Stadtentwicklung in Leonberg Das Tor zur Altstadt – modern und mondän

Die Sonnenkreuzung bekommt mit dem Neubau der Kreissparkasse Böblingen ein urbanes Erscheinungsbild. Foto: Simon Granville

Nach vielen Diskussionen baut die Kreissparkasse Böblingen eine neue Direktion und 71 Wohnungen in der Leonberger Grabenstraße. Jetzt wurde Richtfest gefeiert.

Wer aus Richtung Ditzingen über die Feuerbacher Straße nach Leonberg kommt, dem offenbart sich an der Sonnenkreuzung, wo der Wegweiser links nach Stuttgart zeigt, ein neues urbanes Erscheinungsbild. Mächtig erhebt sich der Rohbau der gerade entstehenden Leonberger Direktion der Kreissparkasse Böblingen in die Höhe. Steht man direkt davor, muss man den Kopf ziemlich in den Nacken legen, um an den vier Stockwerken entlang nach oben blicken zu können. Auch die vier Häuserkomplexe eines zusätzlich entstehenden Quartiers mit insgesamt 71 Wohnungen nehmen seit ein paar Monaten Form an.

 

An diesem Mittwoch hat die Kreissparkasse Böblingen zum Richtfest in das Direktionsgebäude eingeladen. Gekommen waren Gäste aus Politik und Wirtschaft. Bauherren, Architekten, Projektentwickler, Landrat Roland Bernhard, Bürgermeister, Kreisräte, Gemeinderäte, Handwerker, die das Projekt schließlich realisieren. „Aus architektonischer Sicht wird dieses Gebäude durchaus ein Highlight unserer Stadt werden“, sagte der Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. Michael Fritz, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Böblingen, betonte in seinem Grußwort den hohen Stellenwert des Leonberger Marktgebietes für die KSK: „Wir bekennen uns mit diesem Bauprojekt nicht nur zum Standort Leonberg, sondern wollen ihn stärken. In Zeiten, in denen andere abwarten oder sich zurückziehen, investieren wir.“

Wenn mal das Gerüst weg sei, sehe das nicht mehr ganz so wuchtig aus, sagt Daniel Häußler, bei der Kreissparkasse Böblingen der Projektleiter für dieses Bauvorhaben. „Zumal wir einen Kompromiss mit der Stadt geschlossen haben und mit dem Direktionsgebäude einen Meter weg von der Straße gerückt sind.“ Die fensterreiche Fassade wird aus Naturstein sein, der oberste Bereich aus Klinker. Zu einer Vorabbesichtigung des Rohbaus haben sich auch Steffen Killian, in Leonberg der Geschäftsbereichsleiter Privatkunden, sowie Miriam Höhn, die Pressesprecherin der Kreissparkasse Böblingen, angeschlossen.

78 Stellplätze für Kunden und Mitarbeitende

Es herrscht reges Treiben und mächtig Lärm rings herum. Der lange Arm eines des Krans schwenkt in alle Richtungen und transportiert schweres Material in luftige Höhe. Mit Schutzhelm und orangefarbener Schutzjacke ausgerüstet führt Häußler an Absperrungen und Baumaterial vorbei über eine provisorische Holztreppe in das künftige Beratungscenter und dem zentralen Kundenempfang im Erdgeschoss. Mehrere Säulen erinnern in diesem Bereich mit den hohen Decken eher an einen mondänen Hotelempfang. „Die Säulen haben eine stützende Funktion und waren für die Statiker eine knifflige Arbeit, denn darunter ist eine zweigeschossige Tiefgarage mit insgesamt 78 Stellplätzen für die Kunden und die Mitarbeitenden der Direktion“, erklärt Häußler.

Angrenzend an den Schalterbereich, später abgetrennt durch eine Glasfront, entsteht das S-Forum für Veranstaltungen, das früher außerhalb des 60 Jahre alten KSK-Gebäudes in einem separaten Trakt untergebracht war. „Das ist für bis zu 90 Gäste konzipiert, wir wollen uns auch künftig vernetzen, Vereine sowie Institutionen ansprechen“, sagt Steffen Killian. Im ersten Obergeschoss werden die Kunden zu ihren Beratungsgesprächen empfangen. Ein Stockwerk darüber sind um ein lichtdurchflutetes und begrüntes Atrium herum die Verwaltungsräume angesiedelt. „Wir freuen uns, wenn wir in die neuen Räume ziehen dürfen und wieder an unserem früheren Standort für die Kunden da sein werden“, sagt Steffen Killian, der mit seiner „Mannschaft“ vorübergehend in das ehemalige Gebäude der LBW-Bank auf den Marktplatz gezogen ist.

Es geht noch eine weitere Treppe hinauf ins oberste vierte Stockwerk. Die Fensterfront ringsherum bietet eine herrliche freie Aussicht über die Dächer von Leonberg, auf der anderen Seite hinauf zum Engelberg. Diese Räume wird die Kreissparkasse extern vermieten. „Der Vertrag ist bereits unterschrieben“, verrät Daniel Häußler.

Erste Priorität hat das Direktionsgebäude

In den anderen vier Bauten entstehen insgesamt 71 Wohnungen. Die Kreissparkasse Böblingen wird nicht verkaufen, sondern vermieten. 25 Prozent, so ist es im städtebaulichen Vertrag festgelegt, werden als soziale Mietwohnungen ausgewiesen. Wann genau mit der Vermarktung gestartet wird, kann Daniel Häußler noch nicht sagen. „Die erste Priorität liegt auf dem Direktionsgebäude, dann werden nach und nach die anderen Gebäude fertiggestellt.“ Läuft alles nach Plan, werden die Mitarbeitenden Anfang des Jahres 2025 umziehen können.

Das mehr als 40 Millionen Euro teure Projekt des kommunalen Kreditinstituts hatte nicht nur Befürworter. Die Debatten hatten sich rund drei Jahre hingezogen. Die Kommunalpolitik befürwortete das Vorhaben der Kreissparkasse, Wohnraum zu schaffen, war aber nicht mit allen Details einverstanden. Die Kritiker hatten sich vor einer „Häuserschlucht“ in der Grabenstraße gefürchtet. Die Sparkasse ging auf einen Kompromiss ein und verzichtete auf ein fünftes Stockwerk und schuf in Richtung Bebauung „Untere Burghalde“ mehr Abstand im obersten Geschoss. Ein Luftgutachten wegen zu hoher Luftschadstoffe wurde eingefordert, Bedenken einiger Anwohner mussten ausgeräumt werden.

Zu guter Letzt ging es noch um zwei erhaltenswerte Bäume, die ebenfalls ein Teil der langen Debatten waren. Der Spatenstich erfolgte dann im November 2022. In der Zwischenzeit steht der Rohbau der Direktion, jetzt kann der Ausbau folgen.

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