurt/Stuttgart - Die Sparkassen im Land haben 2021 mehr Kredite vergeben als je zuvor. Zugesagt wurden im vorigen Jahr Darlehen im Volumen von 34 Milliarden Euro, davon wurden 31 Milliarden Euro ausgezahlt, teilte der Sparkassenverband Baden-Württemberg mit. Dabei ging die Nachfrage nach Förderkrediten aus den Corona-Hilfsprogrammen zurück: Die Zahl der entsprechenden Anträge von Sparkassenkunden bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der L-Bank sank 2021 auf 4800, im Vorjahr waren es 6200 gewesen.

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Zwar gebe es noch immer Unternehmenskunden und Solo-Selbstständige, die um ihre Existenz kämpften, sagte Landessparkassenpräsident Peter Schneider. Weitere Kredite würden in dieser Situation aber nicht mehr helfen, sondern nur „rasch ausgezahlte staatliche Unterstützung“. Die Summe der von den Sparkassen 2021 noch vermittelten Corona-Sonderkredite lag bei 400 Millionen Euro.

Sparkassenpräsident sieht kein Ende des Immobilienbooms

Dagegen belief sich allein das Volumen der neu zugesagten Immobilienkredite auf 19 Milliarden Euro. Trotz steigender Zinsen rechnet Schneider in diesem Jahr mit einem weiteren Wachstum der Kreditvergabe.

Nach dem Willen der Bafin sollen Banken und Sparkassen künftig besonders Immobiliendarlehen stärker mit Eigenkapital unterlegen, was die Zinsen zusätzlich in die Höhe treiben dürfte. Dennoch sieht Schneider kein Ende des Immobilienbooms. Ein Rückgang der Hauspreise sei unwahrscheinlich: „Ich glaube, dass auch 2022 ein sehr gutes Immobilienjahr wird.“

Wachsendes Interesse an Wertpapieren

Gestiegen sei im vergangenen Jahr auch die Nachfrage nach Aktien und Fonds. „Mittlerweile hat jeder fünfte Kunde ein Wertpapierdepot“, sagte Schneider. Die neu in Wertpapiere investierten Mittel übertrafen die Verkäufe um 4,6 Milliarden Euro.

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Noch stärker stiegen allerdings die Kontoguthaben der insgesamt fünf Millionen Privat- und Unternehmenskunden. Sie legten über alle 50 baden-württembergischen Sparkassen hinweg um sieben Milliarden Euro zu – obwohl ein Teil der Institute bei hohen Einlagen Negativzinsen berechnet.

Schneider wirft EZB „Realitätsverweigerung“ vor

Schneider übte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an der Europäischen Zentralbank. Dass diese trotz der stark gestiegenen Inflationsrate an Minus- und Nullzinsen festhalte, sei „Realitätsverweigerung“. Schneider befürchtet, dass die Notenbank irgendwann radikal umschwenken muss, um die Inflation in den Griff zu bekommen: „Wenn die Zinsen aber zu schnell marschieren, kriegen Sie starke Korrekturen.“ Wünschenswert wäre „eine moderate, langsame Zinsentwicklung nach oben“.

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Eine solche Entwicklung wäre gut für den Zinsüberschuss der Sparkassen, der im vergangenen Jahr um 15 Millionen auf 3,07 Milliarden Euro zurückging. Dafür erhöhten sich die Provisionseinnahmen um 69 Millionen Euro, hauptsächlich wegen des wachsenden Wertpapiergeschäfts. Gleichzeitig stiegen allerdings auch die Kosten, obwohl landesweit 104 Geschäftsstellen geschlossen wurden. Damit bleiben noch 1840, darunter 588 Selbstbedienungsfilialen.

Risikovorsorge bleibt moderat

80 Millionen Euro legten die Sparkassen als Risikovorsorge für notleidende Kredite zurück – „vor allem mit Blick auf die coronabedingten Zahlungsschwierigkeiten weniger Kundinnen und Kunden“, wie der Verband mitteilte. Das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge belaufe sich auf 1,5 Milliarden Euro, allerdings sei in diesem Jahr mit einer höheren Steuerbelastung zu rechnen als 2020. Unter dem Strich erwartet der Verband einen Gewinn von 873 Millionen Euro,nach 899 Millionen Euro 2020.

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