Stadtplaner berichtet im Bezirksbeirat Unmut über Protest gegen Bolzplatz in Stuttgart-West

Von Tilman Baur 

Der Stuttgarter Bismarckplatz wird umgestaltet, der Spielplatz in der Elisabethenanlage soll 2021 fertig werden. Ein Stadtplaner hat den Bezirksbeirat über den Stand der Dinge informiert.

Der Bolzplatz in der Elisabethenanlage wird erst später modernisiert, weil sich ein Anwohner wegen des Lärms beschwert hat. Foto: Tilman Baur
Der Bolzplatz in der Elisabethenanlage wird erst später modernisiert, weil sich ein Anwohner wegen des Lärms beschwert hat. Foto: Tilman Baur

S-West -

Mit der Neugestaltung des Bismarckplatzes und seiner Umgebung beschäftigen sich Verwaltung und Lokalpolitik seit Jahren. Das Mammutprojekt mit dem Namen Stuttgart 28 beinhaltet verschiedene Bausteine. Zwei davon kommen ihrer Realisierung nun näher: die Umgestaltung der Elisabethenanlage und die verkehrliche Neuausrichtung der Schwabstraße. Auf dieser startet nun mit mehrmonatiger Verzögerung ein Verkehrsversuch. Dabei wird die Straße auf zwei Fahrspuren verengt, die Busspuren entfallen. Der Abschnitt der Bismarckstraße direkt vor dem Eiscafé Fragola wird für Autos gesperrt.

Verkehrsversuch in der Schwabstraße startet

Die Stadt hatte den Versuch zunächst zurückgestellt, weil sich der Verkehr durch die Coronakrise deutlich verringert hatte und somit nicht mehr repräsentativ war. Die Grünen drängten in einem Antrag dennoch auf Vollzug. Ihre Argumentation: gerade jetzt stehe den Fußgängern durch die abschnittsweise Sperrung der Bismarckstraße mehr Platz zur Verfügung, um Mindestabstände einhalten zu können. Martin Holch vom Stadtplanungsamt verkündete nun im Bezirksbeirat, dass man den Versuch tatsächlich starten werde. Die Auswertung jedoch, zu der auch eine Verkehrszählung gehört, werde man erst durchführen, wenn der Verkehr nach den Lockerungen wieder ein Normalmaß erreicht habe. Nach der Evaluation sehe man weiter, so Holch. „Die neue Verkehrsführung könnte dann so bleiben, sie kann aber auch teilweise oder sogar ganz zurückgenommen werden.“

Auch in der Elisabethenanlage geht es voran. Den Umbau des Spielplatzes werde man wohl noch vor den Sommerferien 2021 abschließen können, sagte Martin Holch. Weil die Stadt ihn wegen des Umbaus sperren muss, hat sie in der Nähe nun einen temporären Spielplatz in Betrieb genommen.

Einen kleinen Coup konnte Holch zudem vermelden: so habe die Stadt Haus in der Elisabethenstraße 26 aus Privatbesitz erworben, eines der Häuser also, die den Bismarckplatz direkt umgeben. „Damit haben wir jetzt größeren Spielraum bei der Entwicklung des Areals und bei der für den Platz so wichtigen Raumkante“, erklärte Holch. Die künftige Nutzung des Hauses sei zwar noch nicht geklärt, so Holch auf Nachfrage der SPD-Fraktion im Bezirksbeirat, doch klar sei, dass sie zum Platz passen müsse – schicke, teure Restaurants seien dort beispielsweise nicht vorgesehen.

Keine Ansprechpartner beim Land

Doch es gibt auch einen Wehrmutstropfen. Der Bolzplatz fällt aus der Zeitschiene und muss später umgestaltet werden. Weil sich ein Anwohner über den Lärm beschwert hat, muss das Regierungspräsidium über den Fall entscheiden, was sich hinziehen kann. Seinen Unmut darüber konnte Martin Holch nur schwer verbergen. Schließlich habe die Stadt gute Konzepte dafür, wie man die Interessen der spielenden Kinder und Jugendlichen und der Anwohner in Einklang bringen könne. In Stuttgart gebe es 134 Bolzplätze, mehr als 90 davon in weniger als 35 Metern Entfernung zu Wohnhäusern. Die richtigen Ansprechpartner beim Land fehlten aber, klagte Holch, dort kümmerten sich einzig Leute vom Immissionsschutz um derlei Fragen. Dabei hätten Bolzplätze wie jener in der Elisabethenanlage eine wichtige Funktion. „Aus meiner Sicht sind Bolzplätze keine Sportplätze, sondern Orte der Integration, Prävention und sozialen Bildung“, so Holch.

Trotz dieses Rückschlags kommt also insgesamt wieder Dynamik in die Umgestaltung. Um die Akzeptanz bei den Anwohnern zu sichern ist das auch wichtig, wie die Ausführungen von Ute Kinn verdeutlichten. Kinn ist Mediatorin und Regionalplanerin, arbeitet bei der in Ettlingen ansässigen Gesellschaft für intelligente Projektsteuerung (Grips) und ist seit 2016 Ansprechpartnerin für Bürgerinnen und Bürger in Sachen Stuttgart 28. „Die Leute werden ungeduldig, das merkt man“, sagte Kinn im Beirat. Um sie wieder stärker am Prozess teilhaben zu lassen schlug sie einige Maßnahmen vor. So könne ein Sanierungsschild am Spielplatz als „Zeitung“ dienen, die aktuelle Informationen über die Entwicklung bereithält.

Die eigentliche Bürgerbeteiligung könne vielleicht schon bald wieder im Bürgerzentrum stattfinden. Ein Newsletter sei in Planung. Zudem gebe es Überlegungen, die Detailplanungen in der Elisabethenkirche zu präsentieren. Durch diese Maßnahmen könne man dann die entscheidende Frage der Menschen besser beantworten, die da laute: „Was machen die da eigentlich?“




Unsere Empfehlung für Sie