Stadtführerin Elke Evert in Marbach Schillers Mutter und die Putzfrau Sophie sagen servus

Elke Evert als Elisabetha Dorothea Schiller Foto: Werner Kuhnle)

Sie ist ein echtes Original und Urgestein: Die Marbacher Stadtführerin Elke Evert hört auf – nach 42 Jahren.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Oben, am Marbacher Torturm erzählt Elke Evert gern die Geschichte von der Bewohnerin des Turms von anno dazumal. Strom gab es schon, aber keinen Wasseranschluss. Jeden Eimer, jeden Krug musste sie die 95 Stufen hinaufschleppen. Hinunter schleppte sie nichts mehr. Völlig unbekümmert leerte sie jeden Morgen den Nachttopf schwungvoll aus dem Fenster, mittags folgte die Spühlbrüh’. Wer unten durchlief, musste aufpassen, dass er nichts davon abbekam.

 

Die, die heute unten am Marbacher Torturm stehen, und der Stadtführerin Elke Evert lauschen, lachen herzlich ob der Geschichte. Und blicken vorsichtig nach oben, ob da nicht vielleicht doch noch was kommt.

Sie wollte immer so abtreten, dass es die Leute bedauern

Elke Evert hat 42 Jahre lang Menschen durch Marbach geführt. Zig Tausende waren es in all der Zeit, denen die heute 81-Jährige die Geburtsstadt von Friedrich Schiller nahe gebracht hat. Doch jetzt ist Schluss damit. Elke Evert hat ihren Job als Stadtführerin an den Nagel gehängt. Für sie war immer klar: Sie will so abtreten, dass es die Leute bedauern und nicht sagen: „Gott sei dank!“ Und: Sie wollte den Zeitpunkt selbst bestimmen. Das hat sie nun.

Es war im Mai 1981, als Elke Evert, damals Journalistin bei der Marbacher Zeitung, eines schönen Tages einen Anruf von Hans Besch bekam. Er war der Geschäftsführende Rektor der Marbacher Schulen und außerdem Stadtführer. Ob sie ihn nicht bei den Stadtführungen etwas unterstützen könne?

„Dann hab’ ich halt angefangen“, sagt Elke Evert heute. Ihr Credo vom ersten Tag an: „Du kannst alles erzählen, aber du darfst eines nicht werden: langweilig. Das habe ich 42 Jahre lang durchgehalten.“

Wer je eine Stadtführung mit Elke Evert gemacht hat, weiß, dass das stimmt. Sie war Schillers Mutter, sie war die Putzfrau Sophie und sie hat das ganz klassische Stadtführungs-Programm beherrscht. Mit lauter Stimme und immer einer großen Prise Humor ging es wieder und wieder durch die Straßen und Gassen von Marbach – mal mit zwei Gästen, mal mit 150 und alles dazwischen.

Elke Everts Highlight passierte am 17. November 1986. An diesem denkwürdigen Tag hat ein Maurer aus Kirchberg bei Bauarbeiten den Marbacher Goldschatz entdeckt. Aus dem Maurer-Eimer leerte er die 1004 bestens erhaltenen historischen Münzen dem damaligen Bürgermeister Heinz Georg Keppler auf den Schreibtisch. Die Ärmel hochgekrempelt, griff der Schultes in den Berg aus Gold und sagte: „Ich fühl’ mich wie Dagobert Duck.“

Einmal verwechselte die Stadtführerin die Knöpfe

Oft, erzählt Elke Evert, ging es im Rahmen einer Stadtführung auch in die Alexanderkirche. Sie hatte den Schlüssel, auch für das große Licht. Ein atemberaubender Moment war es jedes Mal, wenn plötzlich die Beleuchtung hinter den Fenstern im Kirchenschiff anging. Einmal jedoch verwechselte die Stadtführerin die Knöpfe und aktivierte das ganz große Geläut der Alexanderkirche – samt Schillerglocke.

Den kostümierten Führungen stand Elke Evert anfangs übrigens kritisch gegenüber. In den 1980er Jahren „hab’ ich mich geweigert“, erzählt sie. Später, hat sie es dann halt doch gemacht. Ihre Tochter nähte das Kostüm für Schillers Mutter Elisabetha Dorothea, als die Evert oft durch Marbach führte. Später kam die Rolle der Putzfrau Sophie dazu, die durch die Gassen kehrte und zur Freude des Publikums allerlei zu erzählen wusste. Spaß sollten die Leute bei ihren Führungen haben. Und: „Den größten Spaß hatte ich.“

Schillers Mutter, sagt Elke Evert zu ihrem Abschied, muss es auch ohne sie in Zukunft bei den Stadtführungen in Marbach geben. Eine Putzfrau auch. „Aber nicht die Sophie.“

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