Spaziergang durch Mettingen, Brühl und Weil Brückenschläge zwischen Tradition und Moderne

Ein Rundgang mit Bürgerausschuss-Chef Gerd Küpper beginnt am besten beim Hermann-Sohn-Platz. Foto: Roberto Bulgrin

Mettingen, Brühl und Weil bilden an Esslingens Grenze zu Stuttgart ein Trio. So unterschiedlich die drei Stadtteile auch sind – ein gutes Miteinander ist ihnen wichtig. Getrennt durch Bahnlinie, Neckar und Bundesstraße, sind viele Brückenschläge nötig, um die Gemeinsamkeit zu leben.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Esslingen - Wenn von den Esslinger Stadtteilen die Rede ist, werden Mettingen, Brühl und Weil gern in einem Atemzug genannt. Dabei hat jeder seinen ganz eigenen Charakter. Alteingesessene und neue Bürger haben dort zusammengefunden, Tradition und Moderne gehen an der Stadtgrenze zu Stuttgart Hand in Hand. Ein gemeinsamer Bürgerausschuss führt die unterschiedlichen Interessen zusammen, dessen Vorsitzender Gerd Küpper berichtet von einem guten Miteinander. Mit seinem Gremium hat Küpper in den vergangenen Jahren viele Entwicklungen vor Ort angestoßen, begleitet und beeinflusst. Wer mit dem Bürgerausschuss-Vorsitzenden durch den Stadtteil geht, entdeckt allenthalben Zeichen der Veränderung.

 

Es gab eine Zeit, da fühlten sich Mettingen, Brühl und Weil ein bisschen wie Stiefkinder der Stadtentwicklung – die großen Investitionen wurden anderswo getätigt. Doch das hat sich gründlich geändert. 1998 wurde Mettingen in das Landessanierungsprogramm aufgenommen, die Stadt konnte einiges bewegen. Unter anderem wurde der Platz an der Liebfrauenkirche, dem „Faifegrädler“, herausgeputzt, um als Ortsmitte wahrgenommen zu werden. Und im Kreuzungsbereich von Schenkenberg- und Obertürkheimer Straße entstand gegenüber vom Mettinger Bahnhof der Hermann-Sohn-Platz. „Heute hat dieser Platz für viele eine ganz zentrale Funktion“, hat Gerd Küpper beobachtet. Dagegen ist es rund um den Kirchplatz deutlich ruhiger geworden.

„Wenn man früher durch die Schenkenbergstraße ging, blieb man alle Naselang für ein Schwätzle stehen“, sagt eine Passantin. Und nach einer Erklärung für die neue Ruhe gefragt, muss sie nicht lange nachdenken: „Früher war die Schenkenbergstraße eine beliebte Einkaufsstraße. Dort hat man bekommen, was man für den täglichen Bedarf gebraucht hat.“ Inzwischen sind Bäcker, Metzger, Schuster und andere Frequenzbringer verschwunden, ihren Platz nahmen Beautysalon, Personaldienstleister und Änderungsschneider ein. „Da hat man weniger Grund, in die Schenkenbergstraße zu kommen“, erklärt die Dame, die nicht nur die dortigen Einkaufsmöglichkeiten vermisst, sondern auch die Kontakte, die es früher ganz selbstverständlich gab.

Es lohnt sich dennoch, aufmerksam durch Mettingen zu gehen. Wer genau hinschaut, entdeckt vieles, was an vergangene Zeiten erinnert – wie den alten Bahnhof. Früher, als das württembergische Königshaus im benachbarten Stadtteil Weil sein Gestüt betrieb, geruhten seine Majestät, mit der Bahn anzureisen, wenn auf der Weiler Rennbahn Betrieb war. Und da musste eine angemessene Bahnstation her. Das Gebäude ist geblieben, obwohl die Strecke zwischen Stuttgart und Tübingen längst nicht mehr dort verläuft.

