Vaihingen an der Enz bewirbt sich Wird der Maientag immaterielles Kulturerbe?
Die Stadt Vaihingen an der Enz bewirbt sich gemeinsam mit drei weiteren Kommunen im Land bei der Unesco. Das traditionelle Fest soll damit gewürdigt werden.
Die Stadt Vaihingen an der Enz bewirbt sich gemeinsam mit drei weiteren Kommunen im Land bei der Unesco. Das traditionelle Fest soll damit gewürdigt werden.
Die Stadt Vaihingen an der Enz bewirbt sich mit Göppingen, Nürtingen und Owen mit ihren Maientagen gemeinsam für das bundesweite Verzeichnis des „Immateriellen Kulturerbes“ der Unesco. Das teilten die vier Kommunen am Dienstag mit. Die vier Oberbürgermeister und Bürgermeister unterzeichneten nun die Bewerbung. Mit ihr soll überregional Aufmerksamkeit auf einen bedeutenden Teil der Geschichte aller vier Städte gerichtet werden, denn mit der Tradition der Maientags-Feierlichkeiten werden seit Jahrhunderten der gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert, Identität gestiftet und Menschen zusammengebracht.
Nürtingens OB Johannes Fridrich hatte die Initiative bei seiner letzten Maientagsrede angekündigt: „Ich freue mich, dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen, um unsere jahrhundertealten Traditionen als immaterielles Unesco-Kulturerbe zu verankern. Diese Heimat- und Schulfeste, die in unseren Städten als ‚Nationalfeiertag’ begangen werden, sind weltweit einzigartig und gehören gewürdigt.“ Besonders an den Maientagen sei, ergänzt Göppingens OB Alex Maier, „dass sie nichts von ihrer Aktualität verloren haben, indem sie Sinnbild für Frieden, Hoffnung und Gemeinschaft sind“.
Der Begriff „Maientag“ hat nichts mit dem gleichnamigen Monat zu tun, sondern leitet sich ab von den „Maien“, den grünen Zweigen oder Rutenbüscheln, die bei den Umzügen mitgeführt wurden. Maientage fanden, wie die Kommunen mitteilen, im Frühjahr oder Sommer statt und bildeten den Abschluss von Schulvisitationen. Die Ursprünge liegen wohl im 15. Jahrhundert. Die Umzüge hatten einst den Charakter von Schülerprozessionen zur Kirche oder zum Festplatz. Als Anerkennung für ihre Aufsicht erhielten die Lehrer oft eine Sonderzahlung, das Maiengeld oder den Rutenpfennig.
In verschiedenen Regionen wurden an den Maientagen spezielle lokale Traditionen gepflegt, wie die Wahl eines Maienkönigs, das Aufsagen von Maiensprüchen oder Wettbewerben wie dem Maienlauf. Die Maientage in Göppingen, Nürtingen, Owen und Vaihingen/Enz sind traditionell ein Kinder- und Schulfest. Da sie sich jedoch zu Volksfesten entwickelt haben, ziehen sie heute viele Besucher aus der Region an – in Vaihingen/Enz beim Umzug bis zu 20 000 Menschen.
Die Ausgestaltung ist vielfältig: In Owen findet der Maientag eintägig im traditionellen Rahmen statt. In Göppingen, Nürtingen und Vaihingen/Enz erstrecken sich die Maientage über ein verlängertes Wochenende – samt Rummelplatz mit Schaustellerbetrieben und Events bis hin zum Feuerwerk.
In allen vier Städten wird der Maientag frühmorgens musikalisch angekündigt. Die Stadtoberhäupter eröffnen das Fest. In Vaihingen/Enz erfolgt das nach dem Trinken aus dem Löwenpokal. Der Höhepunkt in allen Städten ist der Festumzug, bei dem kostümierte Schulklassen und andere Gruppen mit musikalischer Begleitung zu den Festplätzen ziehen, auf die sich am Nachmittag das Geschehen verlagert. Vaihingen/Enz schließt den Kern-Maientag mit einer Abschlussfeier auf dem Marktplatz ab, nachdem die Teilnehmer in die Stadt zurückgekehrt sind. Auch die Tradition, Schüler zu beschenken, wird bis heute in allen vier Städten beibehalten.
Traditionen
Das immaterielle Kulturerbe umfasst laut Unesco „Bräuche, Traditionen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten“, die von „Gemeinschaften, Gruppen und auch Einzelpersonen“ als integrale Teile ihres kulturellen Erbes betrachtet werden.
Aufnahme
Für eine Aufnahme ins Bundesweite Verzeichnis müssen Kriterien erfüllt werden, die das Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes festlegt: „Dazu gehören eine nachweisbare Lebendigkeit sowie die kreative Weitergabe und Weiterentwicklung der Kulturform durch die Trägergemeinschaften.“ Das Verzeichnis zeigt exemplarisch, welche Traditionen und Ausdrucksformen in Deutschland praktiziert und weitergegeben werden und beinhaltet 144 Einträge.