Stadtteilbücherei Zuffenhausen „Gläserner Bürger“ ist Realität

Wer im weltweiten Netz unterwegs ist, sollte mit seinen persönlichen Daten vorsichtig sein und nicht zu viel von sich preisgeben. Foto: dpa
Wer im weltweiten Netz unterwegs ist, sollte mit seinen persönlichen Daten vorsichtig sein und nicht zu viel von sich preisgeben. Foto: dpa

Zum Auftakt der Reihe „Expertenrunde“ ging es in der Stadtteilbibliothek um das „Überwachte Internet“.

E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Zuffenhausen - Walter Spannagel klickt sich geschwind durch die Zeitleiste: Schlagworte wie Edward Snowden, NSA und „Whistleblower“ erscheinen auf der Wand vor den wenigen Zuschauern, die sich am vergangenen Freitag im Lernstudio der Stadtteilbibliothek eingefunden haben. Der 61-jährige Computerberater eröffnet mit seinem Vortrag „Das überwachte Internet“ die sogenannte Expertenrunde. In dieser neuen Reihe sollen fortan einmal im Monat Themen rund um Computer- und Internet behandelt werden.

Spannagel startet seine Präsentation mit einem Crashkurs über die jüngste Spionage-Affäre, die seit Juni dieses Jahres ihre Kreise durch die internationale Medienlandschaft zieht. Der amerikanische „Whistleblower“ Edward Snowden hatte bekannt gemacht, dass der amerikanische Geheimdienst „National Security Agency“ (NSA) sowohl amerikanische als auch ausländische Bürger massenhaft über das Internet ausspioniert. Inzwischen hat der einstmalige technische Mitarbeiter der NSA in Russland für ein Jahr Asyl erhalten. Spannagel warnt: „Von den Folgen dieses Skandals sind auch Sie, ist jeder einzelne deutsche Internetnutzer betroffen.“

„Die NSA hat Zugriff auf die meisten Programme“

Spannagel zeichnet im Folgenden ein Szenario, in dem der „gläserne Bürger“ längst Realität geworden ist: „Die NSA hat Zugriff auf die meisten Programme, mit denen Sie tagtäglich arbeiten“, sagt er. Darunter seien zum Beispiel Google, Apple und Microsoft. Wer etwa über den E-Mail-Anbieter „Outlook“ (Microsoft) Nachrichten unverschlüsselt versende, müsse damit rechnen, dass diese vom US-Geheimdienst eingesehen werden. Das gleiche gelte für das wohl beliebteste Textverarbeitungsprogramm „Office“ sowie die Anwendung „Skype“, mit der Nutzer Sprach- und Videonachrichten austauschen können. Beide werden ebenfalls von Microsoft betrieben.

Walter Spannagel vermutet, dass bei „Office“ Filter eingebaut wurden, welche nach (terrorismus-)verdächtigen Inhalten suchen. „Wenn Sie also eine Nachricht mit dem Inhalt ‚Hier herrscht eine Bombenstimmung’ versenden, können Sie sicher sein, dass die NSA in Alarmstimmung gerät.“

Die Begründung der amerikanischen Regierung, dass terroristische Anschläge wie jener vom 11. September 2001 solche Späh-Software notwendig machten, lässt Spannagel nicht gelten. Er sagt: „Die amerikanischen Geheimdienste haben auch vor dem 11. September schon im weltweiten Internet herumspioniert.“ Zur Bestätigung seiner These projiziert er einen Artikel aus dem Archiv des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ an die Wand. Darin steht: „Dass auf deutschem Boden, offenbar mit Wissen und Billigung der Bundesregierung jeder Piepser abgehört wird, gilt zumindest unter amerikanischen Geheimdiensten als sicher.“ Erschienen ist der Artikel, der sich mit der NSA-Behörde beschäftigt, am 20. Februar 1989, also vor 14 Jahren.

„Nutzen Sie die richtige Software“

Was also tun angesichts dieses massiven Eingriffs in persönliche Rechte? Spannagel hat einige Tipps parat: „Nutzen Sie die richtige Software.“ Statt dem Betriebssystem „Windows 8“, bei welchem der Zugriff auf den eigenen Rechner durch Fremde ganz leicht über einen eingebauten Chip erfolge, empfiehlt er „Linux“. Statt „Word“ sollten Texte mit „Open Source“-Programmen wie „Open Office“ oder „Libre Office“ erstellt werden: „Hier ist der Zugriff schwieriger, da sich die Zugriffcodes für die Systeme stetig erneuern. Das macht eine Einsicht für Externe schwieriger.“ Sensible Daten wie etwa in E-Mails sollten nur verschlüsselt versendet werden. Bei einer Internetsuche sollte stets das Kürzel „https:“ verwendet werden. Es steht für eine „sichere Verbindung“. Und zu guter Letzt: „Seien Sie misstrauisch. Geben Sie, etwa in sozialen Netzwerken, nur das von sich preis, was auch Fremde über Sie wissen dürfen.“ Wenn man es schon nicht verhindern könne, dass Dritte vertrauliche Informationen mitbekommen, so sollte man es ihnen doch zumindest so schwer wie möglich machen.




Unsere Empfehlung für Sie