Stadtradel-Gewinner aus Aidlingen Beim Radfahren kommen ihm die besten Ideen

Ingolf Wittmann geht im Frühling gern ins Trainingslager nach Mallorca. Foto: /Ingolf Wittmann

Der ehemalige IBMer Ingolf Wittmann hat beim Böblinger Stadtradeln ordentlich in die Pedale getreten und die meisten Kilometer gesammelt. Dabei kommt der 64-Jährige ursprünglich aus einer ganz anderen Sportart.

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Mehr als 3000 Kilometer hat Ingolf Wittmann mit seinem Rennrad in 21 Tagen zurückgelegt. Eine solche Strecke wäre so manchem motorisiert zu viel. Der Aidlinger hat beim Böblinger Stadtradeln im vergangenen Jahr richtig Gas gegeben. Und es hat sich gelohnt: Er ist mit Abstand am meisten Kilometer gefahren. Der 64-Jährige, der bis vor Kurzem noch Manager bei IBM war, nahm zum dritten Mal im IBM-Team an dem Wettbewerb teil.

 

400 Kilometer an einem Tag

„Ich habe zeitweise zwei Mal am Tag eine Radtour gemacht“, erzählt er, als sei es so was wie Zähneputzen für ihn – macht man schließlich auch zweimal am Tag. Seine Radfahreinlagen habe er sich zwischen Termine eingebaut, manchmal habe er sein Bike in den Kofferraum seines Autos gepackt und sei nach einem Termin einfach direkt losgefahren. Die längste Einzeldistanz, die Wittmann in den drei Wochen zurückgelegt hat, waren etwas mehr als 200 Kilometer. Nicht ganz so viel wie zwei Jahre zuvor , da seien es einmal 400 Kilometer an einem Tag gewesen.

Auch mit seinem IBM-Team landet Wittmann beim Stadtradeln auf Platz eins. „Die ersten beiden Jahre sind wir jeweils knapp von einem Schul-Team geschlagen worden“, gibt er zu. Dieses Jahr konnte sich das Team IBM mit 20 454 Kilometern an die Spitze radeln. „Wir haben aber auch deutlich aufgestockt, von einst 20 auf mehr als 40 Radler“, sagt der Spartenleiter Biking beim ehemaligen IBM Klub Böblingen, heute Sport und Freizeit Klub Böblingen. Das Radfahren ist für Wittman durchaus Passion, es werden Ziele gesteckt, diese verfolgt und gefeiert – so wie das ein Manager auch gewohnt ist, will man meinen. „Wir sind eine Gruppe von Straßenradfahrern, die sich schon seit Jahren zu regelmäßigen Trainingsausfahrten trifft. Wir nehmen an öffentlichen Jedermannrennen und Radtouristikfahrten teil.“ Trotzdem soll es nicht in Stress ausarten. „Es macht einfach mehr Spaß, in einer größeren Gruppe zu fahren“, sagt er.

Vier verschiedene Räder im Stall

Insgesamt hat Wittmann aber rund 12 500 Kilometer im vergangenen Jahr auf dem Rad zurückgelegt. Oder eher – auf den Satteln seiner Räder. Hat eines seiner Fahrräder mal einen platten Reifen, nimmt er halt ein anderes, wenn grad keine Zeit für eine Reparatur ist. Denn er besitzt gleich mehrere: ein Hochleistungsrennrad der Marke De Rosa, die Italiener gelten als echte Rahmenschmiede, ein Gravel-Bike – ein Mix aus Rennrad und Mountainbike-, ein normales Rennrad und ein Alurad, dass ihm seine Dienste zuhause auf der Rolle erweist.

Apropos Rolle – Ingolf Wittmann kam erst im Alter von etwa 40 Jahren zum Rad. Von Kindesbeinen an hatte er Judo gemacht. Irgendwann sei er jedoch zu alt für Wettkämpfe gewesen. „Da habe ich mir überlegt: welche Sportart kann ich jetzt machen, die ich mit 70 Jahren immer noch ausüben kann? So bin ich zum Radsport gekommen“, erzählt der 64-Jährige. „Auf dem Rad kommen einem viele gute Ideen, man kann prima nachdenken“, schwärmt er. Und der umtriebige Aidlinger, der seit 2023 im Ruhestand ist und zuletzt das weltweite technische Team für Quantencomputing der IBM geleitet hat, hat noch andere Hobbys. „Ich habe eine kleine Schreinerwerkstatt bei mir zu Hause aufgebaut und baue Möbel für meine Familie“, erzählt er. Zudem engagiert sich Wittmann im Kreisseniorenrat Böblingen im PC-Team und zeigt älteren Menschen, wie sie Smartphones und Tablets bedienen oder wie sie künstliche Intelligenz im Alltag nutzen können. Letzteres macht Wittmann selbst schon lange. „Wir haben vermutlich das intelligenteste Haus hier im Ort“, sagt er und lacht. „Bei uns funktioniert alles automatisch.“ Von April bis September leben er und seine Familie autark, nur mit Solarstrom.

Im Frühjahr geht es nach Mallorca ins Trainingslager

Ebenfalls ist Wittmann leidenschaftlicher Skitourengänger. Und falls tatsächlich noch etwas Zeit bleibt, kocht er auch noch gerne. „Meine Frau und meine Tochter haben sich damit abgefunden, dass ich viele verschiedene Aktivitäten habe“, sagt der 64-Jährige, der früher für die IBM in der ganzen Welt unterwegs war und bis zuletzt Vorlesungen an der Uni gehalten hat.

Das nächste Radevent steht auch schon wieder vor der Tür: Es geht nach Mallorca ins Trainingslager, quasi den Frühling etwas in den Aidlinger Winter vorverlegen. Im kommenden Jahr macht das Team IBM wieder beim Stadtradeln mit. Ob Ingolf Wittmann dann dabei ist, weiß er noch nicht, aber das heißt ja nicht, dass man nicht schon mal dafür trainieren kann.

Gemeinsam Kilometer sammeln für den Klimaschutz

Aktion
„Stadtradeln“ ist ein Wettbewerb der Initiative Radkultur, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Der Hintergrund der Idee ist, möglichst viele Menschen für das Umsteigen vom Auto auf das Fahrrad zu gewinnen und dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Ergebnis
Im vergangenen Jahr haben im Kreis Böblingen 6640 Radler insgesamt 1.566.676 Radkilometer gesammelt. Somit konnten 254 Tonnen CO2 vermieden werden.

Böblingen
Auch dieses Jahr findet die Aktion wieder statt: vom 23. Juni bis zum 13. Juli können Interessierte in die Pedale treten. (va)

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