Stolz ist Gerd Küpper, dass es dem Bürgerausschuss gelungen ist, zum Erhalt des „Bethlehem-Areals“ beizutragen – einer früheren Arbeiterkolonie, die rund 100 Jahre nach ihrer Entstehung Neubauten weichen sollte. Nun ist sie erhalten, schmuck herausgeputzt, und Küpper freut sich schon auf die Zeit, wenn alle Wohnungen bezogen sind und sich im Innenhof wieder das Leben regt. Apropos Leben: Vieles, was früher die Schenkenbergstraße geboten hatte, hat sich inzwischen jenseits des Hermann-Sohn-Platzes Richtung Obertürkheimer Straße verlagert. „Dort gibt es Geschäfte und Supermärkte, doch der Einkauf ist für viele mit weiteren Wegen verbunden“, weiß Küpper. „Gerade für ältere Menschen kann das zu einem Problem werden. Aber diese Entwicklung ist leider nicht aufzuhalten.“

Wer gut zu Fuß ist, wird gerne ab und an hinauf in die Weinberge gehen. Vorbei geht es an der Mettinger Schule und der Kelter, die von den Weingärtnern mit großem Aufwand zeitgemäß gestaltet wurde, hinaus in die Natur. Oberhalb der Kelter haben Fritz Gneithing und seine Mitstreiter im Obst- und Gartenbauverein Mettingen einen Lehr- und Schaugarten angelegt, den sie mit viel Liebe pflegen. Die jüngeren Mettinger zieht es dagegen eher Richtung Neckar. Dorthin ist das örtliche Jugendhaus umgezogen. Vom Hermann-Sohn-Platz aus geht es durch die Bahnhofs-Unterführung hinüber nach Mettingen-West. Lange war die Unterführung ein Sorgenkind des Bürgerausschusses, doch zuletzt haben Graffitikünstler den düsteren Durchgang deutlich freundlicher und bunter gestaltet. „Umso bedauerlicher, dass rücksichtslose Zeitgenossen weiterhin Wände beschmieren und den Boden verschmutzen“, ärgert sich Küpper.

Dagegen ist der Bürgerausschuss-Vorsitzende mit dem neuen Jugendhaus sehr zufrieden. „Nachmittags ist dort einiges geboten“, hat er beobachtet. Die Aktionsfläche vor dem Jugendhaus bietet Platz für unterschiedlichste Aktivitäten, die Nähe zu den Sportanlagen lockt ebenfalls. Ausdrücklich ist das Jugendhaus auch für junge Leute aus Weil und dem Brühl gedacht, den beiden Stadtteilen jenseits des Neckars. Ein elegant geschwungener Fußgängersteg verbindet Mettingen und den Brühl. Die frühere Arbeitersiedlung war einst für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Württembergischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei gebaut worden. Heute prägen nüchterne Wohnblocks das Bild des Viertels zwischen Neckar und Bundesstraße 10. Gleich nebenan beginnt der Werksteil Brühl der Daimler-AG, die dort unter anderem ihr technisches Ausbildungszentrum betreibt.

Es braucht schon einige Brückenschläge, um Mettingen, Brühl und Weil miteinander zu verbinden. Eine der wichtigsten Verbindungen ist derzeit außer Betrieb – die Schleyer-Brücke wird abgerissen und neu gebaut. Einen neuen Brückenschlag wünschen sich viele Bürgerinnen und Bürger auch über die B 10 nach Weil – jenem Stadtteil mit klösterlicher und königlicher Vergangenheit, der erst seit 1935 zu Esslingen gehört. Der neue Steg ist zwar Teil des Wohnungsbaukonzepts auf dem alten Sportgelände in Weil – ob und wann er tatsächlich kommt, ist allerdings noch offen. Denn auch wenn so mancher eingefleischte Weiler erklärtermaßen ein „Wir sind wir“-Gefühl pflegt, gehört das Stadtteil-Trio im Westen eben doch zusammen.

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