Spektakel an der Uni Hohenheim Stinkende Titanenwurz sorgt für Besucheransturm
Mehr als 2600 Besucherinnen und Besucher sind am Wochenende für die Blüte der Titanenwurz nach Hohenheim gekommen. Mittlerweile ist die Pracht vorbei. Und jetzt?
Mehr als 2600 Besucherinnen und Besucher sind am Wochenende für die Blüte der Titanenwurz nach Hohenheim gekommen. Mittlerweile ist die Pracht vorbei. Und jetzt?
Mit so einem Ansturm hat Helmut Dalitz, der wissenschaftliche Leiter der Hohenheimer Gärten, nicht gerechnet. Von Freitagabend bis Sonntagabend kamen 2616 Besucherinnen und Besucher in das Sammlungsgewächshaus der Uni Hohenheim, um die Blüte der Titanenwurz zu sehen und zu riechen. Den Livestream im Internet verfolgten über die Zeit mehr als 17 000 Menschen. Wieso ist das Interesse an einer Pflanze so groß? „Die Titanenwurz ist schon eine Besonderheit in der Botanik. Ein so großer Blütenstand ist selten“, versucht Helmut Dalitz eine Erklärung. Außerdem gebe es hierzulande nur wenige Exemplare. Sie blühten selten, und wenn, dann nur kurz. Diese eingeschränkte Verfügbarkeit und die schnelle Vergänglichkeit mache für viele den Reiz aus.
In diesem Jahr belohnte die Titanenwurz die Besucherinnen und Besucher mit einer besonders großen Blüte. Hatte diese im vergangenen Jahr noch 1,30 Meter betragen, waren es diesmal 2,03 Meter. „Die Blüte kann aber sogar bis zu 3,90 Meter groß werden“, erklärt Helmut Dalitz.
Beeindruckend sind aber nicht nur ihre Ausmaße, sondern auch ihr an Aas und Kot erinnernder Gestank. Diesmal war es wohl besonders arg, berichten Besucherinnen und Besucher. „Die waren dann wahrscheinlich am Freitag oder Samstag vor Ort“, sagt Helmut Dalitz dazu. Die Blüte durchlaufe erst eine weibliche und dann eine männliche Phase. Jede dauere maximal 24 Stunden, dann vergehe die Pracht, der Geruch nehme ab. Dieser wird übrigens vom Blütenkolben erzeugt, der sich auf bis zu 38 Grad aufheizt. Das Ziel: Sie täuscht damit vor, ein verwesender Kadaver zu sein, um Insekten anzulocken, die ihre Eier an der Pflanze ablegen und dabei für die Bestäubung sorgen.
Die Blüte der Titanenwurz der Uni Hohenheim wird sich nun in den kommenden Tagen komplett zurückbilden. Dann beginnt für die seltene Pflanze eine Ruhephase. In dieser produziert sie eine Knospe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Blatt enthält, über welches die Titanenwurz dann Nährstoffe für eine neue Blüte bilden kann. Ob und wann sich diese öffnet? „Sicher ist da nichts. Frühestens aber in zwei Jahren“, sagt Dalitz. Den wissenschaftlichen Leiter der Hohenheimer Gärten hat das große Interesse am vergangenen Wochenende gefreut: „Trotz der vielen Menschen war es eine extrem entspannte Atmosphäre. Niemand hat gedrängelt, jeder konnte sein Selfie mit der Stinkpflanze machen“, sagt er. Und viele Besucherinnen und Besucher seien sehr interessiert gewesen, hätten Fragen gestellt und auch bewundernde Blicke auf die anderen Pflanzen geworfen.
Im Sammlungsgewächshaus, Erna-Hruschka-Weg 2, der Uni Hohenheim gibt es noch weitere Besonderheiten zu sehen. Geöffnet ist jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Am Samstag, 8. Juli, lädt die Uni Hohenheim zudem zu einem Tag der offenen Tür ein.