Stuttgart - Gegen Ende eines Tages, wie ihn auch der VfB Stuttgart noch nicht erlebt hat, überwiegt bei Thomas Hitzlsperger die Erleichterung. „Ich begrüße die Entscheidung der DFL“, sagt der Vorstandschef, nachdem sich der Dachverband der 36 Clubs der ersten und zweiten Bundesliga am späten Freitagnachmittag doch noch dazu hat durchringen können, den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung auszusetzen. „Die Gesundheit der Menschen muss vor den sportlichen und wirtschaftlichen Interessen stehen.“
Den ganzen Tag über haben sie im VfB-Clubhaus in Bad Cannstatt auf diese Nachricht gewartet, Pläne geschmiedet und wieder verworfen, Krisensitzungen abgehalten und alle mögliche Szenarien diskutiert. Sie hatten davon ausgehen müssen, dass die für Sonntag angesetzte Partie beim SV Wehen Wiesbaden stattfinden würde – ohne Zuschauer zwar, aber auf offizielles Geheiß der DFL, die die unvermeidliche Pause ursprünglich erst ab Dienstag ausgerufen hatte.
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Die Mannschaft trainierte ordnungsgemäß, der Zeugwart packte die Kisten für die Reise ins Hessische – nur die obligatorische und für 14 Uhr geplante Spieltags-Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt. Als Telefonkonferenz war sie wegen des Coronavirus angesetzt worden – doch was hätte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo sagen sollen angesichts der sich überschlagenden Ereignisse in der (Fußball-)Welt? Ob er mit Dreier- oder Viererkette zu spielen gedenke? Ob es angeschlagene Spieler gebe, deren Einsatz gefährdet sei? Es gab wichtigere Themen an diesem denkwürdigen Freitag, dem 13.
Jetzt herrscht also zumindest kurzfristig Klarheit. Die Reise nach Wiesbaden fällt aus, Gleiches gilt für das anschließende Gastspiel bei Holstein Kiel (21. März). Vorerst bis 2. April sollen die beiden Bundesligen pausieren – so jedenfalls sieht es der Plan des DFL-Präsidiums vor, über den Vertreter aller Proficlubs bei der Mitgliederversammlung am Montag beratschlagen wollen. Ob es bei dieser Mini-Pause bleibt? „Wir werden darüber sprechen, wie wir weiter mit dieser Situation umgehen“, sagt Hitzlsperger – mehr mag er vorerst nicht preisgeben.
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Bis Montag bleiben also auch beim VfB viele Fragen offen. Wie werden sich die Stuttgarter bei der wegweisenden Versammlung positionieren, nachdem die unwürdige Hängepartie am Freitag deutlich gemacht hat, dass es dem deutschen Profifußball vor allem um die Geldvermehrung geht? Wie wappnet sich der Club dafür, dass die Pause länger dauern könnte oder die Saison gar vorzeitig beendet wird? Antworten gibt es mit Verweis auf die DFL-Mitgliederversammlung keine. Auch die VfB-Strategen müssen sich erst einmal sammeln und werden ihre Krisensitzungen auch am Wochenende fortsetzen müssen. Am Samstag teilte der Club bereits mit: Das Team von Pellegrino Matarazzo wird in der kommenden Woche nicht zusammen trainieren.
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Deutlich klarer ist die Lage in den anderen Fußballabteilungen des Vereins. In der Oberliga Baden-Württemberg, in der die U 21 des VfB an der Tabellenspitze steht, wird der Spielbetrieb bis mindestens 23. März komplett ausgesetzt. Betroffen sind davon das an diesem Sonntag geplante Auswärtsspiel beim 1. FC Rielasingen-Arlen und das Heimspiel gegen den SSV Reutlingen in der Woche darauf. Bis mindestens 26. März rollt auch in den Bundesligen der U 17 und U 19 kein Ball mehr, auch bei den jüngeren Teams ist der Spielbetrieb vorerst eingestellt worden. Die Konsequenz: den Trainingsbetrieb aller Nachwuchsmannschaften hat der VfB „ab sofort und bis auf Weiteres“ ausgesetzt.
Es wird also ruhig auf den Plätzen rund ums VfB-Clubheim, in dessen Büros es dafür umso turbulenter zugeht.