Stadtbahn unter Denkmalschutz Drei junge Denkmäler im SSB-Netz

Mit gleich zwei Bahnsteigen rechts und links hat die Haltestelle Pragsattel ein ungewöhnliches Design. Foto: dpa/Marijan Murat

Rund dreißig Jahre jung – und schon historisch. Die Stadtbahnhaltestellen Pragsattel, Rastatter Straße und Waldau sind vom Landesdenkmalamt als kulturell wertvoll deklariert worden. Was das Leben für die SSB nicht leichter macht.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Eigentlich wirken alle drei Stationen noch wie neu. Doch die aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammenden Stuttgarter Stadtbahn-Haltestellen Pragsattel, Rastatter Straße und Waldau haben jetzt etwas geschafft, was man gemeinhin mit viel älteren Bauwerken verbindet. Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat sie als Kulturdenkmale ausgewiesen. Sie veranschaulichten, so sagt das Regierungspräsidium Stuttgart in seiner Pressemitteilung, die große Bandbreite des Planens und Bauens vor rund drei Jahrzehnten.

 

„Die jungen Kulturdenkmale zeigen auch im überregionalen Vergleich den hohen Gestaltungswillen der späten 1990er Jahre in der Entwicklung der öffentlichen Nahverkehrsnetze“, sagt Landeskonservator Martin Hahn vom Denkmalamt. Die Haltestellen wurden im Zuge der Umstellung des Straßenbahnnetzes auf Stadtbahnbetrieb errichtet. Dabei wurde der Betrieb auch von der Meterspur auf die bei der Eisenbahn übliche, sogenannte Normalspurweite von 1435 mm umgestellt. Und dies hatte einige Bauarbeiten auf den Strecken zufolge.

Landschaftlich eingebunden am Pragsattel

Die Haltestelle Pragsattel, an der heute die Linien U 6, U 7, U 13, U 15 und U 16 verkehren, wurde 1990 im Vorfeld der Internationalen Gartenschau 1993 neu errichtet. Verantwortlich zeichneten die Architekten Fiedler, Frenkel und Stanger zusammen mit dem Gartenarchitekten Miller. Die Haltestelle steht in engem Zusammenhang mit den Gartengestaltungen des Grünen U. Eine mächtige, natursteinverkleidete Stützmauer absorbiert den Lärm der nahen Bundesstraße. In Blickrichtung der Parkanlagen ist die tief liegende Haltestelle zwischen zwei Tunneln dagegen offen und mit viel Grün angebunden.

Eine Besonderheit der Haltestelle ist der Doppelausstieg mit Seiten- und Mittelbahnsteig. Die ist auch der Funktion als Umsteigehaltestelle mit zahlreichen Linien geschuldet. Die Haltestelle setzt mit dem Materialmix von Naturstein und bunt gefassten Stahl-Glas-Konstruktionen eine zeittypische Gestaltungssprache fort, wie sie zum Beispiel auch bei der Neuen Staatsgalerie 1984 eingesetzt wurde.

Postmodern an der Rastatter Straße

Die Haltestelle Rastatter Straße an der Linien U 6 und U 16 entstand am Rande von Weilimdorf 1992 nach Plänen des Stuttgarter Architekten Jürgen Zeeb. Die Station mit ihrer fröhlich-markanten Gestaltung – im Volksmund auch als „Legoland“ bezeichnet – zeigt ebenfalls deutlich postmoderne Züge.

Die Ausführung der Wandflächen in eingefärbtem Beton und die der Fußböden durch farblich leicht wechselnde Beläge steht in auffälligem Kontrast zu den Stahlgestängen in Blau und Gelb. Der postmoderne Aspekt zeigt sich in der detailverliebten Gestaltung. Vor allem die Reihe der begleitenden Stahltürmchen ist ein auffälliges Detail.

Sportlich auf der Waldau

Der 1998 eingeweihte Stadtbahnhalt Waldau, an dem die Linien U 7 und U 8 halten, ist typisch für die im SSB-Netz zwischen zwei Tunnelstrecken angewandte, offene Bauform. Verantwortlich waren für die Haltestelle Unold Diplomingenieure und Architekten aus Stuttgart. Die Überdachung stammt aus der Hand des Ingenieurbüros Schlaich, Bergermann und Partner, ebenfalls aus Stuttgart.

An die Überdachung von Stadionbauten erinnernd, greift die Architektur das Motiv Sport bildlich auf. Durch die an den Wandflächen angebrachten großformatigen Grafiken mit Sportdarstellungen des Stuttgarter Künstlers Siegfried Groß wird dieses zusätzlich betont. Hellblaues, präzise durchgestaltetes Mobiliar und Leuchten setzen farbige Akzente.

SSB sehen ihre Verpflichtung

In ihrer Reaktion betonen die Stuttgarter Straßenbahnen, dass neben der Ehre die Entscheidung auch eine Herausforderung und Verpflichtung bedeute. Denn die Tatsache, dass die Haltestellen nun Denkmale sind, wird künftig bei baulichen Veränderungen mehr Koordination mit den Denkmalpflegern fordern – etwa, wenn es um Barrierefreiheit oder Sicherheit geht.

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