Stadtentwicklung in S-Mitte Ein Platz für Kinder und zur Luftreinhaltung

City-Managerin Bettina Fuchs und Technikbürgermeister Dirk Thürnau verlegen den letzten Stein des Platzes. Foto: Sascha Maier
City-Managerin Bettina Fuchs und Technikbürgermeister Dirk Thürnau verlegen den letzten Stein des Platzes. Foto: Sascha Maier

Die Eröffnung des neugestalteten Kronprinzplatzes heimst von verschiedenen Seiten Lob ein. Doch bis heute gibt es nicht einmal einen eigenen Wikipedia-Artikel für den ehemaligen „Flickenteppich“.

Digital Unit : Sascha Maier (sma)
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Stuttgart - Manchmal fällt ein Urteil geradezu vernichtend aus: „Der schlimmste Flickenteppich in der Stadt.“ So hat City-Managerin Bettina Fuchs den Kronprinzplatz zwischen Gymnasium- und Kienestraße noch vor einiger Zeit bezeichnet. Jetzt, etwas mehr als Jahr nach der Neugestaltung des Platzes, lächelt sie über beide Wangen: „Das Tal der Tränen liegt endlich hinter uns. Der Platz bietet jetzt eine hervorragende Aufenthaltsqualität – eine gute Grundlage für den Einzelhandel.“ Zusammen mit Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) hat Bettina Fuchs von der City Initiative Stuttgart (CIS) am Freitag den neu gestalteten Kronprinzplatz eingeweiht und die letzte Steinplatte verlegt.

Sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis haben sich auch etliche Einzelhändler um den Platz zum festlichen Akt eingefunden. Thürnaus Rede ist auf keinerlei Widerspruch gestoßen: „Wir freuen uns, den Platz heute in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.“

Nach einem kurzen historischen Exkurs, in dem Thürnau erzählte, wie der Platz 1811 zu Ehren von König Wilhelm I. errichtet wurde, der damals noch ein Prinz war, machte er vor allem auf die Modernität des 5100 Quadratmeter großen Platzes aufmerksam. „Wir haben hier drei Spielflächen für Kinder, die in enger Abstimmung mit dem Jugendamt errichtet wurden“, so der Bürgermeister stolz über das Projekt, das insgesamt 2,3 Millionen Euro gekostet hat, „wir haben alle Bäume erhalten und noch zusätzlich welche an der Büchsenstraße gepflanzt.“

Stickoxide werden neutralisiert

Und grün sind nicht nur die Bäume, sondern gewissermaßen auch die Steine. Denn die 50 auf 50 Zentimeter messenden Steinplatten, die sogenannten „Stuttgarter Platten“, sind mit sind mit Titandioxid versetzt. „Das hat eine fotokatalytische Wirkung“, sagte Thürnau. Heißt: Stickoxide werden neutralisiert.

Tatsächlich muten die Platten zumindest farblich ähnlich an wie der neu gestaltete Hospitalplatz auf der anderen Seite der S-Bahn-Unterführung – ein städtebauliches Vorzeigeprojekt. Auch der Kronprinzplatz ist jetzt hell und offen, fahrradfreundlich dank etlicher Fahrradständer und fußgängerfreundlich dank 50 neuer Sitzgelegenheiten.

Und auch Christoph Ozasek lobt den Kronprinzplatz. Der Politiker der Fraktion SÖS/Linke-plus ist der einzige Stadtrat, der zu Platzeinweihung gekommen war. „So stellen wir uns gelungene Stadtentwicklung vor“, sagte Ozasek. Die Fraktion SÖS/Linke-plus wirft SPD und Grünen im Gemeinderat aktuell Augenwischerei vor, wenn sie von einer autofreien Stadt sprechen. Eine autofreie Stadt dürfte den Einzelhändlern am Kronprinzplatz dagegen überhaupt nicht passen. Das haben zumindest der Handelsverband Baden-Württemberg und Breuninger-Chef Willy Oergel neulich deutlich gemacht.

Nicht mal einen Wikipedia-Eintrag

An diesem Vormittag scheint das aber keine Rolle zu spielen. Die Händler sind glücklich, nicht mehr von den Baustellen beeinträchtigt zu sein. Das betonte City-Managerin Bettina Fuchs, die während der Bauzeit viele Klagen aus Händlerkreisen vernommen haben will.

Wie stiefmütterlich der Kronprinzplatz vor seiner Sanierung behandelt worden war, zeigt eine einfache Google-Suche: Der Platz hat bislang nicht mal einen eigenen Wikipedia-Eintrag, vor wenigen Jahren war er über Online-Kartendienste wie Maps überhaupt nicht zu finden.

Das dürfte sich jetzt ändern. Auch wenn am Freitag noch nicht der ganze Platz in Betrieb genommen werden konnte: Bis die Spielflächen für Kinder nutzbar sind, vergehen noch einige Tage. „Der Bodenbelag muss noch trocknen“, so Technikbürgermeister Thürnau. Um die Klettergerüste dient der Bodenbelag nicht der Luftreinhaltung, sondern um Stürze abzufedern.




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