Sperrungen des Schönbuchtunnels Kurzschluss, Fehlalarm und Montagefehler

Zahlreiche Schilder weisen auf die Sanierungsarbeiten hin. Foto: factum/Weise
Zahlreiche Schilder weisen auf die Sanierungsarbeiten hin. Foto: factum/Weise

Drei Mal innerhalb kurzer Zeit musste der Schönbuchtunnel auf der A 81 bei Herrenberg gesperrt werden. Jetzt soll alles besser werden.

Böblingen: Günter Scheinpflug (gig)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Herrenberg - Wegen technischer Defekte ging im Schönbuchtunnel, der zurzeit saniert wird, innerhalb kurzer Zeit drei Mal nichts mehr. Bei dem gravierendsten Vorfall, als die Röhren am 28. Dezember vom späten Nachmittag an bis zum folgenden Montag um 18 Uhr gesperrt wurden, können die Experten die Ursache nur vermuten. „Möglicherweise war es die Kälte, die der 20 Jahre alten Anlage so zugesetzt hat, dass es zu einem Kurzschluss kam“, sagt Hermann Klyeisen, Baudirektor im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart. Die anderen Zwischenfälle seien auf einen Fehlalarm und einen Montagefehler zurückzuführen. „Die Sanierung des Tunnels erfolgt unter sehr harten Arbeitsbedingungen“, wirbt Klyeisen um Verständnis.

Polizei lotst Autofahrer durch den Tunnel

Der jüngste der drei Störfälle, die von Klyeisen bilanziert werden, sei am Abend des 11. Februar durch ein blankes Kabel ausgelöst worden. Ein Arbeiter habe eine neue Stromversorgung in dem Tunnel installieren wollen, als ihm das Missgeschick passiert sei. Es habe einen Kurzschluss gegeben. „Wir merkten rasch, an was es liegt“, erzählt der Leiter des Referats für Straßenbetrieb und Verkehrstechnik des RP. „Das kommt leider vor, trotz aller Vorsicht“, fügt er hinzu. Schließlich erfolge die Montage bei laufendem Verkehr mit bis zu 65 000 Fahrzeugen täglich, mit Gehörschutz und Helm, teilweise in luftiger Höhe. Eine halbe Stunde lang waren die Ampeln vor dem Tunnel auf Rot gestanden. Danach leiteten Polizisten die Verkehrsteilnehmer durch die Röhren. Gegen 23 Uhr wurde der Tunnel dann wieder freigegeben.

Auch am späten Abend des 8. Januar war Klyeisen zufolge menschliches Versagen dafür ausschlaggebend, dass der Tunnel kurzfristig gesperrt werden musste. Ein Bauarbeiter habe unter hohem Druck eine Tunnelwand mit Wasser gereinigt und sein Montagefahrzeug einen Moment lang unter einem Brandmeldekabel stehen lassen. „Durch die austretende, heiße Luft ist ein Fehlalarm ausgelöst worden“, erklärt der Tunnelexperte. Das habe die jetzt abgeschlossene Ursachenforschung ergeben. Der Sensor des Brandmeldekabels habe eine Sichttrübung wahrgenommen, wie sie im Brandfall vorkomme. „Darüber ist vor den Arbeiten gesprochen worden, um so etwas zu vermeiden“, versichert Klyeisen. Feuerwehrkräfte rückten damals aus, die Autofahrer mussten etwa eine halbe Stunde lang vor dem Tunnel warten.

Ersatzteile müssen erst besorgt werden

Stundenlang in Eiseskälte ausharren mussten dagegen die Verkehrsteilnehmer, die vom späten Sonntagnachmittag des 28. Dezember an nicht mehr durch den Tunnel kamen. Viele kritisierten später die lange Tunnelsperrung, die mehr als einen Tag dauerte. Das RP nannte als Ursache damals „einen Spannungsabfall in der Elektrik“. Klyeisen spricht nun von einem „Kurzschluss, der einen totalen Stromausfall nach sich zog“. Es gab kein Licht mehr, die Brandmeldeanlage und die Belüftung waren außer Betrieb. „Das Risiko war zu groß, die Autos trotzdem durchzulotsen“, so Klyeisen. Die Reparatur habe so lange gedauert, weil die Ersatzteile der veralteten Anlage erst hätten besorgt werden müssen. Die technische Sanierung sei darüber hinaus grundsätzlich kompliziert, weil die alte Sicherheitsanlage noch in Betrieb bleiben müsse, während die neue installiert werde. Zur Sicherheit sei nun ein Notstromaggregat eingebaut worden, das bei einem Ausfall drei Stunden überbrücke.

In den beiden 626 Meter langen Röhren wird zurzeit die Sicherheitstechnik ausgetauscht. Es soll eine stärkere Belüftungsanlage geben und eine bessere Beleuchtung. Die Tunnelwände werden gestrichen und es werden zusätzliche Kameras eingebaut. Die Sanierung liege im Zeitplan, so das RP. Sie kostet rund 24 Millionen Euro.




Unsere Empfehlung für Sie