Spielmesse in Essen Warum Brettspiele teurer werden

Bei der „Spiel“ in Essen darf gerätselt werden. Der Stuttgarter Kosmos-Verlag präsentiert etwa das Detektivspiel  Redcliff Bay Mysteries.Foto: Kosmos Foto:  
Bei der „Spiel“ in Essen darf gerätselt werden. Der Stuttgarter Kosmos-Verlag präsentiert etwa das Detektivspiel Redcliff Bay Mysteries. Foto: Kosmos

Nach einem Rekordjahr können sich Hersteller von Brett- und Gesellschaftsspielen auch 2021 über zweistellige Umsatzzuwächse freuen. Warum dennoch Ungemach droht.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)
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Stuttgart/Essen - Die Beliebtheit von Spielen und Puzzles ist nach einem Rekordjahr auch 2021 weiter gestiegen. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres ist der deutsche Spiele- und Puzzlemarkt um rund 14 Prozent gewachsen. „Die Begeisterung für Spiele wächst zunehmend“, freut sich Hermann Hutter, Vorsitzender des Branchenverbandes Spieleverlage. Vor allem „Escape“-Spiele, Krimi- und Detektiv-Themen sind beliebt – insbesondere auch bei Erwachsenen. Auch gibt es immer mehr Ein- und Zweipersonenspiele.

Doch die Freude vor dem Start der weltgrößten Brettspielmesse „Spiel“ (vom 14. bis 17. Oktober 2021), die als Startschuss in die Weihnachtssaison gilt, ist nicht ungetrübt. Es gibt Lieferkettenprobleme, und es drohen höhere Preise – und das zu Beginn der umsatzstärksten Zeit für die Branche, in der rund 40 bis 50 Prozent des Jahresumsatzes erzielt werden.

Es fehlen Container und Logistikkapazitäten. Das führt laut Branchenverband zu längeren Lieferzeiten und deutlich höheren Kosten für die Verlage. „Mittelfristig werden sich diese Kosten in einer angemessenen Preisanpassung wiederfinden“, so der Verband.

Ravensburger: Preiserhöhungen sind nicht vermeidbar

Mit genauen Zahlen halten sich Unternehmen zurück, bestätigen aber, dass es zu Teuerungen kommt. „Materialpreise und Frachtpreise sind insgesamt erheblich gestiegen, Preiserhöhungen sind daher nicht vermeidbar“, sagt ein Sprecher von Ravensburger. Es gebe Lieferengpässe bei vielen Materialien – etwa bei Papier und Pappe, aber auch bei Kunststoff und besonders auch bei elektronischen Komponenten, die jedoch nur in einem kleinen Teil der Ravensburger-Produkte enthalten seien.

Man hoffe, die Kunden zum Weihnachtsgeschäft in Europa noch gut bedienen zu können. „Aber wir rechnen bei einzelnen Produkten mit Verzögerungen oder können nur kleinere Chargen davon ausliefern“, so der Sprecher. Es komme zu Lieferproblemen durch Engpässe bei Logistikern sowohl innerhalb Europas als auch bei Belieferungen des US-Marktes, wo Ravensburger ebenfalls aktiv ist.

Produktion in Deutschland hilft

Im Vergleich zur Branche sieht sich der oberschwäbische Spielehersteller noch in einer guten Ausgangsposition, da man den Großteil der Produkte selbst und auch in hoher Fertigungstiefe in den beiden Werken in Ravensburg und im tschechischen Policka produziere.

Ähnlich äußert sich auch eine Sprecherin des Stuttgarter Kosmos-Verlags. Es gebe Lieferprobleme bei einigen Produkten, sie hielten sich aber derzeit in Grenzen. Das Familienunternehmen hat sich frühzeitig entschieden, besonders gefragte Spiele wie „Exit“ oder „Adventure Games“ überwiegend in Deutschland zu produzieren. „Dadurch sind wir im Nachbezug schneller. Das hilft uns auch im Weihnachtsgeschäft“, so die Sprecherin. Teile der „Catan“-Produktion werden etwa beim Globushersteller Columbus in Krauchenwies (Kreis Sigmaringen) hergestellt.

Stärker betroffen von den Lieferschwierigkeiten seien Experimentierkästen – etwa Roboter, die sehr viele unterschiedliche Teile beinhalten. Hier könnte es mit Blick aufs Weihnachtsgeschäft zu Lieferengpässen kommen, so die Befürchtung.

Die gestiegenen Kosten wird auch Kosmos teils weitergeben. „Wir gehen davon aus, dass auch wir bei einigen Produkten unsere Preise moderat anheben müssen aufgrund der steigenden Rohstoffpreise“, sagt die Sprecherin.

Kosmos verkauft mehr als 14 Millionen „Exit“-Spiele

Kosmos wächst nach eigenen Angaben auch 2021 zweistellig und stärker als der Markt. Profitiert hat das Unternehmen vor allem vom anhaltenden Rätsel- und Krimitrend – allen voran die „Exit“-Spiele, die dieses Jahr fünfjähriges Jubiläum feiern und von denen weltweit mehr als 14 Millionen Stück verkauft wurden.

Viel verspricht man sich von einem neuen Detektivspiel „Redcliff Bay Mysteries“, das unter anderem in Essen präsentiert wird. Dabei ermitteln die Spielenden als Team im beschaulichen Küstenort Redcliff Bay, treffen auf skurrile Charaktere und entscheiden Runde für Runde, welcher Ort zur aktuellen Uhrzeit untersucht werden soll.

Mysteriöse Stimmen für Ermittler

Bei der Messe in Essen werden mehr als 1000 Neuheiten präsentiert. Ravensburger etwa will 20 größere neue Spieletitel vorstellen. Präsentiert wird auch das App-gestützte Audio-Rätsel-Spiel „ Echoes“, bei dem Spieler in die Rolle von Ermittlern schlüpfen, die mysteriöse Geräusche und Stimmen hören können, die an Gegenständen haften – sogenannte Echos der Vergangenheit.

Auch Ravensburger profitiert vom Spiele- und Puzzletrend, will aber erst im Januar Zahlen nennen. Eines steht aber jetzt schon fest. Für die Branche wird es nach 2020 ein weiteres Boomjahr. Laut Branchenverband Spieleverlage e. V. dürfte die Branche in diesem Jahr 750 Millionen Euro umsetzen. Ein Absatz von 60 bis 70 Millionen Spielen und Puzzles sei angepeilt.

„Spiel“ in Essen – statt digital wieder in den Hallen

Präsenz
Im vergangenen Jahr gab es nur eine digitale Ausgabe, dieses Jahr kann wieder in den Hallen gespielt werden – auf der weltgrößten Messe für Gesellschaftsspiele (14. bis 17. Oktober).

Besucher
Die Zahl der Besucher ist pro Tag auf maximal 30 000 beschränkt, mehr als 120 000 werden es also nicht werden. Dabei gelten die 3-G-Regeln – geimpft, genesen oder getestet. 2019 drängten sich 200 000 Spielefans in den Hallen.

Neuheiten
Etwa 600 Aussteller präsentieren mehr als 1000 Neuheiten – viele davon sind wegen Corona verschoben worden oder konnten nur mühsam entwickelt werden. Es habe sich ein Angebot aufgestaut, heißt es beim Branchenverband.

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