Spielplätze im Visier Wie gut sind Esslingens Spielplätze in Schuss?

Der Spielplatz auf der Maille gehört zu den beliebtesten in Esslingen. Auch die Experten geben ihm gute Noten. Foto: Ines Rudel

Nach einer Coronapause will die Stadt Esslingen ihre Spielflächen wieder ganz genau unter die Lupe nehmen. Bei den Begutachtungen sollen Zustand und Attraktivität eine Rolle spielen – aber es gibt auch neue Kriterien.

Melanie Braun

Klettern, Rutschen, Schaukeln – Bewegung ist wichtig für Kinder. Aber nicht alle haben einen Garten zum Toben zu Hause. Deshalb haben die städtischen Spielplätze für viele Familien einen hohen Stellenwert. Doch für die Stadt bedeutet es viel Arbeit, die rund hundert Esslinger Spiel- und Bewegungsflächen in Schuss zu halten und weiterzuentwickeln – zumal es immer neue Aspekte zu berücksichtigen gilt.

 

Der Maille-Spielplatz ist einer der Spitzenreiter: Als schön, vielseitig und belebt, als sauber, gepflegt und beliebt ist der Spielplatz in der Esslinger Innenstadt zuletzt von einem städtischen Expertengremium beschrieben und mit der Note Eins bedacht worden. Das gilt längst nicht für alle der rund hundert Spiel- und Bewegungsflächen im Stadtgebiet. Wie genau es um die Anlagen in Esslingen bestellt ist, soll nach einer zweijährigen Coronapause jetzt wieder ganz gezielt erhoben werden – mit Hilfe einer Checkliste, die um aktuelle Kriterien ergänzt wurde.

Mehr Schatten für die Spielflächen

Künftig will man den Fokus auch auf Aspekte lenken, die lange keine große Rolle gespielt haben. Angesichts des Klimawandels mit immer heißeren Sommern werde man jetzt deutlich mehr darauf achten, dass es auf den Spielflächen genügend Schatten durch Bäume oder Sonnensegel, ausreichend Grün sowie Vorkehrungen zur Wasserrückhaltung gibt, sagte Baubürgermeister Hans-Georg Sigel im jüngsten Ausschuss für Technik und Umwelt. Zudem sind weitere Freiflächen für Jugendliche nach wie vor ein großes Thema. Allerdings ist es laut Stadtverwaltung sehr schwierig, geeignete Plätze zu finden. Immerhin gibt es am Färbertörlesweg und auf den Mettinger Wiesen neue Outdoor-Fitness-Anlagen, die unter Beteiligung von Jugendlichen geplant wurden und nach Angaben der Stadt sehr gut angenommen werden.

In den vergangenen Jahren ist bereits das Thema Inklusion verstärkt in den Blick genommen worden. Zusammen mit entsprechenden Organisationen und Einrichtungen wie der Lebenshilfe, der Rohräckerschule oder dem Verein Rückenwind wurde ein Zehn-Punkte-Plan in die Bewertung der Anlagen integriert, der sicherstellen soll, dass die Anlagen möglichst von Kindern mit und ohne Behinderung genutzt werden können.

Klar ist laut Stadtverwaltung dabei aber auch geworden, dass nicht alle Spielplätze geeignet sind für eine inklusive Nutzung. Dies müssten nach Meinung von Betroffenen aber auch nicht alle sein, aber eben so viele wie möglich.

Neben diesen Kriterien geht es in der Checkliste zur Beurteilung der 72 Spielplätze und rund 30 anderen öffentlichen Bewegungsflächen – dazu zählen Bolzplätze oder Freiräume an Schulen – etwa um den spontanen Eindruck, den eine Spielfläche auf den Besucher macht. Es geht auch um die Angebote für verschiedene Altersgruppen und um offensichtliche Nutzungsspuren.

