Stadt am Fluss in Nürtingen Gastronomenpaar setzt Spatenstich fürs Hotel am Neckar

Lydia und Christer Belser feiern den Spatenstich. Foto: Ines Rudel

Im März 2026 soll Belsers Hotel am Neckar seine Pforten öffnen. Die Gastronomen Christer und Lydia Belser haben mit zahlreichen Gästen den Spatenstich begangen.

Region: Corinna Meinke (com)

Im zweiten Anlauf soll es endlich klappen. Die Rede ist vom Hotel am Nürtinger Neckarufer, für das nun an der Neckarstraße der Spatenstich erfolgt ist. Nach einem jahrelangen Hin und Her wird endlich das westliche Flussufer gegenüber der attraktiven Nürtinger Altstadt aufgewertet werden. Das Gastronomenpaar Lydia und Christer Belser gab den Startschuss für das ambitionierte Projekt, für das mit einer zweijährigen Bauzeit gerechnet wird.

 

Zwei Baugesuche hat es gebraucht, um in Zeiten hoher Bau- und Energiepreise eine finanzierbare Lösung für den Hotelneubau zu finden, auch wenn sich Belsers zur Höhe der Investition ausschweigen. Aus Kostengründen wurde auf eine Tiefgarage verzichtet. Geparkt wird künftig im Erdgeschoss. Drei Punkthäuser statt einem großen Klotz und offene Gastlichkeit statt Businesshotel von der Stange – so hatten es die Nürtingerinnen und Nürtinger den Planern bereits beim Ideenwettbewerb 2015 ins Stammbuch geschrieben.

Biergarten mit Selbstbedienung

Lauter Ideen, die Christer Belsers Planer, sein Onkel und Architekt Gunther Single aufgegriffen hat. Neben den 49 Zimmern, drei Suiten und Miniappartments soll das Hotel auch kulinarisch punkten. Das Belsers wird einen Biergarten mit Selbstbedienung haben, damit sich Ausflügler und Radler unkompliziert verköstigen können sowie ein Restaurant mit Terrasse – alles mit Blick zum Neckar und dem Neckarpark. Und das I-Tüpfelchen könnte die Skybar auf dem Hoteldach werden, berichtet die Bankkauffrau Lydia Belser, die kurz vor dem Abschluss ihres Hotelmanagementstudiums steht, das sie eigens für ihre gemeinsame neue Lebensaufgabe aufgenommen hat.

Ein Herzensprojekt nennen die beiden Gastronomen ihr Vorhaben, in das sie jahrelange Planungen gesteckt haben. Anders als im Stammhaus Belsers Restaurant und Brasserie an der Nürtinger Brunnsteige am Marktplatz, möchte der 37-jährige Gastronom in dem künftigen Lokal Schwäbische Hausmannskost anbieten, denn Fine dining und Biergarten in enger Nachbarschaft wären eher schwierig, wie Belser erklärt. Um beides zu vereinen, möchte der Gastronom künftig einen Gourmetaufenthalt anbieten, bei dem seine Hotelgäste für ein besonderes Essen ins Belsers am Marktplatz flanieren könnten – für einen kulinarischen Brückenschlag sozusagen.

Duschen im Bambuswäldchen

Ergänzend soll es im Hotel mehrere Tagungsräume und einen Wellnessbereich samt Sauna und Outdoorduschen im Bambuswäldchen geben, ein Mini-Bali-Spa in Nürtingen, wie das Paar lächelnd erklärt. Und damit in Richtung Neckar möglichst viel Platz für Außenbereich und Park bleiben, soll das Hotel nahe an die Neckarstraße heranrücken. Der Architekt Gunther Single erläuterte beim Spatenstich die ökologische Ausrichtung des Bauwerks, das als Hybrid Betonskelettbau, hochgedämmte Holzständerwände und eine Fassade aus Holz vereinen wird und einen KfW-40-Standard anstrebt. Ein begrüntes Dach mit einer Photovoltaikanlage, Grauwasser aus der Zisterne für die Toilettenspülung, eine Heizung mit Wärmepumpe, die die Energie für die 4500 Quadratmeter Nutzfläche aus dem Neckar holt, gehören ebenfalls zum nachhaltigen Profil des künftigen Hotels. Und bevor der von Töpfermeisterin Ute Belser, der Mutter des Bauherrn, gestaltete Grundstein enthüllt wurde, erwies der Architekt dem Bauherrenpaar seinen Respekt vor ihrem Mut zum Projekt und wünschte ihnen eine Baukonjunktur mit fallenden Preisen.

Christer Belser bedankte sich in seiner Rede bei allen Beteiligten, vor allem aber bei der Bürgerinitiative und dem Gemeinderat, die das zunächst vorgesehene Businesshotel damals verhindern konnten. Und während bei dem Baustellenfest die Sektkorken knallten und das Bier in Strömen floss, ging, angeregt auch von der Rückschau des Bauherrn manchem noch einmal die Vorgeschichte zum Hotel am Neckar durch den Kopf. Und die hat es in sich.

Vom geballten Bürgerprotest gegen einen großen Klotz am Fluss, den ein vom damaligen Oberbürgermeister Otmar Heirich hofierter auswärtiger Investor plante, bis zu den angeblich in einer Rathausschublade vergessenen Plänen, die Christer Belser schon vor Jahren eingereicht hatte, bietet sie Stoff für ein abendfüllendes Drama. Allerdings eines mit Happy End.

Doch der Reihe nach: Ab 2011 galt Heirich nach einer für ihn desaströs verlaufenen Wiederwahl als angezählt. Immerhin benötigte er trotz mangelnder ernsthafter Herausforderer damals einen zweiten Wahlgang, was bundesweit für Schlagzeilen sorgte. 2019 verzichtete Heirich auf eine erneute Kandidatur. Sein Amtsnachfolger Johannes Fridrich machte das Hotelthema zur Chefsache und erkannte den Charme der wiederentdeckten Hotelpläne des Gastronomen Belser – die aus besagter Schublade. Und er konnte Belser überzeugen, ein zwischenzeitlich in Wendlingen geplantes Hotelprojekt zugunsten Nürtingens fallen zu lassen.

Vielfältiges Leben am Fluss

Profil
 Die Stadt Nürtingen möchte ihre Lage am Neckar stärker in den Fokus nehmen. Dazu wurde zunächst am Ostufer die Flaniermeile Stadtbalkon eingerichtet. Nach einer Testphase wurde die dafür notwendige Sperrung der Alleenstraße vom Gemeinderat als dauerhafte Regelung eingeführt. Seither hat sich der Stadtbalkon mit Hilfe der ansässigen Gastronomen zu einer Genuss- und Verweilmeile entwickelt.

Grünfläche
 Nun soll auch die Aufenthaltsqualität am Westufer weiter gesteigert werden, wo auch der Neckartalradweg verläuft. Zurückliegende Bürgerbeteiligungen haben ergeben, dass sich die Nürtinger an dem Flussufer vor allem einen Biergarten und einen Park wünschen. Beim Spatenstich zum geplanten Belsers Hotel erklärte Oberbürgermeister Johannes Fridrich, die Stadt plane neben dem Hotel einen Wasserspielplatz und viel Grün. Synergieeffekte verspricht man sich auch von der Nachbarschaft zur Freien Kunstakademie.

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