Spendenrekord beim Kiwanis-Club Stuttgart Das gesellschaftliche Leben ist neu erwacht

Im Goldbergwerk  in Fellbach hat der Stuttgarter Kiwanis-Club für eine gute Sache gefeiert und gesammelt. Foto: red 4 Bilder
Im Goldbergwerk in Fellbach hat der Stuttgarter Kiwanis-Club für eine gute Sache gefeiert und gesammelt. Foto: red

Zum „Chefcharmeur“ und „Chefnetzwerker“ ernennt ihn Stuttgarts OB Frank Nopper: Am Ende ist Kiwanis-Präsident Zoltán Bagaméry von den Socken. 250 Gäste erbringen beim gesellschaftlichen Event im Goldbergwerk Spenden in Höhe von 90 000 Euro.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Ein gutes Netzwerk hat der Karriere selten geschadet. Herrenbündnisse sind vor über 100 Jahren entstanden, die keine Bewerbungen annehmen – Mitglieder müssen von Paten berufen werden. Diese Zirkel, die längst auch Frauen aufnehmen, besitzen das Image, elitär und konservativ zu sein. Locker indes geht es beim Kiwanis-Club Stuttgart zu. Der Spaß- und Genussfaktor ist hoch, wie am Samstagabend die Benefizgala unter der Schirmherrschaft von OB Frank Nopper (CDU) im Goldbergwerk von Jörg Rauschenberger in Fellbach beweist. Und wieder einmal zeigt sich: Wer anderen hilft, tut auch etwas für sich.

Gegen Mitternacht ist der Kiwanis-Präsident völlig aus dem Häuschen

Endlich ist es wieder möglich, nach der langen Corona-Pause das gesellschaftliche Leben aufzunehmen und dabei Spenden zu sammeln. Die gute Laune, die bei Kerzenlicht im stilvollen Ambiente herrscht, zeigt, wie wohltuend das Comeback der Normalität ist. In der Pandemie ist der Supper-Club für 250 Gäste geöffnet (weniger als sonst). Zutritt hat nach der 2 G-Regel, wer geimpft oder genesen ist. Ein weiteres G kommt in dieser so festlichen wie fröhlichen Nacht hinzu: G wie Geld. Der Eintritt inklusive Live-Musik und Vier-Gänge-Menü beträgt 169 Euro für soziale Projekte. Doch die Besucherinnen und Besucher spenden etwa bei Versteigerungen noch wesentlich mehr. Gegen Mitternacht ist Zoltán Bagaméry, der Präsident des Kiwanis-Clubs Stuttgart, völlig aus dem Häuschen. „Sensationell“, jubelt der Bauträger und Food-Blogger vom „smartcircle“ beim Abrechnen, „unsere 250 Gäste haben für 90 000 Euro Erlös gesorgt – so viel wie noch nie!“ Das Geld geht an verschiedene Kinderhilfsprojekte in Stuttgart.

„Stuttgart ist stolz, dass wir Kiwanis-Stadt sind“

Die Tochter des Gründers jenes Clubs, der 1915 in den USA entstanden ist, hieß Kiwanis - ein schöner Name, der in Stuttgart einen guten Klang hat. Das indianische Wort Kiwanis übersetzt man im Club gern mit „Freude am Helfen“. Nach Lions und Rotary ist Kiwanis die drittgrößte Organisation der Welt, in der Persönlichkeiten soziales Engagement mit der Pflege von Freundschaften verbinden. „Stuttgart ist stolz, dass wir Kiwanis-Stadt sind“, sagt OB Nopper in seiner Rede. Den Kiwanis-Präsidenten ernennt der Schirmherr der Gala zum „Chefcharmeur“ und „Chefnetzwerker“.

Der doppelte „Chef“ Bagaméry freut sich in seiner amüsanten, aber auch charmanten Begrüßung, dass in der Pandemie zu diesem Zeitpunkt eine Gala unter 2 G erlaubt ist. „Keiner weiß, ob dies in einigen Wochen wieder ganz anders ist“, sagt er. Endlich könne man wieder Spenden sammeln, was in der Pandemie schwer möglich war. Die Hilfe ging weiter, auch wenn Einnahmen fehlten. Unter anderem wurden iPads für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler gekauft.

Bei „the ratskeller“ verweigert der OB schmunzelnd die Aussage

Nopper, seit 20 Jahren ein Rotarier, lobt Menschen, denen Engagement wichtiger ist als Egoismus. Dies sei „goldwert“, unterstreicht er im Goldbergwerk. Und spielt noch mal mit der Sprache: „Baden-Württemberg ist als the Länd bekännt“, scherzt der OB. Auf die Frage unserer Zeitung, was er als Rathauschef zum neuen Namen „the ratskeller“ sagt, muss er erst mal eine Weile überlegen. Dann sagt der OB schmunzelnd: „Dazu verweigere ich die Aussage.“

Man versteht ihn auch so. Ein Fan des neuen Gastro-Namens an seiner Arbeitsstätte ist der CDU-Politiker nicht. In dieser Debatte scheint es auf einen Kompromiss hinauszulaufen. „the ratskeller“ wird wohl etwas zurückgefahren, aber nicht ganz verschwinden. Nopper ist froh, dass die alte Schrift vom Ratskeller ohne „the“ an der Wand bleibt. Grundsätzlich sieht er es wie Brauereichef Colin Dinkelacker: Humor hilft auch in dieser Frage.




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