Sportartikel Adidas will wieder mit made in Germany werben

Adidas derzeit mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB) über eine Verlängerung des Ausrüstervertrags für die Jahre nach 2019 Foto: dpa
Adidas derzeit mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB) über eine Verlängerung des Ausrüstervertrags für die Jahre nach 2019 Foto: dpa

Das Unternehmen aus Herzogenaurach setzt bei der Fertigung auf Roboter und will so näher am Kunden sein.

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Herzogenaurach - I n Frankreich kämpfen die Sportartikelhersteller und die von ihr ausgerüsteten Fußballmannschaften derzeit um die Europameisterschaft. Abgeschottet von der Öffentlichkeit aber hat ein Wettkampf begonnen, der für die Industrie noch wichtiger sein könnte als der Titelgewinn. Seit 30 Jahren lässt die Industrie überwiegend bei asiatischen Zulieferern produzieren. Steigen in einem Land die Löhne für Näherinnen, wird nach günstigeren Konditionen in einem anderen Niedriglohnland gesucht. Am Prinzip aber ändert sich nichts.

Doch jetzt haben die Hersteller Roboter im Visier, die nähen und kleben können. „Das kann die Branche verändern“, sagt Experte Thomas Hofmann von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart. Denn dadurch könne man die Produktion zu den Kunden verlagern und sich immense Zeitvorteile verschaffen. Auch diese Weise könnten die Kosten für die Herstellung sinken. Bei dieser Entwicklung hat derzeit der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller Adidas die Nase vorn, schätzt Hofmann. Auch US-Konkurrenten wie Nike oder Under Armour würden an dieser Technologie arbeiten, seien aber noch nicht so weit. Damit könnten sich die Franken einen wichtigen Vorsprung vor dem Weltmarktführer Nike sichern.

Adidas will mit der Serienfertigung 2017 starten

„Als Sportunternehmen wissen wir: Schnelligkeit siegt“, sagt der scheidende Adidas-Chef Herbert Hainer. Deshalb nennt Adidas sein Pilotwerk „Speedfactory“ – eine Fabrik mit automatisierter Fertigung, in der Sportartikel schneller als je zuvor hergestellt werden können. In Ansbach tüftelt Adidas gerade mit dem Technologie-Partner Oechsler auf dessen Gelände am Aufbau einer ersten Roboter-Serienproduktion für Laufschuhe. „Mit der Speedfactory revolutionieren wir die Industrie“, verspricht Hainer. Eine zweite Roboterfabrik entsteht in den USA. Nike & Co. können Vergleichbares nicht vorweisen.

Beide Adidas-Produktionsstätten sollen 2017 die Serienfertigung aufnehmen und pro Jahr zusammen eine Million Paar Laufschuhe herstellen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hat Adidas fast 300 Millionen Paar Schuhe verkauft. „Auf mittlere Sicht werden Sie in allen großen Absatzmärkten Fabriken von uns finden“, sagt Hainer. Roboter könnten ein Paar Schuhe fünf Stunden nach der Bestellung ausliefern. Auf traditionellem Weg in Asien und dem Transport per Schiff würde das mehrere Monate dauern.

Man dürfe aber nicht nur den Zeitvorteil sehen, sagt Analyst Hofmann. Weniger lange Transportwege würden auch weniger klimaschädliche Schadstoffe bedeuten und Adidas könne wieder wie der Textilfabrikant Trigema mit „made in Germany“ werben. Die Billiglohnländer, in denen die Produktion wegfällt, könnten dann allerdings Probleme bekommen.

Was ein Paar Schuhe, die vom Roboter hergestellt werden kostet, verrät Adidas nicht

Was ein Paar Schuhe aus Roboterfertigung kostet, verrät Adidas nicht. Auch Technikpartner Oechsler schweigt zum Investitionsaufwand für die Roboterfabriken. Under Armour hat jüngst in einer limitierten Auflage Sportschuhe im 3D-Drucker hergestellt und für 300 Dollar (267 Euro) das Paar verkauft. Doch die Oechsler-Technologie ist anders. Hier wird nicht gedruckt, sondern genäht und geklebt. Experten gehen davon aus, dass diese Technik kostengünstiger sei als die 3D-Druck-Fertigung.

Die Visionen gehen aber noch weiter. In kleiner Form könnten Fertigungsroboter irgendwann in eigenen Läden von Adidas stehen und vor den Augen der Kunden den Wunschschuh produzieren, glaubt Hainer. Zudem verhandelt Adidas derzeit mit dem Deutschen Fußball Bund (DFB) über eine Verlängerung des Ausrüstervertrags für die Jahre nach 2019. Teil des Angebots ist die Zusage, das DFB-Trikot wieder in Deutschland zu produzieren. So wie es aussieht, wird die Produktions zwar nicht schnell wieder zurück nach Deutschland verlagert, aber sie könnte ungeahnte Dimension annehmen.

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