Spatenstich Böblingen wird wieder Einkaufsstadt

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Nun geht es in die Vollen: Am Böblinger Busbahnhof wird gebaggert. In zwei Jahren soll die das neue Einkaufszentrum eröffnet werden.

Die Böblinger Unterstadt wurde platt gemacht. Foto: factum/Granville
Die Böblinger Unterstadt wurde platt gemacht. Foto: factum/Granville

Böblingen - Böblinger, die einige Wochen verreist waren, werden ihre Stadt wohl bei der Rückkehr nicht wiedererkennen. Die komplette Unterstadt wurde in den vergangenen Monaten platt gemacht. Elf Häuser wurden abgerissen, das zwölfte – der Schandfleck Krauß – fällt momentan der Abrissbirne zum Opfer. Doch so wird es nicht bleiben. Bereits in zwei Jahren soll sich zwischen der Tal-, der unteren Bahnhofstraße und der Wilhelmstraße die neue Shopping Mall Mercaden ziehen. Gestern starteten die Bauarbeiten offiziell mit dem symbolischen Spatenstich. Im Jahr 2014 ist die Eröffnung geplant.

120 Millionen Euro werden investiert

Direkt am Bahnhof und wenige hundert Meter von der Autobahn entfernt soll das neue Einkaufszentrum auf drei Etagen 24 400 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten. Rund 100 Läden unterschiedlicher Branchen werden einziehen. „60 Prozent der Fläche haben wir bereits jetzt vermietet“, sagte bei dem Termin gestern Herbert Krämer vom Unternehmen HKM Management aus Bergisch-Gladbach. 120 Millionen Euro investiert Krämer in die Entwicklung und den Bau des Konsumtempels. 600 neue Arbeitsplätze wird es im Mercaden geben.

„In vielen Städten dauert es zehn oder mehr Jahre, bis ein solches Großprojekt realisiert werden kann. In Böblingen vergingen von der ersten Kontaktaufnahme mit der Wirtschaftsförderin Ulrike Koch bis zum heutigen Spatenstich gerade einmal vier Jahre“, lobte Herbert Krämer das Engagement der Stadt Böblingen.

Diese wiederum ist froh, in Krämer einen Investor gefunden zu haben, der sie bei der Entwicklung der Unterstadt unterstützt. „Mit dem neuen Einkaufszentrum geben wir Böblingen wieder die Bedeutung zurück, die ihr als Kreisstadt mit 47 000 Einwohnern gebührt“, sagte der Oberbürgermeister Wolfgang Lützner beim Spatenstich. Immerhin ist die Stadt in den 1960er und 1970er Jahren ein beliebtes Einkaufsziel für Kunden aus der gesamten Region gewesen. Der Niedergang begann mit der Eröffnung des Sindelfinger Breuningerlandes Anfang der 80er Jahre. Heute dümpeln die beiden verbliebenen Böblinger Einkaufszentren neben der Baustelle der neuen Shopping Mall nur noch vor sich hin.

Einzelhändler sind skeptisch

Das Mercaden soll einen Aufschwung für die gesamte Innenstadt bringen – so die Hoffnung der Planer der Stadt. Viele Kunden werden nach ihrer Tour durch die Mall noch durch die geplante angrenzende Fußgängerzone bummeln, so die Erwartungen. Davon könnten auch die anderen Einzelhändler profitieren. „Die Geschäftsleute haben wieder Mut bekommen zu investieren“, sagte der Oberbürgermeister Lützner gestern Vormittag. Nicht ganz so optimistisch sehen das allerdings die Mitglieder der Böblinger Gewerbeforums. Zwar sind sie froh, dass „nun endlich etwas passiert. Herr Krämer ist sehr mutig. Auf so etwas haben wir lange gewartet“, sagt Achim Schwenker vom Vorstand des Gewerbeforums. Doch es herrsche bei den Händlern eine gewisse Skepsis, ob die anderen Läden in der Stadt von der Kundenfrequenz im Mercaden profitierten.

„Wir brauchen eine Gesamtlösung für die Innenstadt“, fordert der Sanitär- und Heizungsbauer Achim Schwenker und sieht dabei die Stadtverwaltung in der Pflicht: „Die Stadt muss genauso mutig sein wie Herr Krämer.“




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