Spatenstich für neues Gaskraftwerk in Altbach/Deizisau EnBW setzt auf Gas und Wasserstoff

Legten zum Baubeginn pro forma selbst Hand an: Der Deizisauer Bürgermeister Thomas Matrohs, Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Georg Stamatelopoulos, EnBW-Vorstand für nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, und Martin Funk, der Bürgermeister von Altbach (von links). Foto: /Philipp Braitinger

Nach dem Umstieg auf Gas und Wasserstoff bleibt das Kraftwerk in Altbach/Deizisau wichtig für die Strom- und Wärmeerzeugung. Am Montag ist mit einem Spatenstich der Bau eines wasserstofffähigen Gaskraftwerks eingeläutet worden.

Der Umbau ist in vollem Gange. Deutschland ist auf dem Weg, seine Energieversorgung neu auszurichten. Das Kohlekraftwerk Altbach/Deizisau wird dafür in den kommenden Jahren so umgebaut, dass dort Energie und Wärme ab dem Jahr 2026 aus Gas-, später aus Wasserstoff gewonnen wird (Fuel Switch). Am Montagmittag fand der offizielle Spatenstich für den Bau des neuen Gaskraftwerks auf dem westlichen Kraftwerksgelände statt.

 

Neben den Bürgermeistern Thomas Matrohs (Deizisau), Martin Funk (Altbach) und dem EnBW-Vorstand für nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, Georg Stamatelopoulos, kam die Landesministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Thekla Walker (Bündnis 90/Die Grünen), am Montag zum offiziellen Spatenstich nach Altbach. „Es ist ein wichtiger Meilenstein, den wir heute setzen“, hob die Ministerin die Bedeutung des Baubeginns für das neue Gaskraftwerk hervor. Es gehe um nicht weniger als das Land auf eine neue Energieversorgung vorzubereiten. „Wir sind am Übergang von der alten in die neue Energiewelt“, verdeutlichte sie. Mit Blick auf die lange Geschichte des Standortes erklärte die Ministerin: „Man bleibt hier der Innovation treu.“ Das Kraftwerk werde zu einem wichtigen Anker für die notwendige Reduzierung des CO2 -Ausstoßes.

Die Turbinen sollen bis 2035 auf den Betrieb mit Wasserstoff umgestellt werden

Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreite parallel voran. Während Walker dem Ausbau der Sonnenenergie im Land einen guten Stand attestierte, sei beim Ausbau der Windenergie Luft nach oben. „Da werden wir noch Fahrt aufnehmen“, versprach sie. Gleichzeitig würden Wind und Sonne vermutlich auch bei einem weiteren Ausbau nicht den gesamten Energie- und Wärmebedarf decken können.

An manchen Tagen gelinge es bereits, rund 70 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, erklärte der ENBW-Vorstand Stamatelopoulos. Doch die Energieerzeugung mit Wind und Sonne sei nicht immer gleichmäßig. „Wir brauchen weiter Kraftwerke, die zu jeder Tages- und Nachtzeit Energie zur Verfügung stellen können“, erklärte er. Gleichzeitig ermögliche es die Produktion von Wasserstoff, überschüssige regenerative Energie sinnvoll zu verwenden. Denn nicht immer, wenn beispielsweise die Sonne kräftig scheine, werde auch viel Strom benötigt. Zukünftig könnte die überschüssige Energie zur Herstellung von Wasserstoff verwendet werden.

Dass der Kohleausstieg ermöglicht werde, sei auch den Fuel-Switch-Projekten in Stuttgart-Münster, Altbach/Deizisau und Heilbronn zu verdanken. Die momentanen Pläne sähen vor, den Betrieb der Gasturbinen bis 2035 auf Wasserstoff umzustellen. Damit wäre man klimaneutral, so Stamatelopoulos. Wichtig für den Umstieg sei allerdings die Planungssicherheit sowie eine Förderung. „Es geht um mehrere Gigawatt Kraftwerksleistung“, betonte der EnBW-Vorstand. Ob der Umstieg gelinge, hänge auch davon ab, wie erfolgreich eine Infrastruktur für die Versorgung mit Wasserstoff in den nächsten Jahren aufgebaut werde.

Der Deizisauer Bürgermeister Thomas Matrohs lobte die Kooperation zwischen der Kommunalpolitik, den Einwohnern und dem Kraftwerksbetreiber. „Not in my Backyard“ (Nicht in meinem Hinterhof), das sei hier nicht die Devise. „Mit dieser Haltung kommen wir auf Dauer nicht weiter“, so Matrohs. Lange sei Versorgungssicherheit kein öffentliches Thema gewesen. Mit dem Krieg in der Ukraine habe sich dies schlagartig geändert. Dass das Heizkraftwerk 3 (HKW 3) nun gebaut werde, zeige Entschlossenheit, Zuversicht und Vertrauen.

Altbachs Bürgermeister kritisiert den Denkmalschutz für das Heizkraftwerk 1

Der Altbacher Bürgermeister Martin Funk freut sich, dass die lange Geschichte des Kraftwerkes fortgeschrieben wird. „Es geht hier weiter“, sagte er. Gerade im dicht besiedelten Neckartal seien Einwohner und Betriebe auf eine zuverlässige Energieversorgung angewiesen. Besonders lobte Funk, dass die Emissionen weiter sinken sollen. Es habe auch Zeiten gegeben, da hätten die Altbacher ihre nasse Wäsche nicht zum Trocknen nach draußen hängen können, weil diese sonst von den Abgaspartikeln aus dem Kraftwerk wieder schmutzig geworden wäre.

Ein Wermutstropfen ist für Funk allerdings, dass das HKW 1 nun unter Denkmalschutz stehe. „Wir würden es begrüßen, wenn es hier andere Lösungen gibt“, sagte er. Freie Flächen für Unternehmen gibt es in der Gemeinde nur wenige. Dass auf dem Kraftwerksgelände nun umfangreiche Flächen aufgrund des Denkmalschutzes ungenutzt bleiben müssen, sorgt für Kopfschütteln bei der Kommunalverwaltung.

Der Energieversorger EnBW investiert 1,6 Milliarden Euro

Strategie
Die EnBW baut im mittleren Neckarraum gleich drei neue Gaskraftwerke. Neben Altbach/Deizisau hat der Bau im Kraftwerk Stuttgart-Münster bereits im Frühjahr begonnen. Als drittes Projekt soll Anfang des kommenden Jahres der Standort Heilbronn folgen.

Kosten
Insgesamt möchte der Energieversorger EnBW rund 1,6 Milliarden Euro in den Umbau seiner drei Standorte Stuttgart-Münster, Altbach/Deizisau und Heilbronn investieren. Rund 600 Millionen Euro soll das Fuel-Switch-Projekt in Altbach/Deizisau kosten.

Emissionen
Der Kraftwerksbetreiber hofft, dass die neue Gas- und Dampfturbinenanlage bereits nach 2026 den CO2-Ausstoß um 60 Prozent senkt. Nach einer Umstellung auf Wasserstoff könnte die Anlage offenbar sogar klimaneutral betrieben werden.

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