Stadtentwicklung in Heslach Aldi soll die Menschen ins Quartier locken

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Jugendhaus Heslach, ein Wohnpark mit Aldi-Filiale und größere Umbauten bei Stuttgarter Hofbräu: An der Böblinger Straße verändert sich in den kommenden Jahren baulich einiges. Bei einem Aussprachabend hatten Bürger die Möglichkeit, ihre Fragen und Wünsche, aber auch Kritik loszuwerden.

Beide Objekte sollen die Böblinger Straße erheblich aufwerten: Der Wohnpark von Aldi (oben) ebenso wie das neue Jugendhaus. Foto: eberle und gommel,  Steinbrink und Krumpe
Beide Objekte sollen die Böblinger Straße erheblich aufwerten: Der Wohnpark von Aldi (oben) ebenso wie das neue Jugendhaus. Foto: eberle und gommel, Steinbrink und Krumpe

S-Süd - Sterbender Einzelhandel, ein maroderes Jugendhaus und eine „architektonisch nicht gerade ansprechende“ ehemalige Schlecker-Filiale – das ist derzeitige Zustand an der Böblinger Straße, so die Bilanz von Rainer Dörr vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Chancen und Potenziale für die Straße ab Erwin-Schoettle-Platz stadtauswärts sieht der für den Stadtbezirk Süd zuständige Planer in den anstehenden Projekten durchaus. Das sagte er bei einem Ausspracheabend für Anwohner und Bürger im Alten Feuerwehrhaus in der vergangenen Woche.

Vertreter von Aldi, von der Stadtverwaltung, vom Eigenbetrieb Leben und Wohnen sowie von der Jugendhausgesellschaft und dem Bezirksbeirat stellten den rund 150 Anwesenden die künftigen Planungen vor. Neben dem Jugendhausneubau mit integrierter Stadtteilbücherei an der Hausnummer 92 plant die Firma Aldi auf dem Grundstück mit der Nummer 104, wo sich bisher die leer stehende Schleckerfiliale befindet, einen Wohnpark mit Ladeneinheit. Im Erdgeschoss will der Discounter selbst auf rund 1200 Quadratmeter einziehen. „Wir setzen auf diese Ansiedlung“, sagte Dieter Rentschler von der städtischen Wirtschaftsförderung .

Aldi soll mehr Gewerbe und Gastronomie ins Viertel locken

Rentschler hofft, dass Aldi mehr Frequenz in das Viertel bringt. Ohne einen solchen „Anker“ siedle sich auch künftig wohl kaum Einzelhandel dort an. Schwierig sei es geworden, Mieter und Nutzer für Ladeneinheiten zu finden. „Die wachsen längst nicht mehr auf Bäumen. Man muss sie mühevoll überzeugen“, so Rentschler.

Eine positive Ausstrahlung auf das Umfeld vermutet auch Lars Podehl, Leiter Filialentwicklung bei Aldi Süd. Im Fahrwasser des Discounters habe es sich schon häufig gezeigt, dass sich Gewerbe und Gastronomie wieder vermehrt ansiedelten. „Das könnte wirklich eine Initialzündung für die Böblinger Straße werden“, so seine Prognose. Die Firma Aldi hat das Areal von der Brauerei Stuttgarter Hofbräu aufgekauft. Die will ihren Verwaltungssitz auf dem Brauereigelände unterbringen. Bis Ende 2017 hat das Unternehmen Stinag noch einen Mietvertrag für die Böblinger Straße 104. Podehl rechnet deshalb mit einem Baubeginn im Frühjahr 2018, fertig will man Ende 2019 sein.

Da auch die Jugendhausgesellschaft nebenan ein neues Gebäude plant, läuft derzeit bei der Stadt ein Verfahren zur Änderung des aktuell geltenden Bebauungsplans, welcher dann beide Grundstücke betreffen würde. Durch die anstehende Änderung gilt für Aldi das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM), wonach 20 Prozent geförderte Wohnungen sein müssen. Voraussichtlich werden dies zwei Mietwohnungen sein. Bei den 49 Eigentumswohnungen werden zwei günstiger sein, so der Vertreter von Aldi, Lars Podehl.

Vor allem zur Struktur der Wohnungen, Größe und vor allem den Preisen gab es einige Nachfragen aus der Bürgerschaft. Laut Podehl werden die Wohnungen durchschnittlich 77 Quadratmeter haben. „Es wird viele kleine und einige wenige größere geben“, kündigte er an. Zum Preisniveau könne er zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage machen. Allerdings – das vor Ort herrschende Preisniveau wird sich definitiv nicht halten lassen. Diesen Verdacht haben auch einige Anwohner und Stadträte: Sie befürchten eine drohende Gentrifizierung in Heslach.

Mehr Sozialwohnungen waren gewünscht

Der Bezirksbeirat Süd hatte sich zumindest gewünscht, dass Aldi mehr als die geforderten Sozialwohnungen anbietet. Als Kompromiss ist der Discounter derzeit im Gespräch mit dem Eigenbetrieb Leben und Wohnen, welcher unter anderem das Pflegezentrum im Generationenhaus Heslach betreibt. Dort hat man derzeit schon Wartelisten sowohl im Bereich Junge Pflege wie auch bei den Senioren. Die 80 vorhandenen Plätze reichen nicht aus. Weitere Kapazitäten in dem geplanten Neubau wären für das Pflegezentrum daher ideal.

Aldi wiederum strebt definitiv kein Mietwohnmodell auf diesem Areal an. Den Großteil der Wohnungen möchte das Unternehmen verkaufen. Die Begründung: „Was wir gut können, sind Lebensmittel“, sagte Podehl, „um einen großen Mietwohnbestand können wir uns nicht kümmern.“

Ein Haus für alle Bürger, nicht nur für Jugendliche

Nebenan ist die Planungsphase nun fast abgeschlossen. Die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft will voraussichtlich gegen Ende 2016 mit dem Bau des neuen Jugendhauses und der integrierten Stadtteilbücherei beginnen. Sieghard Kelle rechnet mit einer Bauzeit von circa eineinhalb Jahren, während der die Jugendlichen ein Interimsquartier erhalten. Gemeinsam mit dem Generationenhaus Heslach soll auf dem Areal quasi eine neue soziale Mitte für Heslach entstehen. „Es soll ein Haus für alle Bürger sein, nicht nur für die Jugendlichen “, betonte der Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft.

Sein Areal „aufräumen“ will laut Geschäftsführer Franz Schropp auch Stuttgarter Hofbräu. Der Betrieb sei über Jahrzehnte gewachsen, vieles sei nun aber nicht mehr zeitgemäß oder praktikabel. Angelegt seien die baulichen Maßnahmen auf die nächsten zehn Jahre.

Der Bezirksbeirat Süd wünscht sich im Zuge der Umbaumaßnahmen eine Brauereigaststätte, vielleicht auch nur einen kleinen Ausschank, um die Ecke auch gastronomisch mehr zu beleben. Diesen Wunsch wolle man prüfen, sagte Schropp. Den geplanten Abriss der alten Polizeiwache sieht das Gremium zudem kritisch.

Die meisten Fragen der Bürger konzentrierten sich auf die Bauvorhaben im Detail sowie eventuelle dadurch entstehende Einschnitte für die Anwohner. Stadtrat Thomas Adler von der Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus – kein großer Befürworter mancher Bauvorhaben dort – ermunterte die Anwohner, sich bei Problemen an die Verwaltung oder die Stadträte zu wenden.

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