Stadtentwicklung Rutesheim Die Suche nach dem Bauträger beginnt
Der Rutesheimer Gemeinderat beschließt einstimmig den Bebauungsplan Bosch-Areal als Satzung. Ab Juli 2024 beginnen voraussichtlich die Arbeiten für das neue Wohnquartier.
Der Rutesheimer Gemeinderat beschließt einstimmig den Bebauungsplan Bosch-Areal als Satzung. Ab Juli 2024 beginnen voraussichtlich die Arbeiten für das neue Wohnquartier.
Läuft alles nach Plan der Rutesheimer Verwaltung, könnte im Juli 2024 auf dem ehemaligen Bosch-Areal endlich der Startschuss für die Erschließung des neuen Wohnquartiers fallen. Die Bauzeit wäre dann bis Ende des Jahres 2025 angesetzt. Viele Leitungen müssen zuvor verlegt werden wegen des vorgesehenen Wärmenetzes, für das eine neue Heizzentrale südlich von Rutesheim im Gebiet Spitzwiesen entstehen soll.
„Wir kümmern uns bereits um die Planung der Erschließung“, sagte Bürgermeisterin Susanne Widmaier in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Ist dann ein Bauträger gefunden, kann es mit der Vermarktung losgehen. Derweil haben die Gemeinderäte ihren Teil dazu beigetragen und den Bebauungsplan als Satzung einstimmig beschlossen. Damit ist er rechtskräftig.
Der Bebauungsplan wurde im beschleunigten Verfahren aufgestellt – auf eine Umweltprüfung und einen Umweltbericht konnte verzichtet werden. „Bei diesem Areal handelt es sich um eine klassische Konversionsfläche und eine Bebauung von Innenfläche“, begründete Susanne Widmaier noch einmal diese Vorgehensweise.
Auf der etwa 2,7 Hektar großen Fläche zwischen der Robert-Bosch-Straße und der Römerstraße hatte der Automobilzulieferer Bosch im Jahr 2019 den Standort geschlossen und die Gebäude abgerissen. Etwa 750 Mitarbeiter waren dort beschäftigt. Die Stadt hatte das Areal dann erworben, um ein nachhaltiges Quartier und auch geförderten Wohnraum mit alles in allem 235 Wohneinheiten zu schaffen.
Im Sommer des vergangenen Jahres hatte Manfred Mezger, der Geschäftsführer des beauftragten Planungsbüros mquadrat aus Bad Boll, den Vorentwurf des Bebauungsplans vorgelegt, den die Gemeinderäte einstimmig bewilligten. Zuletzt folgte die Beteiligung der Öffentlichkeit, Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange. Ein Kritikpunkt von Bürgern aus der Nachbarschaft war beispielsweise die dichte Bebauung sowie die Anzahl der Geschosse und eine daraus resultierende Verschattung. „Wir wollten bewusst eine verdichtete Bebauung haben, das Wichtigste ist, dass die Südsonne nicht beeinträchtigt ist“, argumentierte Mezger.
CDU-Fraktionsvorsitzende Christina Almert stimmte im Namen ihrer Partei dem Bebauungsplan zu. „Wir sind für Verdichtung, Einzelhäuser lassen sich schwerer vermarkten, außerdem brauchen wir bezahlbaren Wohnraum.“ Eines der größten Problem werde es in dieser Zeit sein, einen Bauträger zu finden. Auch Tommy Scheef (SPD) sieht keine Alternative zur Verdichtung. „Da kommen wir nicht drum herum.“
Für Wolfgang Diehm (Bürgerliche Wählervereinigung), ist es Zeit, endlich in die Zielgerade einzubiegen. „Wir beschäftigen uns schon fünf bis sechs Jahre mit diesem Gebiet, und wir sehen einen großen Bedarf an Wohnraum.“ Die Bedenken einzelner Bewohner, die mehr Verkehr befürchten, kann Harald Schaber (Unabhängige Bürger Rutesheim) nachvollziehen. „Allerdings waren auf dem Bosch-Areal früher 750 Leute beschäftigt, jetzt schaffen wir Wohnraum für 500 Menschen.“
Freudig gespannt, wie es mit dem Stadtquartier weitergeht, ist die Grün-Alternative Bürgerliste um ihren Fraktionsvorsitzenden Fritz Schlicher. „Wir sind froh, dass die klaffende Lücke endlich geschlossen wird, weil es eine Konversionsfläche ist, gab es ja keine schwerwiegenden Einwände.“ Richtig sei man in den innovativen Vorstellungen gelegen, beispielsweise ein eigenes Wärmenetz aufzubauen. „Davon ist mittlerweile vieles schon Standard“, so Schlicher.
Westlich des Rutesheimer Schulzentrums waren die Sportflächen auf der Grundlage des Bebauungsplans „Spitzwiesen“ vom Mai 1992 errichtet worden. Im Südosten dieses Bebauungsplans wird bislang ein Teil als Landwirtschaftsfläche genutzt – ursprünglich vorgesehen war dort eine Nutzung für den Sport. Dort will die Stadt nun besagte Heizzentrale Süd bauen. Und weil der bisherige Bebauungsplan „Spitzwiesen“ ein solches Projekt nicht vorsieht, will die Stadt den Bebauungsplan dementsprechend ändern.
Anfangs der Planungen war das Projekt Wärmeversorgung nur für das Bosch-Areal und das Schulzentrum vorgesehen. Jetzt soll das Wärmenetz kontinuierlich in Richtung Stadtmitte erweitert werden. Hierfür wird ein größerer Wärmespeicher erforderlich sein. Auch dieser Veränderung stimmten die Gemeinderäte einstimmig zu – ohne noch in Details zu gehen.