Stadtspaziergang Vier Stadtteile – ein Lebensgefühl

Zwischen Kernstadt und Landschaft hat RSKN viel zu bieten – sehr zur Freude von Matthias Vetter und Christine Sigg-Sohn vom Bürgerausschuss. Foto: Roberto Bulgrin

Ein Spaziergang durch Rüdern, Sulzgries, Krummenacker und die Neckarhalde, kurz RSKN: In den vier Stadtteilen erlebt man eine Mischung aus städtischem Flair und weite Ausblicke in die Natur.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Esslingen - Der Geräuschpegel ist hoch. Im Zentrum von Sulzgries, wo der Spaziergang beginnt, werden Dreck, Schlamm und Erdreste mit einem Dampfstrahler entfernt – Aufräumarbeiten nach dem Starkregen der letzten Woche. Die Einwohner sind daran gewöhnt, sie regen sich nicht mehr groß darüber auf. „Wir sind froh, dass wir diesen Ortsmittelpunkt mit Bank, Bäcker und anderen Läden haben“, sagt Christine Sigg-Sohn, die Vorsitzende des Bürgerausschusses. Der Lärm sei da zweitrangig.

 

Nichtsdestotrotz lässt die Aufenthaltsqualität des Zentrums aus ihrer Sicht „zu wünschen übrig“. Darum wurden im März ein Bücherregal aufgestellt, eine Pinnwand für Mitteilungen installiert und Pflanzenkübel eingesät. Problematischer seien die Parkplätze vor der Bushaltestelle. Diese Stellplätze würden Gefahren bergen. Damit sind wir beim Hauptanliegen des Bürgerausschusses der vier Stadtteile Rüdern, Sulzgries, Krummenacker und die Neckarhalde: der Verkehr.

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Aus diesem Grund wurde der Arbeitskreis „Fußverkehr“ gegründet. „Wir möchten gezielt Stellen angehen, die vom Sicherheitsaspekt schwierig sind“, sagt Christine Sigg-Sohn. Ein Beispiel sei der Gang vom Zentrum hinauf zur Schule Sulzgries. Überhaupt die Schulwegsicherheit: Parkende Autos würden, oft auch im Kurvenbereich, die Sicht der Kinder sowie die Sicht auf die Kinder beeinträchtigen. Dennoch lebt Christine Sigg-Sohn gerne hier. Ihr gefalle die Kombination aus guter städtischer Anbindung und der Nähe von viel Grün. Matthias Vetter, ihr Kollege aus dem Bürgerausschuss, ergänzt: „Vom Weingärtner bis zum Industrieboss gibt es hier alles – es ist die Vielfalt, die den Charme von RSKN ausmacht.“

Schwierige Hanglage

Weiter geht es über die Hertfelder- und die Gollenstraße hinüber nach Krummenacker – oder besser gesagt hinauf. Denn die starke Hanglage sorgt zwar für eine herrliche Aussicht und satte Wohnungspreise, sie sei aber für Senioren ein Problem, wie Christine Sigg-Sohn beobachtet. Die Bushaltestelle sei oft weit entfernt und die Steigungen seien mit Mobilitätseinschränkungen oder Rollator nur schwer zu packen. In den Hauptachsen aber sei der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gut ausgebaut und verkehre im Zehn-Minuten-Takt.

In einem schnellen Takt schlägt auch das Vereinsleben in RSKN, das sehr ausgeprägt sei, wie auch die Jugendarbeit. So hätten sich die jungen Erwachsenen mit viel Herzblut und Einsatz einen „Chillplatz“ hinter der Turnhalle eingerichtet.

Verkehrsprobleme sind weit weg

Hinauf geht es zu der Straße Im Bregel, dem Verbindungsweg von Krummenacker hin zur Katharinenlinde. Hier zeigt sich der Stadtteil RSKN von seiner grünen Seite. Für Wohnbebauung sei aber nur noch wenig bis kein Platz mehr übrig, sagt Sigg-Sohn. Nur durch den Abriss alter Häuser könne Raum für Neubauten geschaffen werden. Ausnahme sei das Gebiet um den Hochwiesenweg, das im Flächennutzungsplan für ein mögliches Neubaugebiet ausgewiesen ist.

Auf der Höhe oberhalb von Krummenacker bei der Bregelhütte, die vom CVJM als Jugendhaus genutzt wird, rückt das Thema Bebauung in weite Ferne. Der Blick auf urwüchsige Landschaften und wilde Wälder macht auch Ärgernisse wie Verkehrsinfarkt, Umleitungschaos oder Staus fast vergessen. Dennoch drängt sich das Aufregerthema Geiselbachstraße auf. Wegen der fast zwei Jahre dauernden Kanalsanierung waren die Geiselbachstraße und die Mittlere Beutau und damit die Hauptverkehrsadern in den Esslinger Norden 15 Monate lang gesperrt. Erst Mitte Juni wurden die Straßen wieder frei gegeben. Man konnte nicht mehr auf direktem Wege in die Stadtteile gelangen, sondern musste außen herum fahren, erinnert sich Matthias Vetter. Doch durch den Ausbau des Busverkehrs sei das nicht so schlimm gewesen. „Man hat sich daran gewöhnt.“

Christine Sigg-Sohn hat die Sperrung nicht beeinträchtigt. Sie sei meist mit dem Fahrrad unterwegs und damit immer durchgekommen. Durch die Corona-Einschränkungen und die Möglichkeiten von Homeoffice sei das Verkehrsaufkommen geringer gewesen. Das habe der Stadt Schwierigkeiten durch die Umleitungen und Sperrungen erspart.

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