Staatsrätin Erler in der Kritik Eigenwerbung mit Züfles Tod

Von  

Den Tod von Polizeipräsident Züfle hat Gisela Erler zum Eigenlob für die Regierung genutzt. Nach einer Protestwelle im Internet entschuldigte sich die Staatsrätin.

Massive Kritik hat Gisela Erler  für  einen Facebook-Eintrag geerntet. Foto: dpa
Massive Kritik hat Gisela Erler für einen Facebook-Eintrag geerntet. Foto: dpa

Stuttgart - Die Staatsrätin der Landesregierung für Bürgerbeteiligung, Gisela Erler (Grüne), hat mit einem Facebook-Eintrag zum Tod des Stuttgarter Polizeipräsidenten Thomas Züfle einen Proteststurm ausgelöst. In mehr als 160 Internetreaktionen wurde ihr vorgeworfen, den Unfall Züfles in dem Posting vom Montagabend für parteipolitische Zwecke auszuschlachten. Am Dienstagnachmittag entschuldigte sich Erler daraufhin „sehr und ausdrücklich“ dafür, dass ihre Äußerungen völlig missverstanden würden.

Unter der Überschrift „Das Bürgergesicht der Polizei“ hatte Erler geschrieben, angesichts der brutalen Polizeiübergriffe in der Türkei mache „der tragische Tod des Stuttgarter Polizeipräsidenten Thomas Züfle deutlich, wie wertvoll seine Einstellung gegenüber den S-21-Gegnern für unsere Demokratie war“. Dank „Respekt und Rücksicht“ und einer Verständigung mit den Demonstranten sei die Räumung des Schlossgartens friedlich verlaufen. „Eine große historische Leistung, aber kein Zufall – unsere Regierung hat das gestützt und gefördert“, so die Staatsrätin.

Den Tod Züfles parteipolitisch ausgeschachtet?

Bei Facebook erntete Erler daraufhin einen sogenannten Shitstorm. In zahllosen Kommentaren wurde ihr Nachruf als unanständig, geschmacklos, widerlich oder gar ekelhaft verurteilt. Die Staatsrätin solle sich schämen, hieß es mehrfach, den Tod eines Menschen „für eigene PR-Zwecke auszunutzen“ und parteipolitisch daraus Kapital schlagen zu wollen. Zugleich fehle jedes Wort der Anteilnahme. Wiederholt wurde Erlers Rücktritt verlangt.

Am Nachmittag bedauerte die Vertraute von Ministerpräsident Winfried Kretschmann schließlich, dass ihr Statement „völlig anders verstanden wird, als ich es gemeint habe“. Züfles Familie versicherte sie, sie habe dessen Tod nicht „in einen falschen Zusammenhang“ stellen, sondern dessen großen Verdienst würdigen wollen. Ihr Fazit: „Es ist mir leider misslungen.“

Das Staatsministerium wollte den Vorgang auf An­frage nicht kommentieren. Kretsch­mann hatte Züfle am Mittag vor Journalisten als Polizeibeamten und Vorgesetzten „par excellence“ gelobt. Von der anrollenden Protestwelle im Internet wusste er da offenbar noch nichts.

Sonderthemen