Stadtkind Stuttgart

Stadtkind-Kolumne Alles hat ein Ende

Von Ina Schäfer 

Mit einem lauten Knall schließt am Wochenende das Wilhelmspalais. Doch keine Zeit zum traurig sein: gleichzeitig eröffnet eine neue Bar am Marktplatz.

Bald ist Schluss im Wilhelmspalais. Davor wird natürlich gefeiert. Foto: StZ
Bald ist Schluss im Wilhelmspalais. Davor wird natürlich gefeiert. Foto: StZ

Stuttgart - Mensch, da ist man mal kurz nicht da, sondern an einem Ort, an dem Hintergrundgeräusche einzig von einem Schwarm zirpender Grillen ausgehen – und schon ist alles neu und wird alles anders. Das ist leicht übertrieben, zugegeben. Dennoch wird es am Wochenende einen nicht überhörbaren Knall geben – und schon ist die Zwischennutzung im Wilhelmspalais verpufft. Mit diesem Knall wird dessen viel zu kurze Ära am Charlottenplatz beendet. Was genau am Freitag und Samstag passieren wird, soll an dieser Stelle aus Gründen des Platzmangels allerdings nicht aufgeführt werden, das sprengt den Rahmen. Die Stammgäste allerdings werden auf der Treppe vor dem Palais sitzen, wahrscheinlich im Regen und alles wird sehr tragisch – so schön war’s da! Livemusik und im Hintergrund der Sonnenuntergang, noch mal als Erinnerung für die Romantiker unter uns. Gut, alles hat ein Ende. So ist das eben.

Vor einigen Monaten gab es schon mal einen Knall. Einen bei Weitem nicht so lauten, doch war auch das Ende des Projektraums Selfservice von Thorsten Neumann an der Eichstraße sehr schade. Man erinnert sich nicht nur gerne an schöne Ausstellungen und feine Partys, sondern auch an eine Bar, zu der man sich herunter beugen musste, da sie fast ein Stockwerk tiefer lag, als der um Getränke bittende Gast. Zu viel Bier und man wär’ glatt reingepurzelt.

Von Thorsten Neumann gibt es nun etwas Neues. Neumann eröffnet am Freitag mit seinem ehemaligen Rocker-33-Partner Christian Schiller die Bar Dresden im ersten Stock eines Gebäudes an der Hirschstraße – mit Blick auf den Marktplatz. Das klingt doch schon mal super. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die Karaoke-Bar? Vom Vorbeigehen, selbstverständlich. Genau dort haben sich Neumann und Schiller eingemietet, in einen kleinen, quadratischen Raum.

Geöffnet hat der Laden in Zukunft donnerstags und samstags, erstmal als Bar, geplant seien aber auch Kulturveranstaltungen wie beispielsweise Lesungen. Getränke ordert man dort oben wohl ebenerdig, doch hat die Bar trotzdem einen eigenen Charme: Neumann spricht von trashig und zieht Vergleiche mit Miami Vice, der längst von uns gegangenen Serie. Schicke Autos, schöne Frauen, und top frisierte Ermittler in pastellfarbenen Sakkos – worin genau liegt der Vergleich? Ja, es ist die Farbe, im Dresden ist alles weiß, die Wände und der Marmorboden. Nicht, weil die neuen Betreiber das so wollten, sondern weil es halt so war. Die Neuanschaffung umschloss lediglich eine neue Spülmaschine, „sonst haben wir alles so gelassen, wie es war“, sagt Neumann.

Wir hoffen, die Karaoke-Maschine ist abgebaut und statten Dresden auf jeden Fall top frisiert, doch ohne italienischen Sportwagen, einen Besuch ab.




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