Ein Blick auf den künftigen Straßburger Platz in Stuttgart – zumindest wenn sich der aktuelle Vorschlag aus dem Rathaus durchsetzt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Schon seit Langem soll in Stuttgart ein Platz nach der Partnerstadt Straßburg benannt werden. Die Standortsuche verlief holprig – der jetzt vorliegende Vorschlag ist zumindest überraschend.
Lang ist die Liste der Persönlichkeiten, die in Stuttgart als würdig erachtet werden, durch die Benennung einer Straße oder eines Platzes geehrt zu werden. Dazu kommen noch weitere Aspiranten, wie etwa Partnerstädte, deren Namen sich auch im Stadtplan niederschlagen sollten. Am Beispiel der elsässischen Metropole Straßburg, mit der Stuttgart seit mehr als 60 Jahren verbandelt ist, zeigt sich allerdings, dass das gar nicht so trivial ist.
Umplanung am Hauptbahnhof
Eine Straßburger Straße gibt es bereits seit 1934 in Zuffenhausen, der Straßburger Weg schlängelt sich immerhin seit 1993 durchs Wartbergelände. Nur einen Platz, der den Namen der französischen Partnerstadt trägt, gibt es eben noch nicht. Hoffnung keimte auf, als der neue Bahnhof von Stuttgart 21 begann, Formen anzunehmen. Auf der großen Dachfläche, auf die man einst ebenerdig aus dem Bonatzbau des bisherigen Bahnhofs hinaustreten wird können, sollte der Straßburger Platz entstehen.
Das war eigentlich beschlossene Sache. Bis man sich im Rathaus auf die Suche nach einem geeigneten Platz machte, mit dem man den legendären Oberbürgermeister Manfred Rommel ehren könnte. Dabei fiel der Blick auf das eigentlich Straßburg versprochene Bahnhofsdach. Das schien zu passen: Vor dem Bonatzbau liegt der Arnulf-Klett-Platz, benannt nach Rommels Amtsvorgänger. Die Sache war entschieden, Rommels Nachnachfolger Fritz Kuhn reiste ins Elsass, um die Entscheidung zu erklären, und Straßburg war platztechnisch wieder heimatlos in Stuttgart.
Der geplante Straßburger Platz zwischen Oper und Landtag Foto: Grafik/Yann Lange
Doch nun zeichnet sich eine Lösung ab, die zumindest überraschend ist. Nach Straßburg soll eine Fläche in Stuttgart benannt werden, die jetzt gut zur Hälfte aus einem Parkplatz und einer Tiefgarageneinfahrt besteht. Der Vorschlag des Amts für Stadtplanung und Wohnen lautet, „die Fläche zwischen dem Opernhaus und dem Landtag als Straßburger Platz zu benennen“. So steht es in einem Papier, das der zuständige Ausschuss des Gemeinderates am Mittwoch beschließen soll. Neben den Verkehrsflächen gibt es noch ein Stück Rasen und zwei Bäume, die sich künftig auf dem Straßburger Platz befinden werden.
Rathaus hält den vorgeschlagenen Platz für „angemessen“
„Die Fläche befindet sich im Eigentum des Landes Baden-Württemberg, das dem Benennungsvorhaben zugestimmt hat. Eine Adressenänderung für angrenzende Gebäude hat die Namensgebung nicht zur Folge“, fasst das Rathaus die Vorzüge der gefunden Lösung zusammen. Dort habe man seit den Planänderungen am Bahnhof „nach einer Möglichkeit gesucht, die Partnerstadt Straßburg an einer anderen Stelle im Stadtplan angemessen zu verankern“.
Dass dieses Ziel mit dem nun vorgeschlagenen Platz erreicht wird, ist im Rathaus nicht Konsens. Die Fraktion der Freien Wähler, die für sich reklamiert, den Weg für den Manfred-Rommel-Platz auf dem Bahnhofsdach freigemacht zu haben, glaubt mit Blick auf die Fläche zwischen Oper und Landtag, „dass noch adäquatere Straßen und Plätze für die Würdigung der Städtepartnerschaft mit Straßburg zu finden sein müssten“. Sie erinnern in einem aktuellen Antrag daran, dass sie schon vor Längerem die Umbenennung der Straße Am Schlossgarten in Straßburger Allee vorgeschlagen haben.
In Straßburg selbst gibt es östlich der Innenstadt gelegen eine Rue de Stuttgart. Die verläuft – ganz international – zwischen der Rue de Boston und der Rue de Stockholm. Unterwegs zweigt die Rue de Londres ab und verweist auf die britische Hauptstadt.