Stadtwerke Stuttgart Beim Preis sind die Stadtwerke nur Mittelmaß

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26,75 Cent kostet die Kilowattstunde bei den Stadtwerken Stuttgart – das ist nicht gerade billig. Dabei wird besonders das ökologische Konzept heraus gestellt. Tatsächlich gibt es unter den Ökostrom-Anbietern große Unterschiede.

  Foto: Martin Stollberg
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Stuttgart - In fünf Jahren wollen die Stadtwerke Stuttgart Grundversorger in der Stadt werden – sprich, mehr als die Hälfte der 350 000 Kunden auf ihre Seite gebracht haben. In Hamburg kann man darüber nur die Stirn runzeln: Dort ist die Hamburg-Energie schon Ende 2009 mit einem ähnlichen Konzept – 100 Prozent kommunal, 100 Prozent Öko – an den Start gegangen, aber mit ungleich bescheideneren Zielen. Heute hat Hamburg-Energie 80 000 Kunden. Das ist mehr als erwartet – vom Status des Grundversorgers ist man bei insgesamt 1,2 Millionen Anschlüssen in Hamburg dennoch Lichtjahre entfernt.

„Das Stuttgarter Ziel ist ambitioniert“, sagt Hamburg-Energie-Sprecher Carsten Roth in hanseatischem Understatement. Ein anderes Ansinnen der Stadtwerke ist hingegen realistisch: Hamburg-Energie hat im dritten Geschäftsjahr 2012 erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Das plant Finanzbürgermeister Michael Föll genauso.

Stadtwerke wollen, dass ihre Kunden wenig Strom kaufen

Wie viele Kunden die Stadtwerke anziehen können, hängt von zwei Faktoren ab: vom Konzept und vom Preis. Das Konzept gründet auf der hohen Glaubwürdigkeit der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) als Vertriebspartner. So achtet man beispielsweise darauf, dass der Ökostrom nur aus Anlagen kommt, an denen Energiekonzerne nicht beteiligt sind. Zudem sei der Preis so aufgebaut, sagte Vertriebsgeschäftsführer Michael Sladek, dass die Stadtwerke nicht auf hohe Abnahmemengen der Kunden hoffen: „Die ohnehin geringe Gewinnmarge ist im Grundpreis enthalten – wir möchten viele Kunden, die aber im Sinne der Energiewende wenig Strom verbrauchen.“

Stadtwerke im Preisvergleich

Der Preis wird bei vielen Kunden dennoch eine große Rolle spielen – und da liegen die Stadtwerke Stuttgart nur im Mittelfeld (siehe Tabelle). Auf dem Verbraucherportal Verivox finden sich derzeit 93 Anbieter von Ökostrom – Stuttgart liegt auf Rang 60, der günstigste Versorger ist 15 Prozent billiger. Die Stadtwerke Tübingen liegen mit ihrem Ökostrom 30 Euro im Jahr unter Stuttgart und können zudem das Argument vorbringen, dass ihr Strom im nahen Österreich produziert wird und nicht wie bei den EWS im fernen Norwegen. Selbst die Energie Baden-Württemberg (EnBW) streicht heraus, dass ihr Ökostrom größtenteils aus süddeutschen Wasserkraftwerken stamme. OB Fritz Kuhn hält dagegen: „Wir wollen nicht den günstigsten Strom anbieten, sondern ein qualitatives Produkt, mit dem wir uns zu einer nachhaltigen Stadt entwickeln können.“

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Vor einem Wechsel des Anbieters sollte man sich jedenfalls gut über die Herkunft und die Zusammensetzung des Ökostroms informieren – es gibt Unterschiede. Das Freiburger Öko-Institut hat 26 bundesweit erhältliche Angebote in ihre „Eco Top Ten“ gewählt. Kriterien sind: die Stromproduktion in Europa muss ökologischer werden, es müssen neue umweltfreundliche Kraftwerke entstehen, und der Preis darf maximal 20 Prozent höher liegen als der Durchschnittspreis für konventionellen Strom. Die EWS haben es in diese Liste geschafft – mehr dazu unter www.ecotopten.de.