Stadtbrandmeister aus Fellbach Einsatz und Humor zeichnen ihn aus

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Der ehemalige Stadtbrandmeister Richard Seeger, der 20 Jahre lang die Freiwillige Feuerwehr geleitet hat, feiert an diesem Donnerstag bei guter Gesundheit seinen 90. Geburtstag – mit Familie, Freunden und auch einigen Kameraden.

Richard Seeger kann es selbst kaum glauben, dass er nun 90 Jahre alt ist. Foto: Eva Herschmann
Richard Seeger kann es selbst kaum glauben, dass er nun 90 Jahre alt ist. Foto: Eva Herschmann

Fellbach - Richard Seeger lebt in seiner eigenen Wohnung – mit Familienanschluss: Seine älteste Tochter Silke wohnt im gleichen Haus. Noch immer fährt der ehemalige Fellbacher Stadtbrandmeister kleine Strecken mit dem Auto. „Ich denke immer, ich werde 80 Jahre, aber es sind tatsächlich schon 90“, erzählt Richard Seeger, der an diesem Donnerstag seinen runden Geburtstag feiert, mit einem spitzbübischen Grinsen. Und er ergänzt: „Es ist wichtig, dass man auch im Alter seinen Humor nicht verliert.“

Richard Seeger in seinem Element als Auktionator einer Fundsachen-Versteigerung im Rathaus-Innenhof Foto: Sigerist

20 Jahre lang – von 1973 bis 1993 – war Richard Seeger Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Fellbach. „Danach hat mein Sohn Rainer 25 Jahre dieses Amt inne gehabt. 45 Jahre Seeger bei der Feuerwehr sind eine ganz schön lange Zeit“, sagt Richard Seeger nicht ohne Stolz. In seiner Amtszeit hat er die Sportabteilung der Feuerwehr wiederbelebt. „Wir hatten 1960 zwei Großbrände in einem Jahr, und als die Kameraden danach alle über Muskelkater geklagt haben, dachte ich, wir müssen was tun“, erzählt Richard Seeger, der selbst leidenschaftlich Handball gespielt hat und sein Talent weitergegeben hat – etwa an seine jüngste Tochter Claudia, die in der Handball-Bundesliga spielte, oder an seinen Enkel Andreas Blodig, den Spielertrainer beim SV Fellbach in der Baden-Württemberg-Oberliga. Neun Enkel hat er zudem und hofft, dass er auch mal einen Urenkel in seinen Armen wiegen kann.

Richard Seeger kam am 23. Januar 1930 in Stuttgart-Berg zur Welt

Ein langes Leben bringt Schicksalsschläge mit sich. Seine Frau Sieglinde starb vor 18 Jahren an Krebs, auch seine zweitjüngste Tochter Nicole verlor er an die heimtückische Krankheit. Doch das Leben hat Richard Seeger nicht zermürbt. Gerne erinnert er sich an seine Kindheit in Fellbach zurück, in der er mit seinen Freunden ungestört vom Autoverkehr auf der ehemaligen Schulstraße, die heute Gerhart-Hauptmann-Straße heißt, kicken konnte. Richard Seeger kam am 23. Januar 1930 in Stuttgart-Berg zur Welt. Seine Eltern waren echte Fellbächer und betrieben einen Lebensmittelladen. Der Sohn machte mit 17 Jahren eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und übernahm 1963 das elterliche Geschäft. 24 Jahre lang war er sein eigener Chef, doch das Sterben der Tante-Emma-Läden machte dann auch vor Feinkost Seeger in Fellbach nicht Halt.

Richard Seeger mit Kreisbrandmeister Karl „Florian“ Idler Foto: Archiv FZ

Richard Seeger erinnerte sich daran, dass ihm der frühere Oberbürgermeister Guntram Palm bei seinem Amtsantritt als Feuerwehrkommandant versprochen hatte, er könne jederzeit bei der Stadt anfangen, falls er sein Geschäft aufgeben wolle oder müsse. Palms Amtsnachfolger Friedrich-Wilhelm Kiel hielt das Wort seines Vorgängers. Am 1. April 1987 begann Richard Seeger beim Amt für öffentliche Ordnung. Sein Aufgabengebiet umfasste die Haushaltsplanung und die Belange der Feuerwehr. „Aber ich war eigentlich Mädchen für alles, habe auch Autos abgeschleppt und Räder versteigert.“ Als Chef der Brandlöscher hatte er den ersten Parkplatz, weil er im Notfall schnell weg musste. „Mein Motto bei Bränden war immer: sofort rein.“

Sein ehrenamtlicher Einsatz für Mitbürger lässt ihn zufrieden zurückblicken

Die jetzige Oberbürgermeisterin Gabriele Zull hat sich für Donnerstag zum Gratulieren angekündigt. Wie viele Gäste, vor allem aus den Reihen der Feuerwehrkameraden, auch im Lauf des Tages zum 90. Geburtstag vorbeischauen, kann Richard Seeger nicht sagen. „Ich habe auf alle Fälle ausreichend Sekt kalt gestellt“, sagt der rüstige Senior mit einem Augenzwinkern. Einer wird fehlen: Gerhard Aldinger, sein alter Freund, der vor zwei Jahren starb. „Wir sind im Abstand von zwei Tagen im gleichen Krankenhaus zur Welt gekommen, und über ihn bin ich mit 23 Jahren zur Feuerwehr gekommen“, erzählt Richard Seeger dankbar.

Richard Seeger mit dem damaligen OB Friedrich-Wilhelm Kiel und seinem Sohn Rainer Seeger im Schwabenlandhallen-Park. Foto: Archiv FZ

Sein ehrenamtlicher Einsatz für Mitbürger lässt ihn zufrieden zurückblicken. Und die Kameradschaft hält bis heute an, noch immer ist er Mitglied der Alterswehr. Beim jüngsten Treffen der alten Truppe am Mittwoch hat er allerdings gepasst. „Wenn ich um 22 Uhr gehe, dann heißt es, der ist knickrig und will keinen ausgeben. Aber zwei Tage am Stück feiern ist zu anstrengend. Ich bin ja schließlich nicht mehr der Jüngste.“