SSB in den Neckarvororten Nächster Halt: Firmenwerbung

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Auch in den Neckarvororten findet man die Namen von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen auf den Haltestellenschildern.

Nicht jedes Unternehmen kommt als Partner für die SSB in Frage: Die Firma Kodak hat es geschafft. Foto: Steffen Honzera
Nicht jedes Unternehmen kommt als Partner für die SSB in Frage: Die Firma Kodak hat es geschafft. Foto: Steffen Honzera

Neckarvororte - Wer mit der Stadtbahn durch Stuttgart fährt, den informiert eine zarte Damenstimme aus dem Lautsprecher immer wieder nicht nur über den Namen der Haltestelle selbst, sondern auch über die Unternehmen oder Einrichtungen, die sich in der Nähe befinden. So klingt bei der Haltestelle Glockenstraße auch „Mahle“ aus dem Lautsprecher oder an der Nürnberger Straße „Krankenhaus Bad Cannstatt“. Und auch auf den Haltestellenschildern prangen gut lesbar die zusätzlichen Namen.

Doch warum ist eigentlich ausgerechnet beispielsweise von Mahle die Rede und nicht von einem der anderen Unternehmen dort? Seit dem Jahr 2000 können Firmen gegen Bezahlung als Ergänzung in den Haltestellennamen auftauchen. Das erste Unternehmen, das dafür Geld ausgegeben hat, war das Diakonie-Klinikum an der Rosenbergstraße. Seither sind 23 neue Firmen hinzugekommen. Fünf weitere befinden sich aktuell in Vertragsverhandlungen mit den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB).

Diese Art der Werbung kostet bis zu 30 000 Euro pro Jahr

Dort werde das Geschäft als eine Art willkommener Nebeneinkunft gesehen. „Wir betreiben den Verkauf nicht aktiv, das ist für die SSB kein neues Geschäftsfeld“, sagt Eberhardt Kurtz, der Leiter der Fahrgastinformation bei der SSB. Dass dennoch regelmäßig Anfragen kämen, hätte vor allem zwei Gründe: „Zum einen ist es Werbung für die Firmen, zum anderen hilft es deren Kunden, sich zu orientieren.“

Nicht jedes Unternehmen komme als Partner in Frage. „Uns ist wichtig, dass der Hinweis auf die Firma auch einen Nutzen für die Allgemeinheit hat.“ Wichtige Kriterien bei der Entscheidung, ob sich eine Firma als Namensgeber eigne, seien die örtliche Nähe zur Haltestelle, ihre Bekanntheit sowie starker Publikumsverkehr. „Durch die Nennung sollen schließlich auch unsere Fahrgäste besser informiert werden.“

Diese Auswahlkriterien sind nicht die einzige Hürde. Man muss es sich auch leisten wollen; immerhin kostet diese Art der Werbung bis zu 30 000 Euro pro Jahr. Stadtbahnhaltestellen sind für 10 000 bis 30 000 Euro zu haben, Bushaltestellen gibt es für 3000 bis 8000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Beschilderung, Druck und Montage. Die Höhe des Wertes richte sich nach Lage und Fahrgastzahlen der Haltestelle.

„Öffentliche Einrichtungen erhalten einen Sondertarif“

Ein SSB-Katalog listet auf, welcher Stopp wie viel Geld kostet. „Öffentliche Einrichtungen wie zum Beispiel das Krankenhaus Bad Cannstatt erhalten einen Sondertarif“, sagt Kurtz. Wenn – wie im Fall des Marienhospitals – sich der Bezirksbeirat für einen Namenszusatz zum Erwin-Schoettle-Platz einsetzt, muss ausgehandelt werden, wer die Kosten übernimmt. Abgeschlossen werden die Verträge in der Regel mit einer Laufzeit von fünf Jahren, mit Option auf Verlängerung. Es gibt jedoch Ausnahmen: Der Vertrag über die Haltestelle „EnBW City“ läuft über 25 Jahre.

Da die Benennung von Haltestellen nach Firmen den Regeln für Haltestellenbezeichnungen widerspricht, hat die SSB das Konzept der werblichen Namensergänzung entwickelt. Haltestellennamen orientieren sich üblicherweise an Straßen-, Orts- oder Gewannnamen oder anderen geografischen Bezeichnungen, erklärt Kurtz: „Die ändern sich nicht so schnell, wie das bei Firmen der Fall sein kann.“ Historisch bedingt gebe es zwar nach wie vor reine Firmenbezeichnungen wie Porsche oder Eszet, aber das seien Ausnahmen. „Neuerdings achten wir darauf, dass Haltestellen zunächst einen neutralen Namen bekommen und die Firma nur noch als Ergänzung auftaucht.“

Doch selbst wenn das Geld vorhanden, der Standort geeignet und die Kundenfrequenz gegeben ist, kann es vorkommen, dass SSB und Unternehmen nicht ins Geschäft kommen. Etwa wenn es um die „Deutsche Rentenversicherung Bund“ im Stadtteil Freiberg geht. Deren Name war schlichtweg zu lang. „Es gab auch keine passende Abkürzung, so haben wir uns einvernehmlich geeinigt, den Namen Himmelsleiter zu verwenden“, sagt Kurtz. „So hieß die Haltestelle schon vor dem Bau der früheren Landesversicherungsanstalt.“

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