Spendenaktion in Korntal-Münchingen Fortsetzung für Baschtanka folgt

Vergangenen November startete der Hilfskonvoi von Korntal nach Baschtanka. Foto: Jürgen Bach

Vor einem Jahr haben Jugendliche aus Korntal-Münchingen Hilfe für die vom Krieg zerstörte ukrainische Stadt gestartet. Wie geht es weiter?

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Erst gingen Mitte November ein Linienbus samt 15 Generatoren zur Stromversorgung, zwei weiße Ford Transit Kleinbusse sowie ein Lastwagen mit Hubsteiger vom Strohgäu nach Baschtanka. Mit den Fahrzeugen wurden verletzte, kranke und ältere Menschen in das außerhalb gelegene Krankenhaus gebracht oder zerstörte Gebäude wiederaufgebaut. Wenig später, kurz vor Weihnachten, folgten Geschenke für 64 Halbwaisenkinder, die im Heim leben oder bei alleinerziehenden Müttern: Korntal-Münchingen hat sich im vergangenen Jahr so motiviert wie erfolgreich für die vom Krieg gebeutelte Stadt im Osten der Ukraine in der Oblast Mykolajiw engagiert.

 

„Es lief besser, als ich dachte“, sagt Matthias Rees. Der Leiter des Sachgebiets Jugend und Integration war immer an der Seite derjenigen, die sich unermüdlich dafür einsetzten, dass Baschtanka die Hilfe bekommt, die es benötigt. „Alle haben mitgearbeitet und fanden toll, dass sie etwas tun können“, sagt Matthias Rees. Um die Fahrzeuge abzuholen, kam Baschtankas Bürgermeister Oleksandr Berehovyi höchstpersönlich aus der Ukraine. Matthias Rees erinnert sich auch an den Aufwand, den es kostete, die Exportkennzeichen für die vier Fahrzeuge zu beschaffen – online sei nichts möglich gewesen. „Die Bürokratie ist der Hammer.“

Zwei Benefizkonzerte, ein Flohmarkt

Es war der Jugendgemeinderat, der die Aktion „Korntal-Münchingen hilft Baschtanka“ vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. Nachdem die Jugendlichen dem Partnerschaftskomitee ihre Idee unterbreitet hatten, Menschen in der Ukraine zu helfen, haben sich viele Freiwillige gefunden, die sie unterstützten. Zwei Benefizkonzerte und einen Flohmarkt organisierten sie. Beim ersten Konzert im April schenkte der damalige Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos) Sekt aus. Legendär sei das gewesen, findet Matthias Rees. Zudem zog das Hilfsteam Fördergelder von der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, kurz GIZ, an Land. Fast 20 000 Euro spendeten allein die Korntal-Münchinger. Ein Abend, an dem die Ehrenamtlichen als Dankeschön bekocht wurden, schloss das Aktionsjahr ab.

Und nun? Wie geht es weiter? Die Hilfe für Baschtanka soll im neuen Jahr eine Fortsetzung finden und sich im Idealfall längerfristig etablieren. Unklar ist aber noch, in welcher Form, sagt Matthias Rees. Das würden die Ehrenamtlichen nun überlegen. Viele hätten Interesse daran, dass es weitergeht. Korntal-Münchingen hofft auf erneute Fördergelder von der GIZ.

Erst muss sich der neue Jugendgemeinderat finden

Matthias Rees berichtet von mindestens zwei Mitgliedern aus dem neu gewählten Jugendgemeinderat, die die Hilfsaktion weitertreiben wollen. Das Gremium müsse sich jetzt aber erst mal finden und dann beraten, was konkret es für Baschtanka tun wolle. Im Gespräch war bisher unter anderem, dass sich die Jugendlichen hier und dort vernetzen. „Der neue Jugendgemeinderat muss selbst Ideen entwickeln“, meint Matthias Rees. Er erzählt auch, dass die Ehrenamtlichen vielleicht einen Verein gründen, um die Hilfe auf stabile Strukturen zu stellen. Es müsse nicht nur klar sein, was genau Baschtanka benötigt, sondern auch, wie die Transporte in die Ukraine bezahlt werden.

Dass Baschtanka wie Mirande (Frankreich) und Tubize (Belgien) zur Partnerstadt wird, steht aktuell dagegen nicht zur Diskussion. Die Beziehung der Partnerstädte untereinander lebendig zu halten, sei mühsam und erfordere viel Einsatz, sagt Rees. Bei Baschtanka sei nicht nur die Sprache eine Herausforderung: Die Stadt liegt vergleichsweise weit weg von Korntal-Münchingen, wo heute rund 460 Menschen aus der Ukraine leben – mehr als 2000 Kilometer.

Warum Baschtanka?

Ähnlichkeit
Als klar war, dass Korntal-Münchingen der Ukraine hilft, erinnerte sich Matthias Rees von der Stadt daran, dass der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für Solidaritätspartnerschaften wirbt. Das Hilfsteam hat sich daraufhin an die „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ gewandt. Sie vermittelt Solidaritätspartnerschaften mit Städten in der Ukraine – und stellte den Kontakt zu Baschtanka her. Die Stadt ist Korntal-Münchingen ähnlich: Dort leben auch etwas mehr als 20 000 Menschen, die Schulen und der Sport spielen ebenfalls eine große Rolle. Zudem hat die Stadt laut Rees eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit: Man wolle schließlich wissen, was in Baschtanka passiert und wohin die Spenden gehen.

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