Spitzensport Wo steht der Anti-Doping-Kampf aktuell?

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Clemens Prokop: Der Anti-Doping-Kampf steht in einer entscheidenden Phase, weil nun die Harmonisierung der internationalen Dopingbekämpfung erreicht werden muss. In einer Reihe von Ländern bestehen völlig unzureichende Rahmenbedingungen für den Kampf gegen Doping, was im Ergebnis zu deutlichen Wettbewerbsverzerrungen im internationalen Sport führt.

Marius Breucker: Vor wichtigen Weichenstellungen.

Fritz Sörgel: Es gibt keinen einheitlichen Anti-Doping-Kampf für alle Sportarten. Wir wissen leider nicht, wie es in besonders populären Sportarten zugeht, etwa im Tennis oder Fußball. Letzterer hat in vielen Ländern – auch bei uns – Staatsschutz und den Schutz der breiten Masse. Wie verseucht der Sport ist, kann man nicht seriös beantworten, vor allem nicht auf Basis von validen Untersuchungen. Das Hauptproblem ist, dass der verseuchte Sport und die Dopingjäger nicht waffengleich sind. Die Betrüger können sich alle möglichen Methoden und Tricks ausdenken, die Verfolger müssen sich auf punktuelle Blut- oder Urinproben und nicht ausreichende Testmethoden verlassen. Die Bedeutung des investigativen Journalismus ist deshalb nicht hoch genug einzuschätzen.

Hajo Seppelt: Es ist noch nie so transparent geworden wie in den vergangenen Jahren, wie fehler- und lückenhaft der Kampf gegen Doping ist. Kontrollen sind allzu oft ein Muster ohne Wert, sie haben nur teilweise abschreckende Funktion. Nicht alles, was getestet wird, wird auch analysiert. Viele Stoffe sind nicht nachweisbar. Ohne unabhängigen Journalismus wäre ganz vieles nicht aufgedeckt worden.

Perikles Simon: Auf dem gleichen Level der „brauchbaren Ineffektivität“ (Professor Bette) wie zum Zeitpunkt der Einführung der ersten Tests auf anabole Steroide vor rund 40 Jahren. Das liegt zum einen daran, dass die Vielfältigkeit der Mittel und Methoden, sich zu dopen, seitdem sehr stark gestiegen ist, zum anderen daran, dass nach wie vor kein ernsthafter politischer Wille für einen effektiveren Anti-Doping-Kampf besteht. Hinter vorgehaltener Hand gilt für alle Sportler: „Lass dich nicht erwischen!“

Ines Geipel: Doping ist maskierter, feiner austariert, versteckter, schöner gesagt: professioneller geworden. Es existieren schlicht keine zeitgemäßen Instrumentarien, um es tatsächlich offenzulegen. Wenn etwas auffliegt, ist es der blanke Zufall. Das ist kein guter Zustand. In dem Sinne gibt es aktuell keinen Anti-Doping-Kampf, der praxistauglich ist.

Hans-Michael Holczer: Im permanenten Legitimationszwang, lächerliche Aufklärungsquoten als Erfolg zu verkaufen.

Andrea Gotzmann: Das Vertrauen der sauberen Athleten in das System und die Anti-Doping-Institutionen ist erschüttert. Dies liegt nicht allein am Fakt, dass ein Betrugssystem im russischen Sport existiert, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass keinerlei nachvollziehbaren Konsequenzen daraus gezogen werden. Die intransparente und uneinheitliche Vorgehensweise seitens des IOC und der internationalen Verbände zur Ahndung des flächendeckenden Dopings in Russland hat der Anti-Doping-Arbeit massiv geschadet. Es geht nun darum, das verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen.

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