Stadtteilbibliothek in Stuttgart-Möhringen Wie Büchereien mit der Zeit gehen

Von  

Die Nachfrage nach digitalen Medien steigt. Das merkt auch die Stadtteilbibliothek im Spitalhof. In den vergangenen Jahren hat Christiane Rost den medialen Wandel begleitet, nun gibt sie die Leitung der Bücherei an Ulla Fuoss ab.

Mit Spiel- und Leseecken für Kinder und WLAN für die Erwachsenen bleiben Bibliotheken attraktiv. Foto: dpa/Patrick Pleul, Sandra Hintermayr
Mit Spiel- und Leseecken für Kinder und WLAN für die Erwachsenen bleiben Bibliotheken attraktiv. Foto: dpa/Patrick Pleul, Sandra Hintermayr

Möhringen - Für Büchereien und den Buchhandel ist das Internet ein großer Konkurrent. Zum einen weil viele Kunden ihre Bücher lieber bequem vom Sofa aus online bestellen, zum anderen weil das Angebot an digitalen Publikationen immer weiter zunimmt, während die Nachfrage nach gedruckten Büchern zurückgeht. Klug ist, wer mit dem Trend geht. „Wir sehen das Internet nicht als Konkurrenz, sondern als Erweiterung“, sagt Ulla Fuoss. Sie wird zum 1. Oktober die Leitung der Stadtteilbibliothek im Spitalhof übernehmen. „Die Onlineangebote nehmen zu, der physische Bestand, also die gedruckten Bücher, sind aber nach wie vor gefragt.“ Das Angebot in den Bibliotheken sei „passgenauer“ für die Besucher geworden. „Durch die Onlinemedien haben wir unseren Nutzerkreis erweitert“, erklärt die bisherige Bibliotheksleiterin Christiane Rost.

Ein Abschied mit Wehmut

Nach dreieinhalb Jahren gibt sie die Leitung ab. „Ich habe eine andere, spannende Stelle in der Zentralbibliothek gefunden“, sagt die Schorndorferin. Ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn sie von ihrem Wechsel erzählt. „Das Team, die Besucher und die besondere Atmosphäre im Spitalhof sind natürlich toll. Der Stadtteil mit seinen vielen Vereinen und engagierten Bürgern ist schon etwas Besonderes“, sagt Rost.

Davon hat auch ihre Nachfolgerin Ulla Fuoss schon einen ersten Eindruck bekommen. „Ich freue mich, in ein gut aufgestelltes Team zu kommen“, sagt sie. Auch, wenn Christiane Rost offiziell zum 1. September aufgehört hat, nimmt sie sich in den kommenden Wochen die Zeit, Ulla Fuoss mit ihrer neuen Position vertraut zu machen. „Für mich ist es natürlich schön, dass meine Vorgängerin mich in die Aufgaben einweiht“, sagt Fuoss. Sie hat zuletzt in der Stadtbibliothek am Mailänder Platz gearbeitet und zuvor in der Mediothek der Stadtbücherei, die 2011 geschlossen wurde. „Die Arbeit in einer Stadtteilbibliothek ist etwas Neues für mich. Ich freue mich vor allem auf die ganze Bandbreite an Medien“, sagt die Leonbergerin. In den vergangenen Jahren habe sie vor allem mit Fachliteratur zu tun gehabt.

Büchereien im Wandel

Während Büchereien früher ein Ort der Ruhe waren, haben sie sich mit den Jahren zu Treffpunkten entwickelt, zu „Wohnzimmern“, wie Christiane Rost sagt. „Die Aufenthaltsqualität hat zugenommen“, sagt sie. In Möhringen gibt es für die Kinder eine Lese- und Spielecke, für Schüler eine Lernzone und für alle Nutzer Zugang zum WLAN. „Zu uns kommen viele Menschen, um in Ruhe die Zeitung zu lesen oder sogar den ganzen Nachmittag hier zu verbringen“, berichtet Rost. Jugendliche träfen sich in der Bibliothek zum gemeinsamen Lernen oder Ausarbeiten von Referaten. Zudem kooperiert die Stadtteilbibliothek mit Vereinen und Institutionen im Stadtteil, bietet unter anderem Lesungen, Medien-Rallyes und einen Flohmarkt an.

„Wir werden auch in diesem Jahr wieder beim Möhringer Herbst am 13. Oktober vertreten sein“, sagt Christiane Rost. Am 22. November lesen die Herausgeber Marc Bensch und Joachim Speidel aus der Anthologie „Wortreich“ vor, am 29. November präsentieren Christel Freitag und Wolfgang Niess beim „Bücherherbst“ Buchneuerscheinungen. Mit Aktionen wie diesen wolle man im Stadtteil präsent bleiben, sagt Christane Rost. Daran möchte auch ihre Nachfolgerin anknüpfen. „Es sind bereits jetzt viele schöne und spannende Aktionen vorgesehen. Ich möchte dann in den kommenden Monaten zusammen mit dem Team die Planung für das nächste Jahr angehen“, sagt Ulla Fuoss.

Sonderthemen