Spitzentreffen Elektromobilität Zetsche fordert Anreize für Elektroautos

Vor Beginn der Internationalen Konferenz zur Elektromobilität in Berlin zieht der  Mercedes SLS AMG electric drive Blicke auf sich. Im Juni kommt das Fahrzeug auf den Markt. Foto: dpa
Vor Beginn der Internationalen Konferenz zur Elektromobilität in Berlin zieht der Mercedes SLS AMG electric drive Blicke auf sich. Im Juni kommt das Fahrzeug auf den Markt. Foto: dpa

Daimler-Chef Dieter Zetsche verlangt auf einem Kongress von der Politik mehr Unterstützung bei der Einführung von Elektroautos. Kanzlerin Angela Merkel stellt sich hinter die Forderung der deutschen Autohersteller.

Berliner Büro: Roland Pichler (rop)

Berlin - Daimler-Chef Dieter Zetsche verlangt von der Politik mehr Unterstützung bei der Einführung von Elektroautos. Auf einem Kongress auf Einladung der Bundesregierung in Berlin wiederholte Zetsche zwar nicht frühere Forderungen nach staatlichen Kaufprämien, die Automobilindustrie erhofft sich von der EU-Kommission aber Entgegenkommen bei der Festlegung neuer Grenzwerte für Kohlendioxid. Bis 2020 soll in der EU der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 weiter sinken. Zetsche rief die EU-Kommission auf, Elektroautos stärker auf die Flotte anzurechnen. Nach dem Willen der deutschen Industrie sollen Elektro- und Hybridautos, die niedrige CO2-Emissionen aufweisen, bei der Berechnung des Flottendurchschnitts mehrfach berücksichtigt werden. „Das kostet den Steuerzahler keinen Cent“, argumentierte Zetsche. Er verwies darauf, dass Elektroautos in den USA und in China stärker gefördert würden als in der EU.

Kanzlerin Angela Merkel stellte sich auf dem Kongress hinter die Forderung der deutschen Autohersteller. Die Bundesregierung sei immer bereit, ehrgeizige Klimaschutzziele mitzutragen. „Die Ziele müssen aber realistisch sein“, sagte Merkel. Die Hersteller größerer Autos seien häufig treibende Kraft für Innovationen. „Wir sollten uns diese Wertschöpfungskette nicht kaputt machen“, meinte Merkel.

Aus Sicht des Daimler-Chefs seien viele Kunden gegenüber Elektroautos nach wie vor skeptisch. Im Wettbewerb hätten Autos mit alternativen Antriebsformen schlechtere Karten, sagte Zetsche. Dies liege am Preis, der begrenzten Reichweite und einem Mangel an Parkplätzen mit Strom­anschlüssen. Ein dichteres Tankstellennetz sei dringend notwendig. Der Daimler-Vorstandschef will die Autokäufer mit Testangeboten überzeugen. Die Kunden könnten sich dann ihr eigenes Bild machen. In den Städten wirbt das Unternehmen für Carsharing, in Stuttgart betreibt Daimler die größte Smart-Flotte mit E-Antrieb.

In der Wirtschaft ist bei E-Mobilität Ernüchterung eingekehrt

Ärgerlich sei für die deutsche Industrie, dass die Politik ihre Zusagen bei der Förderung noch nicht umgesetzt habe, so Zetsche. Die Bundesregierung brachte zwar ein Gesetz auf den Weg, mit dem steuer­liche Anreize beim Kauf elektrischer Dienstwagen eingeführt werden sollen. Die vergleichsweise teure Batterie soll bei der Pauschalbesteuerung von Dienstwagen künftig herausgerechnet werden. Über diese Regelung wird zurzeit aber noch im ­Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat verhandelt. Es müsse rasch eine Einigung geben, verlangte Zetsche.

In Wirtschaft und Verbänden ist bei der Elektromobilität Ernüchterung eingekehrt. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland gerade einmal 3000 Elektroautos neu zugelassen – bei insgesamt drei Millionen Anmeldungen. Die Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 eine Million Fahrzeuge mit Elektromotor auf die Straßen zu bringen. Die Verbände räumen inzwischen ein, dass dieses Ziel nur schwer zu erreichen ist. Henning Kagermann, der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität, gibt das Ziel jedoch noch nicht auf. Österreich wolle bis zum nächsten Jahrzehnt 200 000 Elektroautos erreichen, in China sollen es zehn Millionen sein. Vor diesem Hintergrund seien eine Million Fahrzeuge nicht überambitioniert, sagte Kagermann. Dass sich die neue Technologie schnell verbreitet, dagegen sprechen auch die Planungen auf der europäischer Ebene. Im Grundsatz hat sich die EU zwar bereits auf einen einheitlichen Stecker zum Stromtanken verständigt, das Vorhaben ist aber noch nicht umgesetzt. Merkel hat Hoffnung, dass dies noch gelingt.

Der EU-Verkehrskommissar Siim Kallas nannte in Berlin als Problem die großen Unterschiede bei der Infrastruktur. In manchen Ländern wie Deutschland und Frankreich seien beispielsweise viele Ladestationen geplant. In anderen EU-Ländern befänden sich die Vorbereitungen dagegen noch am Anfang. Die EU-Kommission will eine Zerstückelung Europas bei der Elektromobilität verhindern. Nicht nur bei der Technik gebe es unterschiedliche Normen. Auch die Bezahlsysteme für Stromtankstellen wichen voneinander ab. Wer ein Elektroauto fährt, komme noch immer schwer über die Grenzen, sagte Kallas.

Unsere Empfehlung für Sie