Sportler des Jahres Dirk Nowitzki - der ganz normale Superstar

Dirk Nowitzki feiert die Wahl zum Sportler des Jahres via Satellitenschaltung auf seine uneitle Art und Weise. Foto: dpa 8 Bilder
Dirk Nowitzki feiert die Wahl zum Sportler des Jahres via Satellitenschaltung auf seine uneitle Art und Weise. Foto: dpa

Der Basketballer wird zum Sportler des Jahres gekürt. Weil er nicht persönlich zu Gast sein kann, schickt er Grüße nach Baden-Baden.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)
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Baden Baden - Wie gut, dass Dirk Nowitzki, der deutsche Basketballstar in Diensten der Dallas Mavericks, ein echter Teamplayer ist. Also hat der Würzburger die Wäscheklammer rechtzeitig von der Nase genommen, mit der er zuvor herumgespielt hatte - denn nun wurde es ja ernst: "Wenn ich Ihnen sage, dass Sie zum Sportler des Jahres gewählt wurden, dann freuen Sie sich!", rief der ZDF-Moderator Rudi Cerne vom Kurhaus in Baden-Baden aus dem 2,13 Meter großen Mann via Satellitenschaltung ins ferne Dallas zu. Und als es so weit war, tat Dirk Nowitzki wie ihm geheißen - und riss sogar die Arme hoch.

Manchmal wird beim Fernsehen eben ein bisschen geschummelt. Weil für Dirk Nowitzki am Abend texanischer Zeit, eine Woche vor dem Start der NBA-Saison am ersten Weihnachtsfeiertag gegen die Miami Heat, ein Testspiel gegen Oklahoma City anstand (das die Mavericks später mit 96:102 verlieren sollten), musste das Siegergespräch mit Deutschlands erfolgreichstem Sportler des Jahres 2011 vorab aufgezeichnet werden - und wurde erst später in die ZDF-Sendung hineingeschnitten.

"Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen"

Die 750 geladenen Gäste im Bénazet-Saal des Kurhauses bekamen so die Chance, vorab mit Dirk Nowitzki, dem von Millionen Basketballfans in den USA und Europa umjubelten Ausnahmekorbjäger, ein wenig auf Tuchfühlung zu gehen. Denn ehe die Leitung stand, hatten der erfrischend normal gebliebene 33-Jährige und der Moderator Rudi Cerne einige Klippen zu umschiffen: Zuerst stand die Bildleitung in die USA nicht, dann hörte man ein Stimmengewirr und als auch noch kurz der Ton ausfiel und sich Cerne schon bei "Verstehen Sie Spaß?" wähnte, da griff Nowitzki einfach zum Handy.

Letztlich hat aber alles geklappt. "Es ist eine Ehre für mich, dass ich es als Mannschaftssportler geschafft habe, diese Personenwahl zu gewinnen", sagte Nowtzki, der mit Dallas im Juni zum ersten Mal in seiner langen NBA-Karriere den Titel geholt hatte. "Die Deutschen haben damit bewiesen, dass sie etwas von Basketball verstehen." Überhaupt sei das Jahr 2011 für ihn eines der Besten gewesen. "Dass mich einmal Zehntausende Fans in Würzburg feiern würden, hätte ich nie zu träumen gewagt. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen", sagte Nowitzki, dem nach dem Titelgewinn im Sommer in seiner fränkischen Heimat mit einem Massenauflauf gehuldigt worden war.

Beinahe hätte es geklappt, und Nowitzki, der bei der Wahl von 1400 deutschen Sportjournalisten den Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und den Tischtennis-Europameister Timo Boll auf die Plätze verwiesen hatte, hätte sich seine Trophäe persönlich in Baden-Baden abgeholt. Durch den Streit über die Höhe der Spielergehälter zwischen den Clubbesitzern und den Profis hatte sich der Start der NBA-Saison, die sonst im November beginnt, verzögert.

Zwei völlig unterschiedliche Charaktere

Nächsten Sonntag geht es nun aber endgültig los. "Ich wäre gerne bei euch dabei gewesen", sagte der trotz aller Erfolge uneitle Superstar - und schickte liebe Grüße ins Kurhaus, wo sich die Kollegen Spitzensportler, die Funktionäre und die Journalisten im Saal bereits die Garnelen mit Spargelspitzen zur Vorspeise und das Rinderfilet an Griesknockerln als Hauptgang hatten schmecken lassen.

Zwei völlig unterschiedliche Charaktere bekam das Publikum bei der 65. Sportlergala bei den Frauen präsentiert: hier die Siegerin und dreifache Biathlon-Weltmeisterin von 2011, die Wallgauerin Magdalena Neuner, die aufgrund des Rummels um ihre Person ihre Karriere im Frühjahr mit dann 25 Jahren beenden wird; dort die Zweitplazierte Andrea Petkovic, die gerne die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Also stolzierte Petkovic, Deutschlands beste Tennisspielerin, in einem figurbetonten Kleid ("Ich habe mir wochenlang darüber den Kopf zerbrochen, was ich anziehe") auf die Bühne, während Neuner, die von ihrem Jugendfreund Sepp Holzer begleitet wurde, im blauen Abendkleid die klassische Abendgarderobe wählte.

Grund zur Freude für Jürgen Klopp

"Ich habe mir meinen Rücktritt nicht leicht gemacht, bin sogar nachts hin und wieder mal aufgestanden, um an meiner Abschiedserklärung im Internet zu feilen", sagte die Siegerin, "doch jetzt bin ich befreit. Viele sagen nun: Oh je, jetzt ist sie überall zum letzten Mal!' Aber ich genieße meine Abschiedssaison mit der Heim-WM im März in Ruhpolding als Höhepunkt."

Ebenfalls Grund zur Freude hatte der Fußball-Meistertrainer Jürgen Klopp, dessen Team Borussia Dortmund als Mannschaft des Jahres das Nationalteam der Männer auf Platz zwei verwies. "Gratulationen von den Bayern bekommt man so selten, die nimmt man natürlich gerne entgegen", sagte Klopp mit einem Augenzwinkern in Richtung des Münchner Mittelfeldspielers Bastian Schweinsteiger, der die Ehrung für die Nationalelf in Empfang nahm.

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