Standort in Böblingen US Army wirbt für sich als Arbeitgeber

Jason Bracer (li.) und sein Kollege werben für Jobs. Foto: /Stefanie Schlecht

In der Panzerkaserne arbeiten auch viele Menschen, die keine US-Amerikaner sind. Um auf solche Jobs aufmerksam zu machen, kooperiert die Armee seit Kurzem mit der Agentur für Arbeit.

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

Auf den Stehtischen liegen stapelweise bunte Flyer aus. Auf einem prangen eine US- und eine Deutschland-Flagge. „International in der eigenen Heimatstadt arbeiten!“, steht dort beispielsweise neben dem Foto eines Feuerwehrmannes.

 

So wirbt die US Army Garnison (USAG) Stuttgart um Jobsuchende, die in der Böblinger Panzerkaserne arbeiten wollen. Denn dort sind nicht etwa nur US-Amerikaner beschäftigt, es gibt auch viele Mitarbeiter anderer Nationalitäten, die in Böblingen und Umgebung wohnen, sogenannte „Local Nationals“. Um hier neues Personal zu akquirieren, kooperieren die Armee-Verantwortlichen seit Kurzem mit der Agentur für Arbeit.

Dafür war die USAG Stuttgart zuletzt bei der Agentur für Arbeit in Böblingen zu Gast. Insbesondere hatten die US-Amerikaner dabei Geflüchtete im Blick. „Dass wir Menschen und Arbeit zusammenbringen, ist unser Hauptjob“, sagt Daniel Boban, der Teamleiter des Arbeitgeber-Services. In Bezug auf die neue Initiative ergänzt er: „In allererster Linie geht es uns beim gemeinsamen Termin darum, den gemeldeten Personalbedarf der US-Armee zu decken.“ Aktuell werden vor allem Gärtner und kaufmännische Fachkräfte gebraucht. Aber es gibt auch Stellen bei der Feuerwehr, als Lackierer oder im Postwesen.

13 Geflüchtete erhalten eine Einladung

Ein potenzielles Mittel dafür sei laut Boban die Aktion Job-Turbo. Diese wird im Landkreis Böblingen von Jan Schernau vom Jobcenter koordiniert. Der Mitarbeiter im Arbeitgeber-Service und sein Team wählen aus einem Pool von rund 300 Geflüchteten aus, welche Profile zu welchen Arbeitgebern passen. Geachtet wird auf verschiedene Faktoren, darunter das Sprachniveau.

13 Geflüchtete haben Schernau und Co. zum Termin eingeladen, acht sind erscheinen. Sie alle hören sich die Präsentation der USAG-Vertreter an, sieben bleiben anschließend für weitere Informationen und Gespräche. Unter anderem informieren Mitarbeiter der Feuerwehr um Jason M. Bracer über die Jobs. „Das ist unser Ziel: dass die Leute ins Gespräch kommen“, sagt Schernau und ergänzt: „Wir stellen natürlich die Plattform in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern, können aber nicht beeinflussen, was nachher passt oder nicht.“

Ein 42-Jähriger aus der Ukraine, der mit seiner Familie vor dem Krieg geflohen ist und derzeit in Aidlingen lebt, nimmt die Chance wahr – wie jede, die ihm die Agentur für Arbeit und das Jobcenter ermöglichten, sagt er. Deutschland sei ein gutes Land und biete ihm viele gute Dinge wie eine Wohnung und Sprachkurse. Er wolle hier nicht nur leben und entspannen, sondern eine Ausbildung machen, arbeiten, Steuern zahlen und sich und seiner Familie in der neuen Heimat ein Leben aufbauen. „Vielleicht können sie mir etwas anbieten, das zu mir passt“, hofft der Mann, der wie viele der Geflüchteten des Jobcenter-Pools aus der Ukraine stammt.

Daniel Boban macht kein Geheimnis daraus, dass die Erfolgsquote bei Veranstaltungen wie dieser höher sein könnte. „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit der Zeit hier mehr Erfolge feiern können“, blickt der Teamleiter voraus. Für die US Army ist die Kooperation nicht nur wichtig, um konkret Stellen zu besetzen, sondern auch, um sich als Arbeitgeber bekannter zu machen. Personalreferentin Christine Bixby findet das Jobvergabe-Event „toll, weil wir mehr und mehr an die Öffentlichkeit kommen“. Zwei bis drei der ungefähr 20 interessierten Personen seien auch für die Vertreter der Garnison „wirklich interessant“ gewesen, bilanziert Peter Faber, der in der Panzerkaserne für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

US Army beschäftigt einige „Local Nationals“

Unter den Favoriten befindet sich auch eine 37-jährige Verwaltungsangestellte, die am Vormittag die Kundenbesuche ohne Termin nutzte. Sie interessiere sich schon länger für Jobs bei der US Army und meinte nach den Gesprächen: „Ich werde mich auf jeden Fall bewerben.“ Sollte der Arbeitsvertrag zustande kommen, würde sie zu den rund 480 nicht-amerikanischen Staatsbürgern und somit ortsansässigen Beschäftigten zählen, die lokal für die US Army arbeiten.

So wie Israel Ereme aus Stuttgart, seit zwei Jahren am Böblinger Standort angestellt. Er ist im administrativen Bereich tätig. „Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich karrieremäßig weiterzuentwickeln“, sagte der 28-Jährige bei einem Gespräch in seinem Büro. Er möge die Kultur, die Denkweise der Amerikaner. Durch seine Muttersprache Englisch habe er ohnehin keine Verständigungsprobleme.

Angelika Aguilar arbeitet schon seit fast 40 Jahren bei den Amerikanern und ist seit 2017 in der Panzerkaserne für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie wusste schon als Kind, wer ihr Arbeitgeber sein sollte. „Mama, ich will das Gleiche machen wie du“, habe sie zu ihrer Mutter in deren Büro in den Robinson Barracks im Stuttgarter Norden gesagt. Der 56-Jährigen aus Waldenbuch gefällt ihr Job, sie beschreibt die Amerikaner als offen. Christine Bixby, seit 2016 bei der US Army, wurde eher zufällig auf die Stelle aufmerksam. „Das war das Beste, was mir passieren konnte“, sagte die 55-jährige Personalreferentin. Sie hofft, bald weitere „Local Nationals“ begrüßen zu dürfen.

US Army kooperiert mit der Arbeitsagentur

USAG
Die Panzerkaserne zählt neben den Patch Barracks in Vaihingen, den Kelley Barracks in Möhringen und den Robinson Barracks im Norden der Landeshauptstadt zu den Standorten der US Army Garnison Stuttgart.

Local National
Laut der US-Army gilt derjenige als ortsansässiger Beschäftigter, der EU-Staatsbürger ist oder ein Arbeitsvisum für die EU besitzt, kein amerikanischer Staatsbürger ist und zudem seit mindestens zwölf Monaten in Deutschland lebt.

Job-Turbo
Die Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) sieht primär vor, Geflüchtete schneller in Arbeit zu vermitteln.

Kooperation
Im März richtete die USAG mit der Agentur für Arbeit in Stuttgart die erste gemeinsame Veranstaltung aus, im April folgte die in Böblingen. „Wir haben das Ziel, das in regelmäßigen Abständen zu machen“, sagt Jan Schernau. (rsp)

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