Sperrung der Rheintalstrecke Von der Schiene auf die Straße

Verbogene Gleise in Folge der Tunnelbauarbeiten in Rastatt. Weil keine Züge mehr fahren dürfen, wird auf den Transport von Gütern auf der Straße gesetzt. Foto: dpa
Verbogene Gleise in Folge der Tunnelbauarbeiten in Rastatt. Weil keine Züge mehr fahren dürfen, wird auf den Transport von Gütern auf der Straße gesetzt. Foto: dpa

Von der Sperrung der Rheintalstrecke profitieren Spediteure. So manches Unternehmen muss umplanen.

Seite 3: Christine Keck (kek)
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Rastatt - Die Sperrung der Rheintalbahn zwischen Rastatt und Baden-Baden für mindestens zwei Wochen blockiert den internationalen Güterfernverkehr zwischen Rotterdam und Genua. Bis zu 200 Züge sind üblicherweise täglich auf der Strecke unterwegs, in der Ferienzeit sind es ein paar weniger. Es gebe Alternativrouten, sagte der baden-württembergische Konzernbevollmächtigte der Bahn, Sven Hantel. Güterzüge könnten über Plochingen und Tübingen auf die Gäubahn geleitet werden. Die Kapazitäten seien dort aber beschränkt, sagt der Stuttgarter Bahnsachverständige Martin Will. Dort gebe es nur Platz für 16 Züge. Weitere sieben Züge könnten über Ulm und die Südbahn fahren.

Die Schweizer Bahn suche dringend nach Umleitungsrouten, sagt eine Sprecherin am Dienstag. Es sei jedoch nicht einfach, die blockierte Strecke zu umfahren, etwa über Frankreich. International gebe es nur wenige ähnlich gut ausgebaute Trassen wie die Verbindung Karlsruhe-Basel, die bedeutendste Nord-Süd-Achse durch Deutschland. Güterzüge stauten sich überall auf der Strecke von Rotterdam bis Genua. Den Stau abzubauen, werde schwierig.

Der Güterverkehr muss nun verstärkt von der Schiene auf die Straße verlagert werden. Es werde auf Lastwagen ausgewichen, sagt Peter Welling vom Verband des Verkehrsgewerbes Baden, „aber wir haben im gewerblichen Güterverkehr gar nicht die Kapazitäten, um alles aufzunehmen.“ Die regionalen Speditionen könnten längst nicht alles transportieren. Welling befürchtet erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. Vor allem der sogenannte Seehafenhinterlandverkehr sei von der Sperrung betroffen, also die Beförderung der Container und ihrer Ware vom Seehafen Rotterdam über die Rheintalstrecke in Richtung Deutschland und Norditalien.

Bei den Firmen entlang des Rheins gibt es keine Produktionsprobleme

Am Standort Bühl der Firma Bosch, wo Kleinmotoren für Autos hergestellt werden, gibt es derzeit keine Versorgungsengpässe, teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Auch in den Mercedes-Benz-Werken laufe die Produktion ohne Einschränkungen, sagt eine Pressesprecherin. Sowohl in Rastatt, wo Kompaktwagen vom Band laufen und die Zulieferung über die Schiene erfolgt, als auch im Presswerk Kuppenheim sowie am Nutzfahrzeugstandort Gaggenau gebe es keine Probleme. „Wir haben verschiedene Logistikkonzepte“, betont die Sprecherin, „die Streckensperrung beeinträchtig die Zulieferung nicht.“

Wolfgang Grenke, der Präsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertags, hält die Sperrung dagegen für dramatisch. Er gibt zu bedenken, dass „die wenigen Ausweichstrecken, die geringere Kapazitätsvolumina aufweisen, kaum für Entlastung sorgen können“. Eine abschnittsweise Verlagerung von Transporten auf die Straße sei im Gegensatz zum Personenverkehr nicht machbar. „Für einen Güterzug mit 80 Transportwaggons benötigt man mindestens 40 Lastwagen“, sagt Grenke – das Problem der Verladekräne, die nicht an jedem Bahnhof zur Verfügung stünden, nicht mitgerechnet.

Mit den Folgen der Streckensperrung zu kämpfen hat der Chemiekonzern BASF. Betroffen sei der kombinierte Nord-Süd-Verkehr, bei dem Straße und Schiene genutzt werden, sagt der Unternehmenssprecher Michael Wadle. Man plane zusammen mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen Ausweichstrecken. Zeitlich befristet setze man auf die Straße und Binnenschiffe.

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