Standort Stuttgart betroffen Nokia streicht Tausende Jobs

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Nach der Übernahme von Alcatel-Lucent startet der Telekommunikationskonzern ein massives Sparprogramm. Auch die Standorte Stuttgart und Ulm sind betroffen. Für die Nokia-Beschäftigten im Südwesten ist es eine neuerliche Hiobsbotschaft.

Auch in der finnischen Heimat des Konzerns (im Bild: die Zentrale in Espoo) sollen 1300 Stellen wegfallen. Foto: AP
Auch in der finnischen Heimat des Konzerns (im Bild: die Zentrale in Espoo) sollen 1300 Stellen wegfallen. Foto: AP

Stuttgart - Der Telekomausrüster Nokia baut nach der milliardenschweren Übernahme des Rivalen Alcatel-Lucent weltweit mehrere Tausend Arbeitsplätze ab. In Deutschland sollen rund 1400 von 4800 Jobs wegfallen, wie eine Sprecherin der deutschen Nokia-Tochter am Mittwoch sagte. 1250 Stellen davon sollen bereits bis Ende 2017 wegfallen, die übrigen bis Ende 2018. Betroffen seien alle Standorte, allerdings würden die Streichungen vor allem Bereiche treffen, in denen es Überschneidungen zwischen Nokia und Alcatel-Lucent gebe. Ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde, sei derzeit nicht klar. Die Finnen hatten die Übernahme des französisch-amerikanischen Konzerns für mehr als 15 Milliarden Euro Anfang des Jahres abgeschlossen.

Die größten deutschen Standorte sind München und Stuttgart mit jeweils mehr als 1000 Mitarbeitern, danach folgen Ulm und Nürnberg, wo früheren Angaben zufolge zwischen 400 und 500 Menschen beschäftigt sind. Kleinere Nokia-Standorte sind unter anderem in Berlin, Dresden, Leipzig und Mannheim. Für die rund 1050 Beschäftigten in Stuttgart dürfte mit der Ankündigung „die nächste Personalabbauwelle“ einhergehen, befürchtet IG-Metall-Betriebsbetreuer Björn Kallis. Schon in der Vergangenheit sei der ehemalige SEL, Alcatel und Alcatel-Lucent-Standort, an dem zu Hochzeiten in den siebziger Jahren mehr als 30 000 Menschen beschäftigt waren, schwer gebeutelt gewesen.

Erst kürzlich wurde ein Tarifvertrag geschlossen

Mit dem Arbeitgeber habe man kürzlich zwar einen Tarifvertrag abgeschlossen, der im Falle von Personalabbau vorsieht, dass die Mitarbeiter sechs Monate lang einen Anspruch auf „den Versuch der Vermittlung in gute Arbeit“ haben, sagte Kallis. Damit könne sich Nokia aber nicht aus der Verantwortung für weitere Schritte wie Interessenausgleich oder Sozialplan stehlen, so der IG-Metall-Vertreter. Er erwartet, dass das Unternehmen innerhalb der nächsten Wochen konkretisierte Pläne zu dem Sparprogramm vorlegt.

In Stuttgart sind sowohl zentrale Funktionen wie Personal, Verwaltung und Marketing angesiedelt, als auch Teile der Forschung und Produktentwicklung. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt ist eines von weltweit sechs sogenannten Bell Laboratories (Bell Labs) angesiedelt, in denen Wissenschaftler im Auftrag von Nokia unter anderem in den Bereichen Mobilfunktechnik, Vernetzung von Maschinen und Alltagstechnik sowie optische Netze forschen. Künftig sei es geplant, so eine Sprecherin, bestimmte Bereiche stärker an einzelnen Standorten zu bündeln. Noch habe man aber nicht darüber entschieden, ob dies auch für die Forschung- und Entwicklung gelte und an welchem Ort dies geschehen könnte. „Der Nokia-Standort Deutschland soll seine strategische Bedeutung für das Unternehmen behalten und ein zentraler Forschungs- und Entwicklungsstandort innerhalb von Nokia bleiben“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.

Die Finnen beschäftigen 104 000 Mitarbeiter rund um den Globus

Nokia beschäftigt weltweit 104 000 Mitarbeiter. Bereits bei der Alcatel-Lucent-Übernahme hatte der Konzern angekündigt, die jährlichen Betriebskosten bis Ende 2018 um 900 Millionen Euro senken zu wollen. Nach Informationen des Finanzdienstleisters Bloomberg sollen insgesamt 10 000 bis 15 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. In der Heimat des Konzerns, Finnland, fallen 1300 von 6850 Stellen weg, wie Nokia am Mittwoch mitteilte. Über den Stellenabbau solle in insgesamt fast 30 Ländern verhandelt werden. Details solle es mit der Vorlage der nächsten Quartalszahlen am 10. Mai geben, kündigte der Konzern an.

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