Stammzellspende für Diego aus Fellbach Überraschung zum 18. Geburtstag: Der Lebensretter fliegt ein

2023: Der volljährige Diego und sein Lebensretter Gunnar Hohn. Foto: Eva Herschmann

Dem 18-jährigen Diego aus Fellbach hat vor zwölf Jahren eine Stammzelltransplantation das Leben gerettet. Zur Geburtstagsparty ist sein genetischer Zwilling Gunnar Hohn aus Brandenburg gekommen.

Diego Anzioso Nunez hat nichts geahnt. Als er, der vor wenigen Tagen 18 Jahre alt geworden ist, am Samstag mit Mikey, dem Familienhund, vom Morgenspaziergang zurückkam, stand die Überraschung in Lebensgröße im elterlichen Wohnzimmer: Gunnar Hohn, der dem krebskranken Jungen aus Fellbach-Schmiden vor zwölf Jahren mit einer Stammzelltransplantation das Leben gerettet hat, war eigens zur Geburtstagsfeier aus Brandenburg eingeflogen.

 

Die Schwester zieht den Gassigang in die Länge

Die Überraschung war perfekt geplant: Laura, die vier Jahre ältere Schwester von Diego, hatte den Auftrag, den Gassigang so in die Länge zu ziehen, dass Papa Giuseppe Anzioso und Gunnar Hohn vom Flughafen da waren. Diego habe große Augen gemacht und sei dann seinem Retter um den Hals gefallen. Seitdem die beiden durch eine mehr als glückliche Fügung des Schicksals zusammengeführt wurden und sich zwei Jahre nach der Transplantation auch persönlich kennenlernten, sind sie im wahrsten Sinne des Wortes Blutsbrüder. Er sei wirklich überrascht gewesen, sagte Diego, und Gunnar Hohn verriet, dass er ihm eine Woche zuvor noch am Telefon angelogen habe, er könne leider nicht zu seinem Geburtstag kommen, weil er arbeiten müsse.

Diego erkrankt als Fünfjähriger zum dritten Mal an Blutkrebs

Diego Anzioso Nunez ist ein junger Mann mit vielen Plänen. Seit kurzem hat er den Realschulabschluss in der Tasche und will Physiotherapeut werden. Dass er überhaupt Zukunftspläne schmieden kann, verdankt er Gunnar Hohn, seinem 48-jährigen genetischen Zwilling. Diego war fünf Jahre alt, als er zum dritten Mal in seinem jungen Leben an Blutkrebs erkrankte. Schon 2009, mit dreieinhalb Jahren, musste der Bub sich einer ersten Chemotherapie unterziehen. Ein Jahr später, Diego war gerade eine Woche im Kindergarten, musste er erneut zur Behandlung in ein Krankenhaus. Diesmal schienen die Therapien zu wirken. Doch das Glück währte nur kurz. 2011 erhielt Diego erneut die Diagnose Leukämie. Beim dritten Rückfall, sagt seine Mutter Maria del Carmen Nunez Ortiz, sei ihr klar geworden, dass es um das Leben ihres fünfjährigen Sohnes geht „und dass Diegos einzige Chance, eine Stammzelltransplantation ist“. Eine Hilfswelle rollte an. Familie und Freunde organisierten eine Typisierungsaktion in der Schmidener Festhalle, die die Stadt kostenlos zur Verfügung stellte – und fast 2600 Menschen kamen am 25. September 2011 und ließen sich Blut abnehmen, das Geld für die Typisierungen wurde unter anderem bei Benefizkonzerten gesammelt.

Foto: Eva Herschmann

Tags zuvor hatte Diego trotz Fieber mit ärztlicher Erlaubnis für einen Tag sein Krankenzimmer im Stuttgarter Olgäle verlassen dürfen. An der Hand von Torhüter Sven Ulreich, der mit Christian Gentner die symbolische Patenschaft für Diego übernommen hatte, lief er strahlend vor dem Bundesliga-Heimspiel des VfB Stuttgart gegen den Hamburger Sportverein in die Arena ein.

Bei der Aktion in Schmiden fand sich kein potenzieller Spender für Diego, aber, wie später von der DKMS berichtet wurde, ein Lebensretter für einen anderen Leukämiepatienten. Und in Brandenburg ließ sich just zu jener Zeit Gunnar Hohn, der beim Straßenverkehrsamt in Königswusterhausen beschäftigt ist, typisieren. „Auch bei uns hatte es damals einen Aufruf gegeben, es ging um einen kleinen Jungen in Berlin-Buch“, sagt Gunnar Hohn. Auch für ihn sei ein Spender gefunden worden. Ab 90 Prozent Übereinstimmung besteht die Chance, dass eine Stammzelltransplantion klappt. „Dass wir 100-prozentige genetische Zwillinge sind, ist besonders“, sagt Gunnar Hohn. Diego nickt. Die zwei sind echte Blutsbrüder für immer. Auch zur Konfirmation seines „kleinen Bruders“ flog Gunnar Hohn ein, und seitdem er 2022 Vater einer Tochter geworden ist, weiß er die besondere Verbindung zwischen ihm und Diego noch mehr zu schätzen.

Der Krebs und die DKMS

Krebs bei Kindern
Die akute Lymphatische Leukämie (ALL), eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems, ist die häufigste Krebsform bei Kindern noch vor Hirntumoren und Lymphomen. In Deutschland erhalten jährlich etwa 2200 Kinder die Diagnose Krebs, gut 600 davon erkranken an einer ALL. Am häufigsten betroffen sind Kinder zwischen einem und fünf Jahren. Jungen erkranken etwas häufiger an einer Leukämie als Mädchen.

DKMS
Die DKMS, ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei, ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Tübingen. Haupttätigkeitsfeld ist die Registrierung von Stammzellspendern, um weltweit Blutkrebspatienten mit einer Stammzelltransplantation Heilung zu ermöglichen. Die DKMS forscht zudem wissenschaftlich im Bereich Blutkrebs und Stammzelltransplantationen

Weitere Themen