Sperrung B-14-Rampe Charlottenplatz Droht dem Bohnenviertel bald der Verkehrsinfarkt?

Die Vorbereitungen laufen. Die Gehwege in der Esslinger Straße hinter dem Breuninger-Parkhaus sind deutlich eingeengt. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Wegen des Abrisses des Breuninger-Parkhauses sollen ab Frühjahr täglich 4000 Autos durch das Bohnenviertel rollen. Noch gibt es keine Lösung, um das drohende Verkehrschaos zu verhindern– aber viele Forderungen.

Der geplanten Sperrung der B-14-Rampe am Charlottenplatz für den Bau des neuen Mobility Hubs und des Hauses für Film und Medien muss der Gemeinderat nicht zustimmen – das hatte der Ordnungsbürgermeister Clemens Maier im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik bereits vor der Weihnachtspause deutlich gemacht. Schließlich handle es sich dabei um eine verkehrsrechtliche Anordnung. Dennoch machte die öko-soziale Mehrheit im Gemeinderat am Dienstag in einem Antrag noch einmal deutlich, dass sie die Umleitung über die kleine Esslinger Straße im Bohnenviertel ablehnt. Die Gemeinderäte befürchten nicht nur lange Staus, sondern sehen durch den Verkehr vor allem die Existenz der dort ansässigen Geschäfte gefährdet.

 

Baubeginn im Frühjahr

Die Zeit drängt. Bereits im zweiten Quartal des Jahres soll mit dem Bau des Mobility Hubs und des Hauses für Film und Medien begonnen werden, dafür wird das bisherige Breuninger-Parkhaus an der Hauptstätter Straße abgerissen. Derzeit laufen bereits die vorbereitenden Maßnahmen wie der Kanalbau. Umso mehr zeigten sich die Gemeinderäte enttäuscht von den nun erneut präsentierten Plänen.

„Es hat sich nichts Grundlegendes geändert“, machte Lucia Schanbacher (SPD) deutlich. Auf die Vorschläge seitens des Gremiums – etwa ein U-Turn am Gebhard-Müller-Platz, um zur Planie zu gelangen – sei nicht eingegangen worden. Nach wie vor soll ein Teil des Verkehrs – die Stadt rechnet mit rund 4000 Fahrzeugen am Tag, die zum Charlottenplatz unterwegs sind – durch die aus ihrer Sicht viel zu schmale Esslinger Straße geführt werden. Daher muss der Gehweg größtenteils der Fahrbahn zugeschlagen werden. Und das mindestens über die kommenden zwei Jahre.„Das ist vor allem für den Einzelhandel ein großes Problem“, sagte Björn Peterhoff (Bündnis 90/Grüne) Er sieht darin mehr als nur einen schlechten Start für die von der Stadt angestrebte Aufwertung der Leonhardvorstadt. Man dürfe nicht sehenden Auges zulassen, dass bereits vieles zerstört werde, bevor die ersten Maßnahmen greifen. „Wir müssen die Menschen vor Ort mitnehmen“, forderte auch Deborah Köngeter (PULS).

Stadt lehnt Alternativrouten weiter ab

Eine alternative Streckenführung über den Gebhard-Müller-Platz sei nicht möglich, da für den ein Planfeststellungsverfahren laufe, das spätestens 2025 eine Baustelleneinrichtung für das Bahnprojekt Stuttgart 21 vorsieht, sagte Dirk Herrmann, der Leiter der Verkehrsbehörde. Und auch eine komplette Sperrung der Esslinger Straße für den Durchgangsverkehr lehnt die Verwaltung ab. „Wir müssen die Zufahrtsmöglichkeit nach wie vor gewährleisten“, sagte Herrmann. Neben den großflächigen Umleitungen über die B 14 und B 29 sollen auch kleinräumige Hinweise helfen, den Verkehr zu steuern. Unter anderem vom Österreichischen Platz über die Olgastraße, das sei aber keine Alternative für eine Sperrung der Esslinger Straße. Weil man von der Olga- nicht in die Charlottenstraße abbiegen kann, würde vielmehr ein neuer Unfallschwerpunkt generiert, ist Herrmann überzeugt.

Lastwagen-Verbot als Kompromiss

Generell müsse man abwarten, wie sich die Belastung in der engen Straße im Bohnenviertel tatsächlich auswirke. Denn erfahrungsgemäß suche sich der Verkehr immer seinen eigenen Weg, betonte Bürgermeister Maier. Zwei Jahre sind aus Sicht von Carl-Christian Vetter (CDU) „ein überschaubarer Zeitraum“. Allerdings kann er sich als Kompromiss ein Verbot für Lastwagen in der Esslinger Straße vorstellen. Viel weiter geht hingegen der Antrag der Grünen: Sie fordern, zumindest den Verzicht auf den Linksabbieger in Richtung Planie im Sommer zu testen. Dies versprach Bürgermeister Maier zumindest als Empfehlungsbeschluss mitnehmen.

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