Spitzengastronomie in Stuttgart Überraschender Wechsel in der Speisemeisterei

Von Uwe Bogen 

Vor zwei Jahren haben sie die Speisemeisterei aus der Insolvenz gerettet: Überraschend erklären Jochen Bayer und Alexander Scholz gegenüber unserer Zeitung ihren Rückzug aus dem Sternerestaurant. Ein Nachfolger ist gefunden.

Die Gastronomen Alexander Scholz (links) und Jochen Bayer (rechts) verabschieden sich nach zwei Jahren aus der Speisemeisterei, der Sternekoch  Stefan Gschwendtner (Mitte) bleibt. Foto: / Speisemeisterei
Die Gastronomen Alexander Scholz (links) und Jochen Bayer (rechts) verabschieden sich nach zwei Jahren aus der Speisemeisterei, der Sternekoch Stefan Gschwendtner (Mitte) bleibt. Foto: / Speisemeisterei

Stuttgart - An jenem Freitag, dem 13., der im Monat März als Tag des Shutdowns in die Geschichte eingehen wird, war die Speisemeisterei im Schloss Hohenheim ausverkauft. Günther Jauch, seit Jahrzehnten bekannt als TV-Moderator, lief als redseliger Winzer mit seinen Weinen zur Höchstform auf. Jochen Bayer und Alexander Scholz, seit Juli 2017 die Chefs des zuvor in finanzielle Schieflage geratenen Sternerestaurants, freuten sich über den Coup, einen so mitreißenden Medienpromi für ihr Haus gewonnen zu haben. Die Gäste waren begeistert. Was damals keiner ahnen konnte: Es sollte einer der letzten gemeinsamen Auftritte der beiden Catering-Unternehmer und Gastro-Partner in diesem Gourmetlokal sein, das sie nun aufgeben.

Der Geschäftsmann Harald Panzer, Gründer und Chef von Wohninvest sowie Finanzier des Spitzenrestaurants Ritzi unweit des Stuttgarter Hauptbahnhofs, soll ihr Nachfolger werden. Küchenchef Stefan Gschwendtner wird auch nach diesem Wechsel am gewohnten Herd bleiben – mit dem Ehrgeiz, noch einen zweiten Stern zu holen.

Mit 54 Jahren will sich Bayer neue Ziele setzen

„Schweren Herzens, nein schwersten Herzens“, sagt Jochen Bayer, verlasse er nun die Speisemeisterei, die ihm in zwei Jahren „sehr ans Herz gewachsen“ sei. Nein, mit Umsatzrückgängen in der Coronakrise habe sein Abschied nichts zu tun, versichert der Bauträger, der 20 Jahre lang in der Gastronomie tätig war und unter anderem das Mash im Bosch-Areal betrieben hatte. Sein Engagement für gutes Essen sei nun erst mal beendet, erklärt er gegenüber unserer Zeitung. Auch seine Tätigkeit als Catering-Unternehmer wird er aufgeben, um sich mit 54 Jahren künftig „neue Ziele“ zu setzen.

„Die Speisemeisterei braucht mehr persönliche Präsenz“

„Die letzten zwei Jahre waren für mich eine sehr schöne, aber auch eine sehr arbeitsintensive Zeit“, sagt Alexander Scholz und ist stolz auf das Erreichte: „Wir haben in der Speisemeisterei bewiesen, dass man mit der gehobenen Gastronomie in Ergänzung zu unseren anderen Aktivitäten einen gesunden wirtschaftlichen Betrieb organisieren und betreiben kann.“ Die Erfahrung habe aber auch gezeigt, „dass die Speisemeisterei in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit und persönliche Präsenz benötigt.“ Mit der Entwicklung der letzten zwölf Wochen und den daraus entstehenden Herausforderungen in der Zukunft werde umso mehr Einsatz nötig sein. Scholz: „Wir haben, so denke ich, eine sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und übergeben den Staffelstab der Speisemeisterei nun in die Hände von Harald Panzer.“ Mit seinen gastronomischen Betrieben wie dem Perkins-Park, dem Staatstheater und dem Projekt Bellevue habe Scholz sehr viele Aufgaben, „die sehr arbeitsfüllend sein werden“.

Wohninvest-Chef Harald Panzer übernimmt

Dank Martin Öxle war die Speisemeisterei in Hohenheim mehr als zehn Jahre lang unter den besten zwölf deutschen Restaurants und durfte sich mit zwei Sternen schmücken. Daran will der Küchenchef Stefan Gschwendtner mit seinem Team auch unter einem neuen Betreiber anknüpfen. Aus Altersgründen hatte Öxle das Restaurant Ende 2007 an den Fernsehkoch Frank Oehler übergeben, was für ordentlich (mediale) Präsenz sorgte. Im Mai 2018 allerdings musste dieser Betreiber Insolvenz anmelden, Ende Juni war dann Schluss.

Innerhalb kurzer Zeit ist es den neuen Betreibern Jochen Bayer und Alexander Scholz gelungen, die Speisemeisterei aus den roten Zahlen zu holen. Das Betriebsergebnis war positiv – und der Michelin-Stern blieb. Genau nach zwei Jahren beenden die beiden Geschäftspartner, die künftig getrennte Wege gehen, ihr Engagement in Hohenheim. Verkauft haben sie an Harald Panzer, der bekannt dafür ist, ein Freund der gehobenen Küche zu sein. Michele Vulcano, der Sprecher von Wohninvest in Fellbach, bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass sein Chef erneut in einem gastronomischen Betrieb einsteigt. Über seine Pläne werde Harald Panzer, dessen Firma Wohninvest einen Umsatz von zuletzt 380 Millionen Euro erwirtschaftet hat, in Kürze informieren.

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