Stadtradeln Fellbach Wie sieht die Halbzeit auf dem Rad aus?
Carmen Brauer aus Schmiden ist einer der Stadtradeln-Stars, einer Aktion die Lust aufs Radfahren machen sollen. Sie erzählt, was bisher prima lief, aber auch, wo es hapert.
Carmen Brauer aus Schmiden ist einer der Stadtradeln-Stars, einer Aktion die Lust aufs Radfahren machen sollen. Sie erzählt, was bisher prima lief, aber auch, wo es hapert.
Wie sieht es aus nach eineinhalb Wochen? Carmen Brauer hat einiges zu erzählen. Sie macht gerade ein persönliches Experiment. Sie lässt drei Wochen lang das Auto stehen und setzt sich dafür im Alltag aufs Rad. Sie ist Stadtradeln-Star – und damit ein Teil der Aktion Stadtradeln, bei der die Stadt Fellbach und der Rems-Murr-Kreis mitmachen. 21 Tage sollen möglichst viele Wege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Nicht nur in Fellbach, auch beispielsweise in Winnenden und Backnang setzen sich Bürger aufs Fahrrad und sammeln Kilometer.
Die Kategorie Stadtradeln-Star bedeutet, noch einen Schritt weiterzugehen – Stadtradeln-Stars verzichten freiwillig 21 Tage am Stück aufs Auto. Carmen Brauer aus Schmiden ist der einzige Stadtradeln-Star im Rems-Murr-Kreis.
„Am Montag war ich einkaufen“, erzählt Carmen Brauer, „und das war eine kleine Herausforderung“. Mit den prallen Taschen am Lenker und dem vollen Rucksack habe sie nach Hause geschoben. Satteltaschen? Sie habe keinen Gepäckträger an ihrem Mountainbike, und daher sei das keine Option gewesen.
Einiges hat sie erlebt, seitdem sie symbolisch ihren Autoschlüssel Anfang Juli an Fellbachs Bürgermeisterin Beatrice Soltys übergeben hat. Das teilt sie auch in ihrem Stadtradeln-Blog mit. Da sind schöne Bilder zu sehen, das Fahrrad vor einem strahlend gelben Sonnenblumenfeld, herrliche Ausblicke wie durch das „Tor ins Remstal“ in Stetten, idyllische Wege, auf denen Pferd und Reiter entgegenkommen. „Ohne Auto kommt man an wunderschöne, ruhige Orte, an denen wir Kraft tanken können“, schreibt Carmen Brauer. Auch am Wochenende radelt sie, gemeinsam mit ihrem Freund Bastian Engelhaus, der selber radbegeistert ist.
„Vermisst habe ich das Auto bisher nicht“, sagt sie. Im Alltag heißt das, dass sie nun täglich mit dem Rad nach Ditzingen ins Büro pendelt, hin und zurück rund 40 Kilometer. Eigentlich wollte sie eine verkehrsärmere Route finden, erzählt sie. Doch über die Felder brauche sie etwa eine Stunde länger. Wenn sie um 6.30 Uhr losfahre, sei sie um 7.30 Uhr im Büro. Sie startet in Radkleidung, im Büro wird die Garderobe gewechselt, zurück geht’s wieder in Radklamotten.
Was Carmen Brauer erlebt, ist ein Perspektivwechsel. „Ich kann direkt vor dem Blühenden Barock halten, ohne einen Parkplatz suchen zu müssen“, sagt sie mit Begeisterung in der Stimme. Aber sie erlebt auch Situationen im Verkehr von der Seite der Teilnehmer, die kein schützendes Blech um sich haben. Ein Lastwagenfahrer sei so schnell vor ihr aus einer Parklücke herausgezogen, dass sie eine Vollbremsung hinlegen musste und vom Rad stürzte. „Kleine Blessuren“, sagt sie, habe sie davon getragen, doch es hätte schlimmer ausgehen können – und schreibt daher in einem Post: „Unterschätze niemals die Geschwindigkeit eines Fahrradfahrers, wenn er mit 32 Stundenkilometer herangefahren kommt, kann er kaum noch bremsen.“
Immer wieder erlebt sie auch, was schon viele andere Radler erfahren haben und bemängeln. Plötzlich endet der Radweg – und es geht nur noch auf einer stark befahrenen Straße oder Hauptverkehrsachse weiter. Das Radnetz sei noch nicht so ausgebaut, wie man sich das wünschte, sagt sie. Dagegen schätzt Carmen Brauer die Momente, an denen sie am Stau einfach vorbeifahren und die Freiheit auf dem Rad genießen kann.
Übrigens hat Carmen Brauer in dem Stadtradeln-Zeitraum ihren eigenen Geburtstag und den ihrer elfjährigen Tochter gefeiert. „Das haben wir natürlich anders organisiert“, sagt sie. Sie ist mit dem Rad schon eine Stunde vorher losgefahren, um dann rechtzeitig zum Kindergeburtstag da zu sein.
Einen eventuellen Platten, Ketten- oder Reifenwechsel, darauf ist Carmen Brauer vorbereitet. Und fühlt sie sich bereits fitter nach den zehn Tagen auf dem Rad im Alltag? „Fitter nicht, aber entspannter“, sagt die sportliche Frau aus Schmiden. Auch freut sich die 45-Jährige, dass sie bereits einiges an CO2 und Benzin eingespart hat. Bis jetzt ist Carmen Brauer bereits mehr als 500 Kilometer geradelt und hat 40,2 Liter Benzin gespart. Das wird auch dokumentiert – gemeinsam mit den anderen Teilnehmern und Teams, die in die Pedale treten. Julia Dickow von der Stabsstelle Radmobilität in Fellbach ist beispielsweise Team-Captain des offenen Teams, Bettina Maile vom CVJM oder Udo Scheufele von der „Bikergang Schmiden“. Auch in den anderen Städten gibt es zahlreiche Radel-Teams. Zum Ende des Stadtradelns, am 23. Juli, in Fellbach ist Carmen Brauer dabei. Doch das wird nicht das Ende ihrer Freude am Radeln bedeuten. „Ich habe inzwischen noch ein Rennrad“, sagt sie.
Mehr Infos gibt es unter www.stadtradeln.de. Beim Finale des Stadtradelns findet am Samstag, 23. Juli , von 10 und 16 Uhr im Rathausinnenhof und auf dem Kirchplatz in Fellbach ein „Radkulturtag“ mit Aktionen statt.