Stadtpark in Stuttgart-Vaihingen Der Weg zu „Marko“ bleibt manchen verwehrt

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Am Rand des Stadtparks in Stuttgart-Vaihingen steht das neue Kunstwerk „Besuch bei Marko“. Doch es ist nicht allen zugänglich – ebenso wie andere Teile des Parks.

Für Passanten mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühlen sind die Treppen im Stadtpark ein Hindernis. Foto: Sandra Hintermayr
Für Passanten mit Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühlen sind die Treppen im Stadtpark ein Hindernis. Foto: Sandra Hintermayr

Vaihingen - Zur Einweihung der von Birgit Feil geschaffenen Skulptur hat Gerd Wedler es zeitlich nicht geschafft. Als er sich ein paar Tage später „Besuch bei Marko“ anschauen wollte, kam er nicht weit. „Ich war mit dem Fahrrad unterwegs. Bis zu den Treppen kam ich, dann musste ich absteigen und es die Stufen hinauf tragen“, sagt Wedler. Das sei zwar kein großes Problem gewesen, doch es brachte den Dachswälder zum Nachdenken. Wenn er mit dem Rad nicht hinkommt, haben auch Menschen Schwierigkeiten, die auf Rollatoren oder Rollstühle angewiesen sind oder einen Kinderwagen schieben. „Der Park ist nicht allen gänzlich zugänglich“, sagt Wedler. Das treffe besonders auf den Teil westlich des Hauptwegs zu, in dem sich auch das Wasserbecken befindet. Bis dahin kommen die Besucher über eine Rampe, doch „Marko“ ist nur über Stufen zu erreichen.

Wedler hat sich die Situation an Ort und Stelle mit Vertretern der im Bezirksbeirat gegründeten Arbeitsgruppe Barrierefreies Vaihingen angeschaut. Den Stadtpark hatte die Gruppe in ihrem Vorhaben, den Bezirk barrierefrei zu gestalten, bisher eher hinten angestellt. „Es gibt Stellen und Dinge, die wir als dringlicher eingestuft haben“, sagt Gabriele Leitz. Dazu zähle etwa die Einrichtung einer öffentlich zugänglichen barrierefreien Toilette im Ortszentrum. Über die Anregungen von Gerd Wedler ist sie dennoch froh. „Wir können nicht alles im Blick haben. Und es ist doch auch Sinn und Zweck unserer Gruppe, dass die Bürger auf uns zukommen und uns problematische Stellen melden“, sagt Leitz.

Der Stadtpark soll saniert werden

Tatsache ist: Der Stadtpark ist Teil des Sanierungsgebiets Vaihingen 4. Im Zuge dessen sollen auch der Bahnhofsvorplatz und das Zentrum rund um den Vaihinger Markt und das Bezirksrathaus aufgewertet werden. Das Geld dafür ist bereits bewilligt; aktuell werden die Maßnahmen geplant. Gabriele Leitz denkt darüber nach, einen Antrag für den Bezirksbeirat auszuarbeiten. „Wir sollten die Verwaltung bitten, bei den Plänen für den Stadtpark die Barrierefreiheit zu bedenken“, sagt Leitz.

Wedler ist selbst Architekt und hat sich bereits Gedanken über mögliche Verbesserungen gemacht. Die Treppen am westlichen Ende des Parks könne man durch einen ansteigenden Weg ersetzen. Die Begradigung würde auch die Pflege erleichtern, denn man könne überall mit einem Rasenmäher entlang fahren. „Man könnte den Weg nicht gerade, sondern geschwungen anlegen, und den Bereich daneben attraktiver gestalten“, sagt Wedler. Die Blumenrabatten neben den Treppen sehen derzeit in der Tat ein wenig verkommen aus. Sollten irgendwann einmal Veranstaltungen im Stadtpark geplant sein, wären diese ohne Stufen für jedermann zugänglich, sagt Wedler.

Denkmalschutz im Stadtpark

„Hier liegt vieles im Argen“, sagt Ulrich Bayer, ebenfalls Mitglied der Barrierefrei-Arbeitsgruppe. „Es gibt viele Treppen im Stadtpark. Im Zuge der Sanierung sollte man da schon etwas machen.“ Ivo Josipovic sitzt selbst im Rollstuhl und unterstützt die Arbeitsgruppe von Beginn an tatkräftig. Bisher haben ihn die Treppen im Stadtpark allerdings nicht gestört. „Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, bleiben wir dort, wo ich mit dem Rollstuhl hinkomme“, sagt er. Er schlägt vor, nur über einen Teil der Treppen eine Rampe zu bauen – so wie auch am Wasserbecken.

Unsicherheit herrscht in der Gruppe allerdings beim Thema Denkmalschutz. Wegen des Alters des Stadtparks vermuten die Mitglieder, dass einige Teile des Geländes denkmalgeschützt sind, vermutlich auch die Treppen. „Das könnte dann schwierig werden“, sagt Leitz und kündigt an, beim Landesdenkmalamt nachzufragen, welche Möglichkeiten für Verbesserungen es gibt, die dennoch den Denkmalschutz erfüllen. „Barrierefreiheit ist keine Frage der Kosten, sondern Nutzen für die Bürger“, betont Bayer.

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