Stadtentwicklung trotz Finanzengpass Remseck hat wenig Geld – investiert aber trotzdem

In Remseck könnte in absehbarer Zeit nicht nur die U12 halten. Foto: Archiv (SDMG//Kohls)

Die finanzielle Lage in Remseck ist angespannt. Dennoch will die Stadt viel in Schulen, Baugebiete und verkehrliche Verbesserungen investieren – und sieht sich vor einer verheißungsvollen Zukunft.

Ein wenig hängt Remseck noch der Ruf nach, sich zwar Große Kreisstadt nennen zu dürfen, im Grunde aber ein großes Dorf zu sein, einst künstlich zusammengestückelt aus fünf Ortsteilen. Wenn es nach dem Oberbürgermeister Dirk Schönberger geht, schüttelt die Kommune diesen eher uncharmanten Leumund allerdings bald ab. „Wir sind in einer Veränderungsphase“, betont er. Mit dem geplanten Bau der Westrandbrücke als Umgehungsstraße, die den Weg für die Realisierung einer richtigen Stadtmitte mit zwei weiteren Quartieren ebne, und der anvisierten Stadtbahn von Ludwigsburg über Remseck nach Waiblingen „sieht die Welt ganz anders aus. Dann kann man wirklich sagen: Jetzt sind wir ein Große Kreisstadt in der Vollendung.“

 

Rückzahlung bei der Gewerbesteuer

Das Problem ist, dass dieser Transformationsprozess eine Menge Geld kostet. Geld, das in Remseck nicht im Überfluss vorhanden ist. Das zeigt ein Blick auf einige Kennziffern des Haushalts 2024, über den der Gemeinderat in den nächsten Sitzungen diskutieren wird. Die Gewerbesteuer sprudelt zum Beispiel noch ein bisschen dürftig. Achim Heberle, Leiter des Fachbereichs Finanzen, kalkuliert derzeit mit 7,7 Millionen Euro Einnahmen. Das sei aber auch mit einer einmaligen, üppigeren Rückzahlung zu erklären. Zu schaffen machen der Stadt zudem die gestiegenen Kosten für das Personal. Schönberger konstatiert folglich, dass man sich in einem schmalen finanziellen Korsett bewege. „Die Spielräume werden enger“, sagt er.

Vor diesem Hintergrund will die Verwaltungsspitze im September mit dem Gemeinderat in Klausur gehen und überlegen, wie die Einnahmenseite verbessert werden könne. Tatsache ist, dass die Stadt nicht an der Steuerschraube drehen will. Insofern setzt man auch auf Kredite, um die vielen Projekte umzusetzen, die auf der Agenda stehen.

Neue Mensa in Aldingen

32 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren in den Bildungscampus in Aldingen investiert werden. Zwei Trakte der Gemeinschaftsschule werden abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt. Außerdem soll eine Mensa errichtet und der ganze Bildungscampus so fit für den Ganztagsbetrieb gemacht werden. Ferner wolle man den Schulhof neu gestalten, sagt Schönberger. Anrücken sollen die Abrissbagger im September.

Auf ein Datum für den Spatenstich der Westrandbrücke will sich Schönberger nicht festlegen. Wichtig sei zunächst, hieb- und stichfeste Grundlagen für das Planfeststellungsverfahren zu schaffen. Dafür werden jetzt und in den nächsten Jahren jeweils 100 000 Euro bereitgestellt. 186 000 Euro steuert die Stadt 2024 bei, um die Planungen für eine angedachte Stadtbahnverlängerung der Linie U 14 von Mühlhausen über Hornbach nach Pattonville zu forcieren. Höhere Beträge möchte die Verwaltungsspitze ferner für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum einstellen, zum Beispiel im Gebiet Wolfsbühl III in Aldingen. Rund 9  Millionen sind für Grundstückskäufe im Neubaugebiet Östlich Marbacher Straße in Neckarrems reserviert, 730 000 Euro für den gleichen Zweck im Gewerbegebiet Erlenrainweg in Aldingen, dessen Erweiterung um 3,5 Hektar angedacht ist. Für die Heranwachsenden soll der Skaterpark beim Haus der Jugend umgebaut um vor allem mit Sprungelementen ausgestattet werden.

„Wir machen verdammt viel“, resümiert Schönberger. Und ja, das koste eine Menge und man müsse umgekehrt schauen, wie der Haushalt konsolidiert werden könne. Aber es gehe um nichts weniger, als quasi eine ganze Stadt umzubauen. „Wir kommen aus fünf Dörfern und entwickeln uns zur großen, florierenden Kreisstadt“, erklärt er.

Mit Krediten flüssig bleiben

Volumen
 Das für den Haushalt 2024 anvisierte Investitionsvolumen beläuft sich auf fast 27 Millionen Euro. Das Gros entfällt auf den Erwerb von Grundstücken und Bauprojekte. Über Zuschüsse, den Verkauf von Bauplätzen und die Anfangsliquidität allein lässt sich diese Summe nicht stemmen. Die Stadt will sich eine Kreditermächtigung von 11,5 Millionen Euro sichern, womit sie auf jeden Fall bis Ende 2027 flüssig wäre.

Schulden
 Die Pro-Kopf-Verschuldung könnte sich von derzeit 372 Euro auf 778 Euro zum Ende des Jahres mehr als verdoppeln. Die Grundsteuer A soll bei einem Hebesatz von 350, die Grundsteuer B bei 480 und die Gewerbesteuer bei 385 bleiben

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