Aufgrund dieser Beurteilungen werden stets einige Anlagen verbessert oder auch generalsaniert – wie zuletzt der Spielplatz Mettinger Wiesen, der im Rahmen eines groß angelegten Beteiligungsprojektes zu einem aufwendig gestalteten Aktiv- und Bewegungsraum für alle Generationen umgestaltet wurde.

Als Richtwert der Arge Bau, einer Arbeitsgemeinschaft für Städtebau von Bund und Ländern, gilt, dass es pro Einwohner zwei bis vier Quadratmeter Spielfläche geben sollte. In Esslingen kommt man im Durchschnitt zwar auf 2,4 Quadratmeter Spielfläche pro Einwohner und liegt damit im Rahmen. Aber auf die Stadtteile bezogen sieht das zum Teil anders aus. So kommt der Bürgerausschussbereich Wäldenbronn, Hohenkreuz, Serach, Obertal auf 6,1 Quadratmeter pro Einwohner und liegt damit stadtweit an der Spitze. Schlusslicht der zwölf Bürgerausschussbereiche hingegen ist das Gebiet Hegensberg, Liebersbronn, Oberhof, Kimmichsweiler, wo es lediglich 0,9 Quadratmeter Spielfläche pro Einwohner gibt. Allerdings sei auch das aus Sicht der Stadt relativ zu sehen: „Die Stadtteile sind sehr durchgrünt, daher sind öffentliche Spielplätze dort nicht so dringend notwendig“, erklärte Michael Höger vom städtischen Grünflächenamt in der jüngsten Ausschusssitzung.

Wenig Spielplätze in dicht besiedelten Tallagen

Anders sei das in den dicht besiedelten Stadtteilen in Tallage wie der Pliensauvorstadt oder der Innenstadt, die im Verhältnis zur Einwohnerzahl ohnehin nicht üppig bestückt seien: In der Pliensauvorstadt kommen 1,9 Quadratmeter Spielplatz-Fläche auf einen Einwohner (Rang 6 der Bürgerausschussbereiche), in der Innenstadt 1,7 Quadratmeter (Rang 9).

Angesichts der Tatsache, dass hier neue Baugebiete entstehen, müsse man auch sicherstellen, dass es künftig genügend Spielraum gebe, so Höger. Hinzu komme, dass die Spielflächen in Esslingen wegen der Topografie und der dichten Besiedlung meist nicht auf die empfohlenen Mindestgrößen von 500 Quadratmetern für unter Sechsjährige sowie 10 000 Quadratmeter für Sieben- bis Zwölfjährige erreichten.

Allerdings komme es nicht nur auf die Größe, sondern auch auf die Qualität der Anlagen an, heißt es aus dem Rathaus. Und die versuche man kontinuierlich zu verbessern. Konkret soll in diesem Jahr der Spielplatz Barbarossastraße neu gestaltet werden, im kommenden Jahr voraussichtlich der Spielplatz Cannstatter Straße.

Urteile der Expertenrunden

Umfahrt
Pro Jahr begutachtet die Stadt die Spielplätze und Bewegungsräume in vier der insgesamt zwölf Bürgerausschuss-Bereiche. Somit werden die Daten für jeden Spielraum alle drei Jahre aktualisiert. Bei den jährlich stattfindenden Umfahrten beurteilt eine Expertenrunde anhand einer Checkliste die Spielräume. Die Expertenrunde besteht aus Vertretern des jeweiligen Bürgerausschusses, des

Empfehlungen
Aufgrund der Beurteilungen werden Empfehlungen formuliert, die in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen eingeteilt werden. Dabei gilt, dass kurzfristige Vorhaben innerhalb eines Jahres erledigt werden sollen und mittelfristige innerhalb des Drei-Jahres-Turnus der Begehungen. Bei den langfristigen Maßnahmen handelt es sich zumeist um Generalsanierungen, die im Haushalt angemeldet werden müssen. Früher wurden zwei große Sanierungen pro Jahr angestrebt, aufgrund der engen Finanzen ist es jetzt noch eine im Jahr.

Weitere Themen